Terrorverdacht in Bangkok Thailand zittert um seine Tourismusbranche

Der Anschlag vom Valentinstag in Bangkok ist noch lange nicht aufgeklärt, doch Thailands Behörde geben sich größte Mühe, den Vorfall herunterzuspielen. Terror? Bei uns doch nicht! Schließlich hängt das Land vom Tourismus ab - und die Gäste sollen sich sicher fühlen.
Von Freddy Surachai
Von der Explosion beschädigtes Auto in Bangkok: "Macht kein größeres Ding daraus"

Von der Explosion beschädigtes Auto in Bangkok: "Macht kein größeres Ding daraus"

Foto: KEREK WONGSA/ REUTERS

Saeid Moradi, Mohammed Khasaei und Masoud Sedaghat Sade ließen es sich richtig gut gehen: Die drei Iraner hatten sich für fünf Nächte im Top Thai Hotel in Thailands Touristenhochburg Pattaya eingemietet. Es ist zwar keine Luxusherberge, dafür kosten die Zimmer aber auch nur 10 bis 15 Euro die Nacht. Und es gibt eine Bar. Meistens hing das Trio dort herum, trank, spielte Billard, rauchte Wasserpfeife.

Damit es wirklich spaßig wurde, hatte Khasaei auch noch drei Thai-Mädels angeheuert, die den Dreien die Zeit auf angenehme Weise vertreiben sollten. "Uns ist nichts aufgefallen", erinnert sich die etwa 20-jährige Nan, die Khasaei in Pattaya auf der Straße aufgegabelt hatte. "Sie zeigten sich nur sehr interessiert, wenn im Fernsehen Bilder von Bombenanschlägen oder so etwas zu sehen waren."

Am Valentinstag schlug das Trio dann in Bangkok selbst zu: Eine Bombe explodierte - offenbar unabsichtlich - in einem von ihnen schon vor längerem gemieteten Haus, zwei weitere, als sie versuchten, vor der Polizei zu flüchten. Moradi riss es beide Beine weg. Er liegt noch immer ohne Bewusstsein im Hospital. Khasaei wurde noch am selben Tag am Suvarnabhumi-Flughafen festgenommen. Er sitzt jetzt im Gefängnis und muss mit einer Anklage wegen Mordversuchs und illegalen Sprengstoffbesitzes rechnen. Sade konnte zunächst entkommen, doch bereits am nächsten Tag schnappte ihn die malaysische Polizei in Kuala Lumpur. Er wartet nun auf seine Auslieferung an Thailand.

"Das war kein Terrorismus. Es hat eine Explosion gegeben. Das war's"

Verteidigungsminister Sukumpol Suwanatat zieht am Ende der Woche, die Thailand aufgeschreckt hat, zufrieden Bilanz: "Das war kein Terrorismus. Einige schlechte Menschen haben einige Bomben gebaut. Es hat eine Explosion gegeben. Das war's, macht daraus kein größeres Ding, als es ist." Für Thailand war es das jedoch noch lange nicht. Die Polizei sucht nach mindestens zwei weiteren mutmaßlichen Mitgliedern des Bombenkommandos: Nach der 32-jährigen Iranerin Laila Rohani, die nach Erkenntnissen der Behörden inzwischen nach Teheran zurückgekehrt ist, und nach dem 52-jährigen Nikkhahfard Javad, der untergetaucht ist. Er war nach Ansicht der Behörden der Bombenbauer oder "Trainer" des Kommandos.

Generalleutnant Winai Thongson von der Bangkoker Polizei erklärte, die Sicherheitskräfte seien aber auch noch einem weiteren Mann auf der Spur, der mit der Terrorzelle in Verbindung gestanden habe, nannte jedoch keinen Namen. Vermutlich gehörten sogar noch vier weitere Männer zu der Terrorzelle. Thailands oberster Polizeichef Prewpan sagte nebulös: "Dazu laufen parallele Ermittlungen." Und in Chiang Mai in Thailands Norden haben die Sicherheitskräfte schon seit längerem 20 Ausländer im Visier, vermutlich aus dem Libanon oder aus Iran, die unter Terrorverdacht stehen.

Die Sicherheitsmaßnahmen in Bangkok sind nach den Explosionen vom Valentinstag drastisch verschärft worden: An allen Bahnhöfen, in der U-Bahn und im "Skytrain" werden zusätzliche Sicherheitskräfte eingesetzt, zum Teil in Zivil. Bangkoks Gouverneur Sukhumbhand Paribatra kündigte an, dass noch in diesem Jahr zusätzlich zu den 15.000 schon vorhandenen Überwachungskameras weitere 10.000 in Bangkoks Straßen montiert werden sollen. Auf dem Suvarnabhumi-Flughafen müssen nicht nur die abreisenden Passagiere ihr Gepäck durchleuchten lassen, sondern auch aus dem Ausland einreisende Fluggäste.

Offenbar nicht ohne Grund: Israel hat nach Medienberichten erneut Alarm geschlagen. Nach Erkenntnissen seines Geheimdienstes seien vermutlich weitere Terrorkommandos eingesickert, weitere Anschläge seien geplant. 14 Staaten haben daraufhin zum Entsetzen der thailändischen Tourismus-Industrie neue Reisewarnungen herausgegeben. Im Gegensatz zu den USA, Großbritannien und selbst der neutralen Schweiz hält das Auswärtige Amt in Berlin sich allerdings bedeckt: "Wie in vielen anderen Ländern auch kann in Thailand eine allgemeine Gefahr von terroristischen Anschlägen niemals ausgeschlossen werden", heißt es auf der Website des Amts lediglich. "Zuletzt kam es am 14. Februar 2012 zu Explosionen kleinerer Sprengkörper in einem Wohngebiet außerhalb des von Touristen frequentierten Stadtzentrums Bangkoks."

Behörden versuchen verzweifelt, Schaden vom Tourismus abzuwenden

Nach Angaben der Polizei handelte es sich bei den laut Auswärtigem Amt "kleineren Sprengkörpern", die im belebten Inviertel Ekkamai explodiert waren, allerdings um Bomben, die jeweils mit zwei Kilo des gefährlichen Plastiksprengstoffs C-4 gefüllt waren. Auch Thailands Behörden wiegeln weiter ab. Außenminister Surapong Towichukchaikul erklärt trotz des jüngsten Terroralarms durch Israel forsch: "Die Reisewarnungen dürfen nicht mehr lange aufrechterhalten bleiben. Schließlich haben wir die meisten Verdächtigen verhaftet." In fast rührender Hilflosigkeit appellierte er an das weltweite Terrornetz: "Ich möchte die Leute, die für Thailand schädliche Anschläge planen, bitten, das zu stoppen. Und ich bitte die Terroristen, Thailand nicht als Basis zu benutzen."

Ein hochrangiger Sicherheitsbeamter in Bangkok erklärt das verzweifelte Bemühen der Behörden, jeden Terrorverdacht von seinem Land fernzuhalten: "Um negative Auswirkungen auf den Tourismus zu vermeiden, muss die Regierung diese Vorfälle zu normalen Verbrechen herunterspielen." Schließlich trägt die Reisebranche sechs Prozent zum jährlichen Bruttosozialprodukt bei - Tendenz steigend. Panitan Wattanayagorn, Sicherheitsexperte an der Chulalongkorn-Universität in Bangkok, hat dennoch kein Verständnis für die Abwieglungstaktik der Regierung: "Frühere Regierungen haben derartige Vorfälle auch heruntergespielt. Aber egal, was die Regierung sagt, die Fotos eines von einer Bombe zerfetzten Taxis, die um die Welt gehen, sprechen für sich selbst: Das war ein terroristischer Akt."

Doch schon droht Thailand neuer Ärger. Die 1989 gegründete "Financial Action Task Force on Money Laundering" (FATF), das wichtigste internationale Gremium zur Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, hat das Land am Freitag als "Hochrisiko-Land" auf die Schwarze Liste gesetzt. Thailand sei unkooperativ und ineffektiv beim weltweiten Kampf gegen Geldwäsche und die Finanzierung des Terrorismus und habe es trotz mehrfacher Aufforderungen versäumt, seine Gesetze internationalen Standards anzupassen. Thailands Börsenchef Charamporn Jotikasthira reagierte erschreckt: "Das wird natürlich Thailands Image beschädigen."

Doch das systematische Herunterspielen der Regierung ging ungerührt weiter. "In den vergangenen Jahren hat FATF uns nach meinem Wissen in der Tat aufgefordert unsere Gesetze zu ändern. Es ist durchaus möglich, dass wir das nicht gemacht haben. Das hat nun dazu geführt, dass wir heruntergestuft worden sind", erklärte Finanzminister Kittirat Na-Ranong lapidar. Aber er werde sich jetzt persönlich darum kümmern und schauen, was er tun könne.

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