Terrorpläne in Washington FBI vereitelt Anschlag mit Miniflugzeugen

Die US-Bundespolizei FBI hat in einer ausgeklügelten Undercover-Aktion einen mutmaßlichen Terroristen festgenommen. Der Mann wollte offenbar mit Sprengstoff beladene Modellflugzeuge ins Pentagon und ins Kapitol steuern. Nun droht ihm eine jahrzehntelange Haftstrafe.


Boston - US-Fahnder haben einen Terrorverdächtigen festgenommen, der in Washington mit ferngesteuerten Flugzeugen Anschläge auf das Pentagon und das Kapitol, den Sitz des US-Parlaments, verüben wollte. Die Sicherheitskräfte machten den amerikanischen Staatsbürger in Framingham im Bundesstaat Massachusetts dingfest, nachdem verdeckte Ermittler ihm eine Lieferung mit Waffen und anderem Material für das geplante Attentat übergeben hatten.

Die Lieferung enthielt Dinge, die er für die Durchführung seines Plans bestellt hatte - darunter Granaten, sechs Maschinengewehre und rund zwölf Kilogramm Plastiksprengstoff. Der Mann ist nun unter anderem wegen des Anschlagsversuchs angeklagt, aber auch weil er ausländische Terroristen unterstützen wollte - er hatte die FBI-Undercoveragenten für Qaida-Kader gehalten.

Die Öffentlichkeit sei aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, teilte die Bundespolizei mit. Die FBI-Agenten hätten den Sprengstoff unter Kontrolle gehabt.

US-Bürger als "Feinde Allahs"

Der 26-jährige Rezwan F. ist nach Angaben des FBI diplomierter Physiker und soll im Jahr 2010 damit begonnen haben, seinen eigenen Dschihad gegen die USA zu planen. Die US-Bürger betrachtete er demnach als "Feinde Allahs". Von dem Angriff auf das Verteidigungsministerium der USA, das er "Kopf und Herz der Schlange" nannte, versprach er sich einen starken psychologischen Effekt.

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US-Ermittlungen: Terrorplot mit Modellflugzeugen
Der mutmaßliche Terrorist stand den Angaben zufolge die ganze Zeit unter Beobachtung von Undercoveragenten. F. plante laut Behörden, nach der Attacke mit den Modellflugzeugen auf die fliehenden Menschen zu schießen. Zwischen Mai und September habe der Mann die "nötigen Komponenten" bestellt, darunter das drohnenähnliche Modell, das per GPS gesteuert wird. Er nutzte demnach dafür den Decknamen "Dave Winfield".

Seine Pläne legte der Verdächtige detailliert in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung dar, die er den Agenten übergab. Zunächst hatte er offenbar nur das Pentagon angreifen wollen, später sein Vorhaben aber auf das Kapitol ausgedehnt. Dem Luftangriff per Modellflieger hätte dann eine Art Bodenoffensive mit sechs bewaffneten Terroristen folgen sollen. Im Mai war er in Washington unterwegs gewesen, hatte Ziele ausgespäht und Fotos gemacht. Dabei hatte er ein Versteck im East Potomac Park als Ausgangspunkt für die Attacke ausgewählt.

Mobiltelefone zu Fernzündern umgebaut

Dem Verdächtigen wird zudem vorgeworfen, versucht zu haben, Material zum Bombenbau für Anschläge auf US-Soldaten im Irak weiterzuleiten. Staatsanwältin Carmen Ortiz sagte, er habe Mobiltelefone zu Fernzündern umgebaut, um diese dem Terrornetzwerk al-Qaida zur Verfügung zu stellen. Er hatte bereits mindestens einen solchen Fernzünder an die FBI-Agenten übergeben. Als man ihm im Juni dann erzählt habe, dass das Gerät bei einem Anschlag verwendet worden sei, bei dem drei US-Soldaten im Irak umgekommen und fünf weitere verletzt worden seien, sei er sehr zufrieden gewesen, heißt es in den Unterlagen. "Das ist genau das, was ich wollte", soll F. erwidert haben.

In Gesprächen mit einem Informanten der Behörden erklärte der Hochschulabsolvent offenbar, Gott habe in früheren Zeiten Naturkatastrophen benutzt, um böse Zivilisation zu bestrafen. Heute würde er Menschen wie ihn benutzen. "Gott hat uns das Privileg gewährt, er bestraft sie durch unsere Hand", sagte er demnach.

ffr/Reuters/dpa/AFP



insgesamt 155 Beiträge
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Tungay 29.09.2011
1. Wieso Terrorist?
Schliesslich gibt es die Religionsfreiheit und der Mann hat sein heiliges Buch einfach nur ernst genommen. Man kann nicht Religionsfreiheit um jeden Preis propagieren und sich anschliessend wundern wenn das jemand ernst nimmt und seine Religion so auslebt, wie es ihm vom Propheten befohlen wurde.
ratxi 29.09.2011
2. Allgegenwärtig
Zitat von sysopDie US-Bundespolizei FBI hat in einer ausgeklügelten Undercover-Aktion einen mutmaßlichen Terroristen festgenommen. Der Mann wollte offenbar mit Sprengstoff beladene Modellflugzeuge ins Pentagon und ins Kapitol steuern. Nun droht ihm eine jahrzehntelange Haftstrafe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,788979,00.html
Das macht zumindest deutlich, wie allgegenwärtig die Gefahr von Anschlägen ist. Dauerhaft verhindert werden wird das wohl nicht können. Wie auch...
böd 29.09.2011
3. Ich warte...
auf die ersten Forderungen Modellflugzeuge zu verbieten, da ja die Terrorgefahr durch sie in unannehmbaren Maßen steigt... (jeder kann sie kaufen und mit wenig Übung fliegen, man muss sich nicht mal mehr selbst opfern!) Wer möchte als erster? Vielleicht die CDU/CSU?
stellan0r, 29.09.2011
4. Bestellt?!
Der Mann hat Granaten, Maschinengewehre und Plastiksprengstoff "bestellt" !?! Hat Amazon.com sein Angebot ausgeweitet?
Kleiner_Nachdenker 29.09.2011
5. Werft nicht Bomben, sondern Hirn vom Himmel!
God is with us because he hates the Yanks, too!... God is not on our side 'cause he hates idiots also. Hier gibt es ja nicht viel zu diskutieren. Aber mir kam obiges Filmzitat in den Sinn. Wer es kennt bekommt einen Punkt? (Ab zwei Punkten darf man sich als Marienkäfer fühlen!)
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