Kriegsrecht in Thailand Armeechef zitiert Parteien zum Krisengespräch

Thailands Armee hat das Kriegsrecht verhängt - jetzt bittet der oberste Militär die Vertreter der Konfliktparteien zum Gespräch. Die wollen ihren Machtkampf fortsetzen.

Armeechef Prayuth Chan-ocha: Krisengespräch mit Konfliktparteien
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Armeechef Prayuth Chan-ocha: Krisengespräch mit Konfliktparteien


Bangkok - Nach Ausrufung des Kriegsrechts hat Thailands Armeechef ein Treffen mit Vertretern rivalisierender politischer Gruppen angesetzt. Eingeladen sind Parteien, die Wahlkommission sowie Senatoren. Dabei werde es um mögliche Wege aus der politischen Krise gehen, sagte ein Armeesprecher am Mittwoch. Es sei vorgesehen, dass die Konfliktparteien bei dem Treffen mit General Prayuth Chan-ocha gemeinsam an einem Tisch sitzen.

Nach monatelangen zum Teil gewaltsamen Protesten hatte das Militär am Dienstag den Ausnahmezustand verhängt und zugleich versichert, es handele sich nicht um einen Putsch. Das Kriegsrecht gelte so lange, bis Sicherheit und Ordnung wiederhergestellt seien, erklärte das Militär, das mehrfach in der Geschichte des Landes die Macht an sich gerissen hat. Zuletzt stürzte es 2006 den damaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Er ist der Bruder der kürzlich vom Verfassungsgericht abgesetzten Regierungschefin Yingluck Shinawatra.

Offiziell ist derzeit noch die Übergangsregierung im Amt, die seit Yinglucks Absetzungvon ihrem Stellvertreter Niwatthamrong Boonsongpaisan geführt wird.

"Wir müssen unseren guten Kampf fortsetzen", beschwor der Anführer der Regierungsgegner, Suthep Thaugsuban, am Dienstagabend seine Anhänger in einem Protestlager. Armeechef Chan-ocha hatte die Fortsetzung der Demonstrationen erlaubt. Die Demonstranten dürfen aber keine Protestzüge abhalten. "Wir müssen uns beeilen und die letzten Überbleibsel der Willkürherrschaft fortjagen", sagte Suthep. Gemeint war damit die 2011 gewählte Regierung. Die Regierungsgegner versuchen seit November, die Regierung zu stürzen. Sie werfen ihr Korruption und Vergeudung von Staatsgeldern vor.

Die beiden verfeindeten Lager kündigten die Fortsetzung ihrer Kampfes um die politische Vorherrschaft an. Auf den Straßen der Hauptstadt Bangkok ging das Leben am Mittwoch seinen normalen Gang. Geschäfte waren geöffnet und der Nahverkehr lief reibungslos. An einigen Straßenkreuzungen hielten Soldaten Wache.

fab/dpa/Reuters



insgesamt 21 Beiträge
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cirkular 21.05.2014
1. Einen Armeechef Chan-ocha gibt es nicht
der heist General Prayuth Chan-ocha oder General Prayuth. Der wichtigste Namen ist in Thailand der Personennamen. Familiennamen sind vergelichsweise jung und haben eine andere Bedeutung als in Deutschland. Man sollte sich an den üblichen Gebrauch der Namen halten. In Deutschland spricht auch niemand von einer Bundeskanzlerin Angela.
nixda 21.05.2014
2. weg vom Dollar
man sollte die Geldflüsse von Dollars besser kontrollieren. Aussagen wie: ""Wir müssen uns beeilen und die letzten Überbleibsel der Willkürherrschaft fortjagen", sagte Suthep. Gemeint war damit die 2011 gewählte Regierung." Lassen mich eigentlich nur an eines denken; da wurde in einem Land mal wieder eine nicht genügend korrupte Regierung gewählt und schon fliessen Gelder für Demonstrationen. Bin ja mal gespannt was passiert wenn die Demonstrationen in den USA sich ausweiten und der Rücktritt der Regierung gefordert wird? Ob das dann auch so gewaltfrei ablaufen wird? Es ist eine Schande was auf der Welt passiert.
herr minister 21.05.2014
3. Alles ruhig in Bankok
Ich bin gerade in Bangkok und habe überhaupt nichts von Polizei oder Militär gesehen obwohl ich gestern den ganzen Tag unterwegs war. Ich hätte gerne ein Foto mit Panzer und so geschossen, wie man es auf vielen News Seiten sehen kann, aber Pech gehabt. Die Besucherzahlen in Thailand sind angeblich drastisch eingebrochen, da kann man mal wieder sehen, wie dumm die Menschen sind und wie sehr das Bild der Medien die Realität verzerrt. SPON hat ja wenigstens die tatsächliche Lage auf den Strassen beschrieben. Für die politische Situation hier ist es sicherlich eine heftige Zeit, die spielt sich aber in den Amtsstuben und evtl. noch in einem Protestcamp ab. Da kommt der normale Thai oder der Tourist eher nicht hin. Kein Mensch würde doch seinen Berlin Besuch absagen, nur weil in Charlottenburg ein Verkehrsunfall gemeldet wird. Naja, viele Amerikaner fliegen ja auch nicht nach Europa weil sie Angst haben, von Terroristen entführt oder getötet zu werden. Bangkok ist eine der spannendsten Städte der Welt, ausserhalb der redlight districts, wer sich da jetzt anpanisieren lässt, ist selber schuld, die anderen bekommen gerade gute deals für Hotelbuchungen.
Tristan@yours 21.05.2014
4. Gut so!
Da kann doch einfach nicht die ohnehin privilegierte Oberschicht ohne demokratische Legitimation daherkommen und die Mehrheit der Bevölkerung ihren Willen aufzwingen! In Deutschland wäre der Ausnahmezustand unter diesen Bedingungen ebenso verhängt worden.
zeitmax 21.05.2014
5. Kein Putsch!
Kein Putsch, sondern die Sicherung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Wer mehr wissen und verstehen will - auch zum geschichtlichen Hintergrund: http://www.phakinee.com/volker-grabowsky-staat-bevoelkerung-lan-na/ (Ausführliche Buchempfehlung)
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