Terrorprozess in Australien Extremisten müssen für Jahrzehnte in Haft

Jahrzehntelange Haftstrafen für fünf muslimische Extremisten in Australien: Die Männer sollen Anschläge geplant haben, um das Land für seine Beteiligung an den Militäreinsätzen in Afghanistan und im Irak zu "bestrafen". Ein Gericht verurteilte sie zu 23 bis 28 Jahren Haft.
Hohe Sicherheitsvorkehrungen: Polizisten vor dem Gerichtsgebäude in Sydney

Hohe Sicherheitsvorkehrungen: Polizisten vor dem Gerichtsgebäude in Sydney

Foto: DANIEL MUNOZ/ REUTERS

Sydney - Zehn Monate dauerte der Prozess. Dann stand für die Richter fest, dass die fünf Australier, die zwischen 25 und 44 Jahre alt sind, blutige Anschläge vorbereiteten. Das höchste Gericht des Staates New South Wales verhängte deshalb am Montag Freiheitsstrafen von 23 bis 28 Jahren. Mindestens einer der Angeklagten kündigte an, in Berufung zu gehen.

Ermittler hatten 2005 bei der Festnahme der Männer Sprengstoff und Schusswaffen gefunden. Welches Anschlagsziel die Gruppe im Visier hatte, konnte der monatelange Prozess nicht endgültig klären. Ein ehemaliger Komplize der Männer sagte aber aus, diese hätten einen Anschlag auf ein Football-Match erwogen, zu dem mehr als 90.000 Zuschauer erwartet wurden. Die Staatsanwaltschaft warf den Angeklagten vor, auch über einen Anschlag auf den früheren australischen Ministerpräsidenten John Howard diskutiert zu haben. Sie hätten Australien für seine Beteiligung an den Militäreinsätzen in Afghanistan und im Irak "bestrafen" wollen.

Die Angeklagten seien teilweise "unbeholfen" vorgegangen, "ihre Verschwörung war dadurch aber nicht weniger gefährlich", sagte Richter Anthony Whealy bei der Urteilsverkündung. Die Pläne seien bei der Festnahme der Gruppe ausgereift gewesen. Es sei zwar nicht klar, ob die Männer auch töten wollten, sie seien jedoch Fanatiker und eine "ernste Gefahr" für die Allgemeinheit, sagte der Richter. Ihre Inhaftierung sei für sie ein Ehrenzeichen. Die fünf Männer nahmen das Urteil regungslos auf, einige lächelten sogar, als der Richter den Saal verließ.

Die Australier, die aus dem Libanon, aus Bangladesch und Libyen stammen, hatten laut Staatsanwaltschaft monatelang Waffen, Chemikalien und Anleitungen zum Bombenbau gesammelt. In ihren Wohnungen fanden Ermittler außerdem Literatur über "wahlloses Töten, Massenmord und Märtyrertum" sowie Bilder und Videos von Enthauptungen und den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Auch Schriften, die den Terroristen Osama bin Laden verherrlichen, sammelte die Gruppe.

Das Verfahren gegen die Männer war der bisher längste Anti-Terror-Prozess Australiens. In zehn Monaten wurden rund 300 Zeugen gehört und mehr als 3000 Beweisstücke vorgelegt.

mmq/apn/afp/Reuters
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