Protest gegen Neuwahlen Oppositionsführer in Bangkok erschossen

In Thailand ist ein prominenter Vertreter der Opposition einem Attentat zum Opfer gefallen. Augenzeugen zufolge wurde Suthin Taratin während einer öffentlichen Rede erschossen.


Bangkok - In Bangkok ist am Sonntag einer der Anführer der Proteste gegen die thailändische Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra erschossen worden. Suthin Taratin sei während einer Rede vor Demonstranten erschossen worden, sagte ein Sprecher der Protestbewegung, Akanat Promphan, bei einer Pressekonferenz, die im Fernsehen übertragen wurde. Die Schüsse seien von Attentätern aus einem Kleintransporter abgegeben worden. Mehrere weitere Menschen hätten Verletzungen erlitten.

Dass es sich bei dem Toten um Suthin handelt, bestätigte auch ein Polizeisprecher. Mindestens fünf Menschen seien bei dem Angriff verletzt worden. Nach seiner Beschreibung ist es zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen aber erst dann gekommen, als Demonstranten in der Hauptstadt versucht hätten, die Möglichkeiten zur vorzeitigen Stimmabgabe im Rahmen der anstehenden Parlamentswahlen zu unterbinden.

Ministerpräsidentin Yingluck hat für den 2. Februar Neuwahlen angesetzt, die jedoch von der Opposition abgelehnt werden. Sie fordert eine Absage der Abstimmung, was die Ministerpräsidentin bisher zurückweist. Bei der Wahl wird mit einem Sieg Yinglucks gerechnet.

Die neuen Proteste dürften nun den Druck auf die Regierungschefin erhöhen. Erst am Freitag hatte das thailändische Verfassungsgericht den Weg für eine Verschiebung des Urnengangs frei gemacht.

Wahllokale müssen schließen

Regierungskritische Demonstranten schaffen derweil Tatsachen. Am Sonntag erzwangen sie in der thailändischen Hauptstadt Bangkok die Schließung von mindestens 19 von insgesamt 50 Wahllokalen. Die Protestierenden hätten die Gebäude belagert und Wahlhelfer daran gehindert, diese zu betreten, teilte die Wahlkommission des Landes mit. Wie mit der Störung der vorgezogenen Stimmabgabe für die Parlamentswahl am kommenden Sonntag umgegangen werde, sei noch unklar.

Thailand wird seit mehr als zwei Monaten von einem Machtkampf zwischen Regierung und Opposition erschüttert. Die Gegner Yinglucks erhöhten mit zahlreichen Protestmärschen stetig den Druck. Immer wieder gab es dabei Schießereien und Explosionen, bei denen mehrere Menschen getötet wurden. Die Opposition fordert Yinglucks Rücktritt und will einen nicht gewählten, sogenannten Volksrat einsetzen.

Yingluck ist die jüngere Schwester des ehemaligen Regierungschefs Thaksin Shinawatra. Dieser wurde im Jahr 2006 vom Militär gestürzt und lebt seither im Exil, um in seiner Heimat nicht wegen Korruption inhaftiert zu werden.

mik/Reuters/AFP

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winki 26.01.2014
1. Wenn das tatsächlich stimmt,
dann war alles was sich bisher ereignet hat nur das Vorspiel. Es sei denn, die Armee greift ein und sorgt für Ruhe. Trotzdem, solange sich in Thailand in der politischen Struktur nichts grundlegendes ändert bleibt das Land immer ein Pulverfass. Erstaunlich ist für mich, dass die Rothemden dem allen relativ tatenlos zu sehen. Genau genommen richten sich doch die Proteste gegen sie. Die Oberschicht, deren Vertreter die Gelbhemden sind, war es die Taksin in ihre Schranken verwiesen hat. Man mag über ihn denken was man will, er hat aber einiges für des einfache Volk getan. Sich und seinen Clan hat er allerdings dabei auch nicht vergessen. Was die jetzt angeprangerte Korruption unter der Regierung seiner Schwester betrifft, die im übrigen demokratisch gewählt wurde, da nehmen sich alle nichts, egal wer regiert. Das zu ändern wäre der allergrößte Fortschritt in Thailand. Nur ist dafür niemand in Sicht der dazu Willens und in der Lage ist. Die Armee gleich garnicht. Man sollte eventuell noch einiges zur Rolle des Königs sagen.Das verkneife ich mir aber lieber.Außerdem ist das hier nicht der Platz für Romane.
sb411 26.01.2014
2. Würde mir wünschen,
dass die Zeitschriften und Magazine in diesem Land sich auch inhaltlich mit solchen Konflikten auseinander setzen anstatt nur über Proteste und Opfer zu berichten. Gerade in Bezug auf Thailand wäre dies interessant, da die meisten Leser die politische Zweispaltung gar nicht kennen werden.
jupiter_jones 26.01.2014
3. Hoffnung Armee
Ich bin zwar eher eine Taube als ein Falke, aber ich hoffe die Armee greift jetzt ein, um noch mehr Blutvergiessen zu verhindern!
blaubär123 26.01.2014
4. Die Gewalt wird geschürt
Wer über Monate auf der Bühne Gewalt predigt und Hassreden hält, wird Sturm ernten. Erst am Mittwoch wurde der Rothemden-Führer Kwanchai Praipana in seinem Haus in Udon Thani, mit Maschinenpistolen angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Wann wird der antidemokratische Führer der Opposition Suthep verhaftet, schließlich wurde der Ausnahmezustand über Bangkok verhängt. Was sich jetzt dort in Bangkok abspielt z.B. Wahlbüros blockieren und schließen sind alles vorsätzliche Straftaten.
wauz, 26.01.2014
5. Geld gegen Geld?
Es erweist sich als ziemlich schwierig, bei diesem ganzen Rummel irgendwelche Berichte mit Substanz zu bekommen. Wer ist die Regierung, wer ist die Opposition? Ich habe Andeutungen gelesen, es handele sich dabei um den Kampf zweier verfeindeter Clans reicher Industrieller, die um die Vorherrschaft kämpfen und mit unterschiedlichsten " Nettigkeiten" das Volk gegeneinander mobilisiert. Es ist überhaupt ein Kreuz mit den Nachrichten. In Kiew zerlegen Demonstranten die ganze Innenstadt, in Hamburg gefährden üble Gewalttäter mit ein paar Böllern den Fortbestand des Staates... Liebe Journalisten: Habt Ihr sie noch alle? (Das musste jetzt auch mal gefragt werden!)
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