Terrorvideo Al-Qaida zeigt Detroit-Attentäter beim Training

Schießtraining und Abschiedsbotschaft: Al-Qaida hat dem US-TV-Sender ABC Videobilder von dem Mann zukommen lassen, der an Weihnachten einen US-Jet sprengen wollte. Sie zeigen Omar Farouk Abdulmutallab bei Schießübungen im Jemen - und wie er seinen Terrorplan rechtfertigt.

Attentäter beim Training: ABC zeigt neue Bewegtbilder vom Detroit-Attentäter
AFP / ABC News

Attentäter beim Training: ABC zeigt neue Bewegtbilder vom Detroit-Attentäter

Von Yassin Musharbash


Berlin - Es ist wohl nur ein Auftakt: Die Filiale des Terrornetzwerks al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel hat offenbar dafür gesorgt, dass dem TV-Sender ABC kurze Ausschnitte eines Videos zugespielt werden, das den nigerianischen Studenten Omar Farouk Abdulmutallab zeigt. Der 23-jährige Nigerianer hatte an Weihnachten 2009 versucht, einen US-Passagierjet über Detroit zum Absturz zu bringen.

In den rund anderthalb Video-Minuten, die ABC auf seiner Web-Seite zeigt, ist zu sehen, wie Abdulmutallab im Jemen in einem Qaida-Camp Schießübungen absolviert. Insgesamt werden einige Dutzend Kämpfer präsentiert, einige Gesichter sind von al-Qaida verpixelt worden. In einer weiteren Szene sitzt Abdulmutallab in einem Gebäude vor einer Flagge der Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel und spricht in leicht gebrochenem Arabisch seine Abschiedsbotschaft.

Unter anderem sagt er darin, die Muslime auf der Halbinsel hätten das Recht, sich mit Gewalt zu wehren, denn der Feind stehe in ihrem Gebiet. "Gott hat gesagt, er wird bestrafen, wer nicht zurückschlägt."

Längeres Video wird erwartet

Es ist davon auszugehen, dass die ausgestrahlten Passagen nur ein Auszug aus einem längeren - quasi offiziellen - Video der Qaida-Filiale sind, das in den kommenden Tagen auf dschihadistischen Web-Seiten im Internet veröffentlicht werden dürfte. Dieses Vorgehen hat insbesondere die Zentrale von Osama Bin Ladens Terrornetzwerk bereits mehrfach gewählt. Dafür spricht auch, dass die gezeigten Bewegtbilder bereits mit dem Logo der offiziellen Medienabteilung von al-Qaida im Jemen und Saudi-Arabien versehen sind. Die Szenen, die ABC ausstrahlte, stammen dem Vernehmen nach von einem jemenitischen Journalisten, der für den Sender arbeitet.

Zusätzlich strahlte offenbar der arabische Satellitensender Al-Dschasira in der Nacht zum Dienstag ebenfalls von al-Qaida stammende Videobilder aus, die möglicherweise vom selben Originalband stammen. Das berichtet IntelCenter, ein auf die Beobachtung von Terrornetzwerken spezialisierter privater US-Dienstleister, der auch für verschiedene Regierungen tätig ist. Allerdings ist darin offenbar vor allem Anwar al-Awlaki zu sehen, ein US-Bürger mit jemenitischen Wurzeln, den die Regierungen beider Länder al-Qaida zurechnen und der bereits vor Wochen zugegeben hatte, mit Abdulmutallab in Kontakt gestanden zu haben.

Al-Awlaki angeblich ebenfalls in Qaida-Video zu sehen

Das entsprechende Video war auf der Website des Senders am Dienstagvormittag nicht zu finden. Es findet sich dort lediglich ein arabische Meldung über eine nicht näher bezeichnete Videobotschaft al-Awlakis, in der jener sich beklage, dass die USA mit den jemenitischen Stämmen Kontakt aufgenommen hätten. Das Ziel der USA sei es, den Mudschahidin Anschläge auf muslimische Zivilisten in die Schuhe zu schieben.

Sollte jedoch al-Awlaki tatsächlich in dem offiziellen Qaida-Video zu sehen sein, wäre dies - einmal abgesehen vom Inhalt - insofern von Bedeutung, als der Hassprediger bisher seine Zugehörigkeit zu dem Terrornetzwerk nicht öffentlich zugegeben hat. Erst vorletzte Woche hatte die US-Regierung dessen ungeachtet festgelegt, dass al-Awlaki fortan zu jenen Personen zähle, die durch gezielte Angriffe getötet werden sollen.

Es ist nicht unüblich, dass al-Qaida und verwandte Organisationen im Anschluss an Anschläge zuvor aufgezeichnete Abschiedsbotschaften ihrer Terroristen veröffentlichen. Dies soll der Verherrlichung dienen und Nachahmer auf den Plan rufen. Allerdings ist es die Ausnahme, dass dies geschieht, wenn der entsprechende Anschlag gescheitert ist.

Schlagkräftige Terrorfiliale

Omar Farouk Abdulmutallab hatte am ersten Weihnachtstag 2009 versucht, mit Hilfe einer Spritze und in seiner Unterwäsche verborgenen Zwei-Komponenten-Sprengstoffs einen US-Passagierjet im Landeanflug zum Absturz zu bringen. Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel hatte sich nur Tage nach dem Vorfall dazu bekannt und sich später damit gebrüstet, dass der Anschlagsversuch in jedem Fall ein Erfolg wäre, weil es gelungen sei, die amerikanischen Sicherheitsvorkehrungen zu überlisten und die Geheimdienste bloßzustellen. Ähnlich hatte sich Osama Bin Laden, der Chef der Qaida-Zentrale, in einer Audiobotschaft geäußert.

Abdulmutallab, Sohn eines prominenten nigerianischen Bankers und Ex-Politikers, sitzt seit dem gescheiterten Anschlagsversuch in Untersuchungshaft. Verschiedenen Medienberichten zufolge kooperiert er mit dem FBI. So soll er ausgesagt haben, dass Anwar al-Awlaki ihn instruiert habe. Al-Awlaki selbst hatte bisher nur zugegeben, mit Abdulmutallab in Kontakt gestanden zu haben. Er habe jedoch nicht den Einsatzbefehl erteilt, auch wenn er dessen Tat gutheiße.

Die Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel ist aus der Verschmelzung von Terrorzellen in Saudi-Arabien und dem Jemen hervorgegangen. Ihre Führung wird zum Teil von ehemaligen Guantanamo-Häftlingen gestellt. Ihre Kader werden nur auf wenige hundert geschätzt, dennoch ist die Filiale verhältnismäßig schlagkräftig und verfügt mutmaßlich insbesondere über erfahrene Sprengstoffexperten.

Weil der jemenitische Staat außerordentlich schwach ist, verfügen die Militanten über Rückzugsräume in dem Land. Zwar haben die USA ihre Sicherheitskooperation mit dem Jemen massiv verstärkt und mehrfach bei Luftschlägen gegen vermutete Qaida-Stellungen Hilfe geleistet; noch aber sind die Terroristen nicht ernstlich in die Defensive geraten.

insgesamt 654 Beiträge
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OlivierDjappa 04.01.2010
1.
Zitat von sysopDer Jemen ist ins Zentrum der internationalen Terrorbekämpfung gerückt: Seit sich dort ein Qaida-Ableger etabliert hat, erhält der arabische Staat massive Militärhilfe aus dem Westen. Vor allem die USA unterstützen die Armee mit Millionensummen. Der Jemen - ein neues kapitel im Anti-Terrorkampf?
Wie jetzt? Wurde da etwa Erdöl oder ein andere wichtiger Rohstoff (Grundwert unserer Lebensweise) gefunden?
nahal, 04.01.2010
2.
Eionen tag nach dem Besuch von Gen. Petraeus sind schon mindestens 2 Al-Qaida-Mitglieder in Yemen getötet worden.
CAJ, 04.01.2010
3. Arabien
Zitat von OlivierDjappaWie jetzt? Wurde da etwa Erdöl oder ein andere wichtiger Rohstoff (Grundwert unserer Lebensweise) gefunden?
Die Teroristen aus dem Jemen bedrohen vor allem die arabischen Herscherhäuser. Wer den Bückling Obamas vor dem saudischen König gesehen hat, braucht sich nicht zu wundern das Obama jetzt seinem Herrn äh arabischen Verbündeten zu Hilfe kommt.
elandy 04.01.2010
4.
Zitat von nahalEionen tag nach dem Besuch von Gen. Petraeus sind schon mindestens 2 Al-Qaida-Mitglieder in Yemen getötet worden.
Soso. Zwei von wievielen, die es dort gibt? Und wieviele Zivilisten, so wie in Afghanistan, werden in diesem sinnlosen Kampf als "Kollateralschäden" sterben müssen?
Dnole 04.01.2010
5.
Zitat aus dem Artikel: Denn hier, so viel steht acht Jahre nach den Anschlägen vom 11. September fest, hat die jüngste Generation von islamistischen Terroristen ihre neue "Qaida", ihre "Basis", aufgeschlagen. Wer daran noch Zweifel hegte, den belehrte, im hohen Ton des Gründers, jetzt die Propaganda-Abteilung von "Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel": "Mit Gottes Hilfe hat der heldenhafte Bruder, der das Märtyrertum anstrebende Umar Farouk, eine einzigartige Operation gegen ein Flugzeug durchgeführt, das nach Detroit in den USA unterwegs war, am Tag, an dem sie ,Christmas' feiern." Stimmt, so eine Nachricht im Internet ist der endgültige Beweis dafür. Es wäre Irrsinn jetzt noch daran zu zweifeln.
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