Terrorprozess von Mumbai Angeklagter zieht Geständnis zurück

Der mutmaßliche Attentäter von Mumbai hat am ersten Tag seiner Verhandlung sein Geständnis widerrufen. Es sei durch Folter erpresst worden. Das Gericht kündigte eine Überprüfung der Vorwürfe an. Dem Angeklagten droht die Todesstrafe.


Mumbai - Der einzige überlebende mutmaßliche Attentäter der Anschläge von Mumbai hat sein Geständnis zurückgezogen. Es sei unter Zwang und Gewaltanwendung zustande gekommen, sagte sein Anwalt zu Beginn der Hauptverhandlung am Freitag. Sein Mandant werde auf "nicht schuldig" plädieren.

Mumbai-Attentäter Kasab: Geständnis zurückgezogen
REUTERS

Mumbai-Attentäter Kasab: Geständnis zurückgezogen

Das Gericht wird die Rechtskraft von Kasabs Aussage nun prüfen lassen. Einem Richter zufolge sollen dafür die Zeugen von Kasabs Vernehmung gehört werden.

Der Staatsanwalt sieht die Anschlagserie von Mumbai als Teil eines pakistanischen Krieges gegen Indien mit dem Ziel, Kaschmir zu erobern. "Es war ein gut vorbereitetes und durchdachtes Vorhaben mit Unterstützung der pakistanischen Geheimdienste", zitierte er aus Kasabs Aussage. Kasab sei gesagt worden, es sei Zeit für den Dschihad, Zeit, Indien anzugreifen und Zeit, Mumbai als Indiens wirtschaftliches Zentrum anzugreifen.

Nikam machte die islamistische Terrororganisation Lashkar-i-Toiba für die Angriffe verantwortlich. Sie soll in den 80er Jahren vom pakistanischen Geheimdienst gegründet worden sein, um gegen die indische Herrschaft im geteilten Kaschmir zu kämpfen.

Im Februar räumte die pakistanische Regierung erstmals ein, dass die Anschläge von Mumbai teilweise in Pakistan geplant wurden. Eine eigene Beteiligung an den Angriffen hat sie jedoch mehrfach bestritten. Bei den Anschlägen im vergangenen November, an denen zehn Attentäter beteiligt waren, kamen 166 Menschen ums Leben. Sollte Kasab für schuldig befunden werden, droht ihm die Todesstrafe.

bim/AP/AFP/Reuters



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