Putsch in Thailand Juntachef will bis September Übergangsregierung einsetzen

In Thailand werden seit dem Putsch erstmals Schritte zurück zur Demokratie gemacht: Militärführer Prayuth hat eine baldige Übergangsregierung in Aussicht gestellt. Das Kabinett soll "im August oder Anfang September" seine Arbeit aufnehmen.

Juntachef Prayuth Can-ocha: "Fragen Sie mich nicht, wer sie sind und woher sie kommen"
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Juntachef Prayuth Can-ocha: "Fragen Sie mich nicht, wer sie sind und woher sie kommen"


Bangkok - Rund drei Wochen nach dem Putsch in Thailand will die Militärführung bald eine Übergangsregierung einsetzen. Das Kabinett werde "im August oder Anfang September" seine Arbeit aufnehmen, sagte Juntachef Prayuth Can-ocha am Freitag in Bangkok. Unklar blieb, ob sich die Regierung aus Zivilisten oder Militärs zusammensetzen wird.

"Fragen Sie mich nicht, wer sie sind und woher sie kommen", sagte Prayuth. Er schloss nicht aus, selbst das Amt des Regierungschefs zu übernehmen. Bis dahin werde eine neue Verfassung geschrieben, die bis auf Weiteres gelten solle. Zugleich bekräftigte der General, dass allgemeine Wahlen frühestens in einem Jahr stattfinden könnten.

Ende Mai hatte die Armeeführung angekündigt, die Parlamentswahlen frühestens in einem Jahr zu organisieren. In dieser Übergangsphase sollen nach Angaben des Militärs politische Reformen umgesetzt und ein Verfassungsentwurf erarbeitet werden. Prayuth bat die Bevölkerung, "geduldig mit mir zu sein", und fügte hinzu: "Ich weiß, dass wir uns gerade in den Flitterwochen befinden, aber ich hoffe, sie dauern noch etwas länger."

Die Armee hatte nach monatelangen politischen Unruhen mit Dutzenden Toten die Macht in Thailand übernommen. Nach ihrem Putsch setzte die Armeeführung die Verfassung außer Kraft und erließ eine nächtliche Ausgangssperre.

Hintergrund ist ein seit fast zehn Jahren andauernder Machtkampf zwischen Anhängern des früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra und der königstreuen Mittelschicht. Thaksin wird von den armen ländlichen Bevölkerungsschichten unterstützt. Er lebt im Exil, um einer Haftstrafe zu entgehen. Nach wie vor hat er großen Einfluss im Land, zuletzt durch die von seiner Schwester Yingluck geführte Regierung.

vek/AFP/Reuters

insgesamt 15 Beiträge
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hevopi 13.06.2014
1. Hoffentlich
geht das gut aus, die Thailänder haben es verdient. Wenn man dieses Land kennt, leider sehr korrupt, leider nie eine Demokratie (Stimmen wurden gekauft), leider nie ein Rechtsstaat (wer Kohle hat, darf Alles), sieht, wie die arme Bevölkerung nur durch entsprechenden Arbeitseinsatz überlebt, das mangelhafte Bildungssystem und die ungleiche Kapitalverteilung, dann kann es nur besser werden. Zur Zeit versucht Thaksin eine Exilregierung zu bilden, dafür hat er ja viele Milliarden vorfinanziert (Korruption von Politikern), kann man wirklich nur hoffen, das der Spuk bald ein Ende hat.
pelegrino 13.06.2014
2. Flitterwochen
Das unueberlegte Abdrucken von Reutersartikeln ist nicht unbedingt die beste journalistische Methode. a) will Herr Prayuth eine Regierung "ernennen" und folgt damit den nicht gerade demokratischen Vorgaben von Herrn Suthep, den er in seinen Staats- und Demokratiefeindlichen Aktionen, selbst so lange hat gewaehren lassen, bis das Land kurz vorm Kollaps stand... b) kann man die Shinawatras und ihre Verbuendeten weiss Gott nicht als antimonarchistisch bezeichnen... c) haben nun genuegend internationale Medien ueber die Hintergruende des Konflikts in epischer Breite berichtet. Es waere demnach schoen, wenn der Spiegel sich auf seine alten Tugenden besinnen wuerde, die da waren journalistischer Mut, Sachkenntnis und gute Recherche. Rekapitulieren von vorgekautem gehoerte meines Wissens nicht dazu... Das thailaendische Offizierskorps ist nun nicht gerade fuer seine oekonomische Qualifikation und seine korrekte Buchhaltung bekannt.
raoul2 13.06.2014
3. Auch wenn's einigen hier zu lange dauert
Auch wenn's einigen hier zu lange dauert: Die Aussicht auf die teilweise schon eingetretene Ruhe und Ordnung, auf eine (mehr Zeit benötigende, aber teilweise schon zart beginnende) Versöhnung der zerstrittenen Gruppierungen, auf das Einsammeln von Waffen (auch wenn's nicht alle sein werden), auf eine Interims-Regierung, die sich um die Belange aller Bevölkerungsgruppen kümmert, auf eine noch bessere Verfassung, durch die - hoffentlich - eine Wiederholung der Zeiten eines Unrechts-Regimes wie dem der Shinawatras verhindert werden kann, und nicht zuletzt auf echte demokratische Wahlen statt der gekauften und erpreßten Schein-"Wahlen" --- das alles ist doch sehr ermutigend für die Thais und letztlich auch für die Menschen, die für mehr oder weniger lange Zeit in diesem so schönen Land mit den in ganz überwältigender Zahl so friedlichen Menschen leben.
raoul2 13.06.2014
4. Nachsatz:
Die vollständige Aufhebung der Ausgangssperre in allen Teilen Thailands (auch in Chiang Mai und Bangkok) ist ein weiterer Schritt zur Normalität. Bleibt zu hoffen, daß die gewaltbereiten Gruppierungen im Land diesen Schritt des NCPO nicht zum Anlaß nehmen, nun doch wieder Angst und Schrecken zu verbreiten und völlig unschuldige friedliche Menschen und sogar Kinder hinterrücks zu ermorden.
raoul2 13.06.2014
5. Explosion in Bangkok
Nach völliger Aufhebung der "Sperrstunde" ist eine Granate in Bangkok explodiert, wird über twitter gemeldet: pic.twitter.com/6NKYDQXqYS
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