Teure Mission US-Kosten für Libyen-Einsatz explodieren

60 Millionen Dollar pro Monat: So viel kostet die US-Mission in Libyen, weit mehr als vorgesehen. Die USA sehen nun andere Länder in der Pflicht, auch die Bundesrepublik. Verteidigungsminister de Maizière schließt einen deutschen Einsatz nicht mehr aus - aber erst nach dem Sturz Gaddafis.

US-Kampfjets über dem Mittelmeer: Trotz Nato-Kommando viele Einsätze
REUTERS/ Canadian Forces

US-Kampfjets über dem Mittelmeer: Trotz Nato-Kommando viele Einsätze


Washington - Der Einsatz in Libyen wird für die US-Streitkräfte offenbar deutlich teurer als bisher angenommen. Laut Informationen der "Financial Times" belegt ein internes Papier des Pentagon, dass beim derzeitigen Verlauf der Militäraktion im Finanzjahr 2011 zusätzliche Kosten von rund 274 Millionen Dollar auf das Budget schlagen könnten.

Laut dem Dokument kostet die Mission in dem nordafrikanischen Land die US-Streitkräfte rund 60 Millionen Dollar pro Monat. Noch im März hatten Pentagon-Offizielle die monatlichen Kosten mit knapp 40 Millionen Dollar veranschlagt. Das Verteidigungsministerium wollte diese Zahlen nicht bestätigen, räumte aber einen Anstieg der Gesamtkosten ein.

Eine entsprechend schlechte Bilanz droht: Im Finanzjahr 2011, das im September endet, rechnet der scheidende Verteidigungsminister Robert Gates nach eigenen Angaben mit Kosten von "rund 750 Millionen Dollar". Bereits bis Mitte Mai hatte der Einsatz in Libyen laut "FT" jedoch schon mehr als 660 Millionen Dollar verschlungen.

Gates fordert mehr Einsatz anderer Länder

Zwar hat die Nato offiziell die Organisation der Militäraktion in Libyen übernommen, trotzdem kommen die US-Truppen in der Region weiter regelmäßig zum Einsatz. Unter anderem sind sie an großen Teilen der Aufklärungsflüge, Luftbetankungen und Angriffe aus der Luft beteiligt.

Nicht zuletzt mit Blick auf die horrenden Kosten hat Verteidigungsminister Gates für eine aktivere Rolle der bislang nicht am Libyen-Einsatz teilnehmenden Bündnispartner plädiert. "Ich habe mehrere Nato-Mitglieder aufgefordert, militärische Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen, damit die Lasten gleichgewichtiger verteilt und leichter über längere Zeit ausgehalten werden können", sagte er nach Angaben aus amerikanischen Delegationskreisen auf dem Nato-Verteidigungsministertreffen in Brüssel.

Gates zeigte sich nicht nur mit der deutschen Position unzufrieden. Er habe Deutschland und Polen in einem Atemzug genannt, hieß es. Auch Spanien, die Niederlande und die Türkei "müssten mehr tun", sagte er den Angaben zufolge.

Deutschland schließt Einsatz nicht mehr aus

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat für den Fall eines Sturzes des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi die Entsendung deutscher Soldaten in das nordafrikanische Land nicht ausgeschlossen. "Wir hoffen, dass es zu einer Lösung kommt, die nicht eine militärische Präsenz dort erfordert", sagte de Maizière am Donnerstag in Brüssel. "Wenn es anders kommen sollte, dann werden wir das prüfen und konstruktiv prüfen." Voraussetzung sei jedoch ein Mandat der Vereinten Nationen für einen solchen Einsatz.

Eine Beteiligung deutscher Soldaten an dem laufenden Militäreinsatz unter Nato-Kommando in Libyen lehnte de Maizière erneut ab. Der Einsatz dauere an und sei erfolgreich. "Deutschland beteiligt sich nicht daran, dabei bleibt es."

Angesichts der massiven Angriffe gegen Gaddafis Truppen und dessen zunehmender Isolierung fordert die Nato eine zügige Vorbereitung der Vereinten Nationen für den Tag, an dem sich der Machthaber zurückzieht. "Das könnte Wochen dauern, es könnte aber auch morgen passieren", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Er sprach von einem sehr ernsthaften Problem, wenn es etwa in Tripolis zu einem Sicherheitsvakuum komme.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte US-Präsident Barack Obama bereits bei ihrem Besuch in Washington ein deutsches Engagement im Libyen nach Gaddafi zugesagt. Bislang war aber nur von nichtmilitärischer Unterstützung die Rede.

jok/AFP/dpa



insgesamt 60 Beiträge
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Seifen 09.06.2011
1. Die Lybier sollen sehen, wie sie ihr Problem in den
Griff bekommen. Die Revolution müssen sie schon selber machen. Irgend ein Drama anzetteln und dann die anderen die Dreckarbeit machen lassen. Das kann so doch wohl nicht laufen.
vaclaus 09.06.2011
2. wie ist es möglich?
Wie ist es möglich, dass so eine riesige militärische Organisation wie NATO nicht in der Lage ist eine kleine Arme, einer kleinen Nation nicht zu besiegen?
Rainer Daeschler, 09.06.2011
3. Rechnung aus Washington
Zitat von sysop60 Millionen Dollar pro Monat: So viel kostet die US-Mission in Libyen, weit mehr als vorgesehen. Die USA sehen nun andere Länder in der Pflicht, auch die Bundesrepublik. Verteidigungsminister*de Maizière schließt einen deutschen Einsatz nicht mehr aus - aber erst nach dem Sturz Gaddafis. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,767714,00.html
Das hat Gates schon konkret eingefordert. Die Freiheitsmedaille für die Kanzlerin gab es in den USA nicht umsonst.
kimba2010 09.06.2011
4. ...
Da kommt wohl bald die nächste Milliardenrechnung nach Berlin. Wenn man schon nicht an Angriffskriegen teilnimmt, soll man wohl wenigstens dafür zahlen.
Monark™ 09.06.2011
5. Deutschland schließt Einsatz nicht mehr aus
---Zitat von SPON:--- Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat für den Fall eines Sturzes des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi die Entsendung deutscher Soldaten in das nordafrikanische Land nicht ausgeschlossen. "Wir hoffen, dass es zu einer Lösung kommt, die nicht eine militärische Präsenz dort erfordert. [...] Wenn es anders kommen sollte, dann werden wir das prüfen und konstruktiv prüfen." ---Zitatende--- Wie soll man das verstehen? Von Bodentruppen war doch bisher gar nicht die Rede? Und was ist das überhaupt für eine Haltung: Erst ein Nein - und dann zu der zuvor explizit ausgeschlossenen, viel risikoreicheren Variante ein Ja?
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