Belgien Terrorverdächtige sollen Anschlag auf Fußballfans geplant haben

Wegen einer "unmittelbaren Bedrohung" hat die belgische Polizei zwölf Terrorverdächtige festgenommen - angeblich gab es Hinweise, dass sie einen Anschlag während des EM-Spiels Belgien gegen Irland verüben wollten.

Bewaffneter Polizist in Brüssel
REUTERS

Bewaffneter Polizist in Brüssel


Bei nächtlichen Anti-Terror-Razzien haben belgische Einsatzkräfte im Land zahlreiche Häuser und Wohnungen durchsucht. Zwölf Verdächtige wurden festgenommen, teilte die Staatsanwaltschaft am Samstag in Brüssel mit. Ermittlungsergebnisse hätten ein "unmittelbares Einschreiten" erfordert. Ein Richter sollte im Laufe des Tages entscheiden, ob die Festgenommenen in Haft bleiben. Waffen oder Sprengsätze seien nicht gefunden worden.

Medienberichten zufolge stand der Anti-Terror-Einsatz auch im Zusammenhang mit der Fußball-EM in Frankreich und dem Spiel der belgischen Nationalmannschaft in Bordeaux gegen Irland am Samstagnachmittag. Die Tageszeitung "De Standaard" berichtete, im Fokus der Verdächtigen habe etwa ein Fan-Areal in der Brüsseler Innenstadt gestanden. Nach Angaben des Fernsehsenders VTM erhielten die Behörden einen Hinweis, dass die Attentäter während des Spiels möglicherweise Fanmeilen in Belgien attackieren wollten.

Auch die belgische Zeitung "Le Soir" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, potenzielle Ziele seien Public-Viewing-Zonen, wo Fans sich EM-Spiele anschauen, oder andere stark belebte Orte wie Einkaufszentren und Bahnhöfe. Der Sender RTBF berichtete, das belgische Krisenzentrum habe am Freitag verstärkten Schutz für einige Regierungsmitglieder angeordnet, darunter Ministerpräsident Charles Michel.

Durchsuchungen in Islamisten-Hochburg Molenbeek

Die belgische Polizei hatte vergangene Woche Sicherheitskreisen zufolge eine Warnung erhalten, dass sich Kämpfer der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) von Syrien aus auf den Weg nach Europa gemacht und Anschläge in Belgien und Frankreich geplant hätten.

Bei dem Großeinsatz in der Nacht auf Samstag durchsuchten Sicherheitskräfte insgesamt 152 Garagen und Dutzende Häuser in 16 Gemeinden. Darunter war auch die als Islamisten-Hochburg bekannte Brüsseler Stadtgemeinde Molenbeek. Dort war im März einer der Paris-Attentäter vom November 2015, Saleh Abdeslam, gefasst worden. Zu dem Zeitpunkt gehörte der 26-Jährige zu den meistgesuchten Terroristen in Europa.

Am Freitagabend hatte die belgische Staatsanwaltschaft die Festnahme eines achten Verdächtigen im Zusammenhang mit den Brüsseler Anschlägen vom März bekanntgegeben. Gegen den 30-jährigen Belgier Youssef E. A. wurde Haftbefehl erlassen. Ihm werden "die Teilnahme an Aktivitäten einer Terrorgruppe, Mord sowie versuchter Mord in einem terroristischen Kontext als Täter, Mittäter oder Komplize" vorgeworfen.

Der Einsatz erfolgte knapp drei Monate nach den verheerenden Terroranschlägen in Brüssel. Selbstmordattentäter hatten am 22. März am Brüsseler Flughafen und in einer Metrostation in der Innenstadt 32 Menschen mit in den Tod gerissen.

anr/dpa/Reuters/AFP



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