Terrorverdächtiger CIA und FBI streiten um Glaubwürdigkeit von Folter-Opfer Subeida

Er ist ein Insider - sagt die CIA. Er ist ein Aufschneider - sagt das FBI. Doch dass der Qaida-Verdächtige Abu Subeida mit der sogenannten Waterboarding-Methode zum Reden gebracht wurde, sorgt in Washington immer noch für eine erregte Debatte.


Washington - Eines ist in der Causa Abu Subeida sicher: Die Videoaufnahmen seines Verhörs sind zerstört. Darüber hinaus gibt es inzwischen laut "Washington Post" einen heftigen Disput zwischen CIA und FBI. Während der Geheimdienst den Qaida-Verdächtigen weiterhin für einen Terrorismus-Insider hält, der lebenswichtige Informationen preisgab, ist Subeida für die US-Bundespolizei vor allem ein Großmaul und Wichtigtuer.

CIA-Hauptquartier im US-Staat Virginia: Disput mit dem FBI um Terrorverdächtigen Subeida
REUTERS

CIA-Hauptquartier im US-Staat Virginia: Disput mit dem FBI um Terrorverdächtigen Subeida

Subeida war nach den Anschlägen von 11. September 2001 als einer der ersten Qaida-Verdächtigen von einem CIA-Team festgenommen und verhört worden. Dabei wurde die umstrittene Methode des sogenannten Waterboarding angewendet - dabei hat der Verhörte das Gefühl, zu ertrinken. Die Verhörmethode habe Subeida damals binnen 35 Sekunden zum Einlenken bewegt, sagte der federführende Ex-Agent John Kiriakou dem US-Fernsehsender ABC.

Wie die "Washington Post" berichtet, ist man sich weitestgehend einig darüber, dass Subeida einige hilfreiche Informationen lieferte, bevor man mit der Folter begann. Darunter Hinweise auf mehrere Hintermänner der Attacken vom 11. September 2001.

Doch danach gehen die Interpretationen von CIA und FBI auseinander: Die Bundespolizei ist laut "Washington Post" der Meinung, dass Subeida danach nur noch dubiose und sich widersprechende Informationen preisgab. "Ich habe kein Vertrauen in irgendetwas, das er sagte. Weil, sobald man einmal mit diesen Dingen angefangen hat, ist alles, was du sagst, verdorben." So zitiert das Blatt den pensionierten FBI-Agenten Daniel Coleman, der sich mit dem Fall Subeida beschäftigt hat.

Dagegen behauptet der ehemalige CIA-Chef George Tenet in einem Buch über seine Zeit an der Geheimdienst-Spitze, alle Zweifel an der Glaubwürdigkeit Subeidas seien "Quatsch". Tenet schreibt: "Abu Subeida war eine zentrale Figur mehrerer Operationen von al-Qaida und war in der Position, - und er tat es - kritische Informationen mit seinen Befragern zu teilen."

Subeida selbst erklärte in Papieren für eine militärische Anhörung, dass er den Agenten alles erzählt hätte - nur um die Folter zu stoppen.

Das US-Abgeordnetenhaus hat ein Gesetz vorbereitet, das den Geheimdiensten jegliche Art von Folter verbietet. Doch dieses wurde im Senat bisher nicht verabschiedet, weil Präsident George W. Bush mit einem Veto gedroht hatte. Bush hat sich auch in der Sache Subeida auf die Seite des CIA gestellt.

Menschenrechtsorganisationen und eine Reihe führender US-Politiker stufen die Praxis des Waterboardings klar als Folter ein. Das Waterboarding gehört zu den Foltermethoden, die keine körperlichen Spuren hinterlassen.

flo/ler/AFP



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