Anschläge in Urlaubsgebieten Thailands Terror-Tabu

Nach den Anschlägen in thailändischen Touristenorten gibt es eine neue Spur. Stecken muslimische Extremisten aus dem Süden hinter der Tat? Die Militärjunta bestreitet das - womöglich aus Kalkül.
Ermittler am Tatort in Hua Hin (Archivbild vom 12. August)

Ermittler am Tatort in Hua Hin (Archivbild vom 12. August)

Foto: Jerry Harmer/ AP

Fast täglich detoniert im Süden Thailands eine Bombe oder es kommt zu einer Schießerei. Die Weltöffentlichkeit nimmt davon seit Jahren kaum Notiz.

Seit vergangenem Freitag ist das anders. Denn mindestens elf Sprengsätze gingen binnen Stunden in den Touristengebieten auf Phuket, in Hua Hin oder Surat Thani hoch, vier Menschen starben.

Jetzt suchen die Ermittler unter internationaler Beobachtung nach den Hintermännern der Anschläge. Noch hat sich keine Gruppe dazu bekannt. Die Polizei vermutet einen Drahtzieher, hat ihn bislang aber nicht benannt.

Nun kursiert zum ersten Mal ein konkreter Name: Nach Informationen der "Bangkok Post"  sind an einer der Bomben DNA-Spuren sichergestellt worden, die auf den polizeibekannten 35-jährigen Ahama Lenga aus der südlichen Provinz Narahiwat hinweisen. Er war von den Behörden bereits im Oktober 2004 am Rande von Protesten im Süden registriert worden, bei denen 85 Aufständische von Sicherheitskräften getötet worden waren.

Die thailändische Bevölkerung ist mehrheitlich buddhistisch, aber in den südlichen Gebieten gibt es überwiegend Muslime. Die Aufständischen dort sind malaiisch-muslimischer Herkunft und widersetzen sich seit 2004 gewaltsam der nationalen Regierung. Mehr als 6500 Menschen kamen in dem Konflikt durch Explosionen, Schusswaffen und Brandanschläge ums Leben.

Die Aufständischen sind in verschiedenen Gruppen organisiert. 2013 hatte die damalige Premierministerin Yingluck Shinawatra Friedensgespräche angestoßen. Die Junta zeigt daran jedoch kein Interesse und unterdrückt jede oppositionelle Bestrebung.

Bislang haben die Extremisten keine Anschläge in Touristengebieten ausgeführt, "weil sie nicht als terroristische Gruppe gelten wollten", sagte der Experte Rungrawee Chalermsripinyorat der Nachrichtenagentur Reuters. Das könne sich aber ändern, wenn sich diese Anschläge als effektiv herausstellen, sagte er weiter, etwa wenn dadurch wieder mehr Aufmerksamkeit auf den Konflikt in den Süden gerichtet würde.

Ein Akt "lokaler Sabotage"

Erste Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen stützen die These, dass es sich um Anschläge der Rebellen handeln könnte: Die Bauart der Bomben ähnele den Sprengstoffkörpern, die auch bei Attentaten im Süden benutzt wurden.

Doch die Regierung bestreitet weiterhin, dass muslimische Extremisten aus dem Süden des Landes verantwortlich für die Attentate sein könnten. "Ich kann Ihnen versichern, dass die aktuellen Anschläge nicht in Verbindung stehen zu den Aufständen im Süden Thailands", sagte der stellvertretende Polizeichef Pongsapat Pongcharoen. Er schloss auch aus, dass es sich um Terrorismus handeln könnte. "Wir haben in Thailand keinen Terrorismus."

Es handle sich vielmehr um einen Akt "lokaler Sabotage". Es sei zwar denkbar, dass die Täter angeheuert worden seien, sagte Verteidigungsminister Prawit Wongsuwan. Die Rebellen selbst steckten aber nicht dahinter.

Aber warum weigert sich das Militär, die Extremisten aus dem Süden zumindest als mögliche Tätergruppe zu benennen? Am wahrscheinlichsten scheint: Damit würde die Junta indirekt zugeben, dass sie den Konflikt dort nicht in den Griff bekommt. Sie hatte ihren Putsch vor zwei Jahren damit begründet, wieder Ruhe und Ordnung ins Land zu bringen - doch die Kämpfe gehen weiter.

Die Polizei konzentriert sich weiter auf ein anderes Motiv. Die Sprengsätze gingen nur wenige Tage nach einem umstrittenen Referendum hoch, mit dem die Militärregierung eine neue Verfassung auf den Weg brachte, die ihr über Jahre hinweg die Macht sichert. Mit ihren Verdächtigungen bezieht sich die Junta indirekt auf die Anhänger der oppositionellen Rothemden-Bewegung, die sich gegen das Referendum aussprachen.

Im Fokus steht dabei der ehemalige Premierminister Thaksin Shinawatra, der 2006 von der Armee entmachtet worden war. 2014 putschte das Militär gegen seine Schwester Yingluck.

Thaksin Shinawatra wurde in den vergangenen Tagen vor allem in den sozialen Medien als möglicher Hintermann der Anschläge scharf angegangen. Seine Partei Puea Thai veröffentlichte ein Statement, in dem sie die Attentate verurteilte und eine eigene Verwicklung abstritt, wie unter anderem der "Sydney Morning Herald" berichtet . Zudem kündigte ein Parteisprecher juristische Schritte gegen diejenigen an, die weiterhin behaupten, Puea Thai oder Thaksim seien in die Sprengstoffanschläge verwickelt.

Die Orte der Anschläge:

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