Terrorprozess 9/11-Angeklagte in Guantanamo wollen sich schuldig bekennen

Überraschung bei der Verhandlung gegen mutmaßliche 9/11-Attentäter: Der vor einem Militärgericht in Guantanamo angeklagte Chalid Scheich Mohammed und vier weitere Beschuldigte wollen ein Geständnis ablegen. Das umstrittene Gericht könnte danach rasch sein Urteil sprechen.

Hamburg - Militärrichter Stephen Henley teilte in Guantanamo mit, die insgesamt fünf Angeklagten wollten auf alle Anträge zu ihrer Verteidigung verzichten und ein Geständnis ablegen. "Wir sind alle fünf übereingekommen, bei der Kommission eine sofortige Anhörung zu beantragen, um unsere Geständnisse zu verkünden", heißt es der Erklärung der fünf Angeklagten. Auf die Frage des Richters, ob er sich schuldig bekennen wolle, entgegnete Scheich Mohammed: "Ja, wir wollen keine Zeit verschwenden." In einer kurzen Stellungnahme stellte er die Unabhängigkeit des Gerichts in Frage und warf dem US-Geheimdienst CIA erneut vor, ihn gefoltert zu haben.

Chalid Scheich Mohammed (Gerichtszeichnung): Selbst seine Anwälte rätseln über die Motive

Chalid Scheich Mohammed (Gerichtszeichnung): Selbst seine Anwälte rätseln über die Motive

Foto: AP

Bei den Fünfen handelt es sich neben dem selbst ernannten Chefplaner der Anschläge vom September 2001, Scheich Mohammed, um Ramsi Binalschibh, der als Cheflogistiker der Hamburger Zelle um den Flugzeugattentäter Mohammed Atta gilt, um Mustafa Ahmed al-Hawsaui, Walid bin Attasch und Ali Abdul Asis Ali. Ihnen wird Verschwörung zum Mord an 2973 Menschen vorgeworfen, wofür ihnen die Todesstrafe droht. Die Angeklagten betonten zudem, sie wollten alle anhängigen Anträge zurückziehen.

Scheich Mohammed versucht damit offenbar, das Verfahren zu einem Ende zu bringen und die Beweisaufnahme abzuschließen. Theoretisch könnte das Gericht auf der umstrittenen US-Militärbasis nun direkt zu den Urteilen übergehen. Prozessbeobachter rätseln über die Motive des mutmaßlichen Terrorplaners, der auch seine Anwälte überrascht haben soll.

Bei der Verhandlung in Guantanamo saßen erstmals Angehörige der Terroropfer dem mutmaßlichen Drahtzieher gegenüber. Nur eine Scheibe aus Plexiglas trennte Zuschauer und Angeklagte. Das Pentagon hatte fünf Hinterbliebenen per Losverfahren die Teilnahme an der Verhandlung ermöglicht. Dafür waren mehr als hundert Anfragen eingegangen.

Bereits bei einer ersten Anhörung im Juni hatte Scheich Mohammed seine Verteidiger entlassen und das Gericht aufgefordert, ihn zum Tode zu verurteilen. Er wolle als Märtyrer sterben, hatte er damals gesagt.

Für die militärrechtliche Aburteilung der Terrorverdächtigen wurden im Lager Guantanamo auf Kuba eigens so genannte Militärkommissionen, Sondertribunale der Armee, eingerichtet. Deren Rechtmäßigkeit ist in den USA juristisch umstritten: Vor ihnen besitzen Angeklagte und Verteidigung weniger Rechte als vor ordentlichen US-Gerichten. Die Zukunft der Militärkommissionen und des Gefangenenlagers Guantanamo gilt seit dem Wahlsieg des Demokraten Barack Obama als völlig offen. Obama hatte im Wahlkampf die Schließung des Lagers versprochen. Er tritt sein Amt am 20. Januar ein.

asc/itz/Reuters/AFP