Terrorserie in Bagdad Bombenanschlag im irakischen Parlament

Die Gewalt im Irak hat eine neue Dimension angenommen. Innerhalb weniger Stunden erschütterten zwei schwere Anschläge die Hauptstadt. Die Ziele: eine Hauptverkehrsbrücke und das Parlament in der besonders gesicherten Grünen Zone. Dabei gab es viele Tote und Verletzte - darunter mindestens zwei Abgeordnete.


Bagdad - Zum ersten Mal haben Terroristen einen Anschlag auf das irakische Parlament verübt: Im Restaurant des Gebäudes explodierte am Mittag eine Bombe. Einem Mitarbeiter der irakischen Sicherheitsbehörden zufolge wurde der Anschlag von einem Selbstmordattentäter verübt, der einen Sprengstoffgürtel zündete. Wie der Sprecher des Parlaments, Mohammed Abu Bakr, mitteilte, war das Restaurant zu dem Zeitpunkt sehr voll gewesen. Unter den Besuchern waren viele Abgeordnete, denn im Gebäude fand heute eine Parlamentssitzung statt. Laut Sicherheitskreisen starben mindestens zwei Abgeordnete. Es soll Dutzende Verletzte gegeben haben.

Hubschrauber über dem Versammlungsgebäude des Parlaments: Terror-Serie in Bagdad
DPA

Hubschrauber über dem Versammlungsgebäude des Parlaments: Terror-Serie in Bagdad

Bei einem der Toten handele es sich um den sunnitischen Abgeordneten Mohammed Awad, erklärte Saleh al-Mutlak, der Vorsitzende seiner Partei, der Front für den nationalen Dialog. Eine Abgeordnete seiner Partei sei verletzt worden, erklärte al-Mutlak. Aus Sicherheitskreisen hieß es, ein schiitischer Abgeordneter sei ebenfalls getötet worden.

Das Parlamentsgebäude liegt in der schwer gesicherten Grünen Zone der irakischen Hauptstadt. Dort sind auch viele Ministerien und die US-Botschaft untergebracht. Bisher haben es Attentäter nur selten geschafft, die zahlreichen Checkpoints unentdeckt zu passieren.

Bereits zuvor hatte es heute eine schwere Explosion in Bagdad gegeben. Ein Autobomber hatte auf einer wichtigen Brücke seine Ladung gezündet. Offiziellen Angaben zufolge kamen dabei acht Menschen ums Leben. Andere Quellen sprechen von bis zu zehn Toten. Durch die Gewalt der Explosion stürzten Teile der im Norden der irakischen Hauptstadt gelegenen Brücke sowie mehrere Autos in den Fluss. Polizeiboote und Taucher suchten nach Überlebenden, während US-Hubschrauber über dem Tatort kreisten.

Über der Brücke stand eine dicke Rauchwolke. Der Anschlag wurde vor Einsetzen des morgendlichen Berufsverkehrs verübt.

Der Ausfall der Sarafija-Brücke dürfte das durch viele Kontrollpunkte verursachte Verkehrschaos mit unzähligen Staus weiter verschärfen. Zwei der zwölf Tigris-Brücken wurden schon früher aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die Sarafija-Brücke gehörte nach Angaben der Verkehrspolizei nicht dazu, weil sie Stadtteile verbindet, die nicht als besonders gewalttätig eingestuft wurden.

Die Brücke wurde hauptsächlich von Händlern benutzt, die vom Bagdader Zentrum aus Märkte im Norden der Stadt mit Waren beliefern. "Die Terroristen haben die Brücke zerstört. Jetzt müssen wir unter noch mehr Staus leiden", sagte ein Polizist.

Die Flussquerung wurde in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von den Briten gebaut. Sie war ursprünglich eine Straßen- und Eisenbahnbrücke. Die Gleise wurden Anfang der siebziger Jahre jedoch entfernt, um mehr Platz für den Autoverkehr zu schaffen.

In einer groß angelegten Militäroperation haben amerikanische und irakische Soldaten versucht, in den vergangenen zwei Monaten die Aktivitäten von Todesschwadronen einzudämmen. Allerdings kommt es nach wie vor zu Bombenanschlägen mit Autos und Lastwagen.

Die Lage der Bevölkerung hat sich nach Angaben des Rotes Kreuzes trotz der Offensive weiter verschlechtert. "Das beständige Leiden der irakischen Männer, Frauen und Kinder ist unerträglich und nicht hinnehmbar", sagte Pierre Krähenbühl vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) anlässlich der Veröffentlichung eines Berichts über die Lage der irakischen Zivilbevölkerung. "Die internationale Gemeinschaft muss mehr tun, um der Zivilbevölkerung im Irak zu helfen", so der IKRK-Direktor für Auslandseinsätze.

ler/jaf/AP/Reuters



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