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25. November 2013, 14:26 Uhr

Unruhen in Thailand

Demonstranten stürmen zweites Ministerium

Nach dem Finanzministerium haben Demonstranten in Thailand jetzt auch das Gelände des Außenministeriums gestürmt. Sie werfen der Regierung Korruption vor und verlangen deren Rücktritt. Auch Armeegebäude und Staatssender werden belagert.

Bangkok - Bei den regierungsfeindlichen Protesten in Thailand haben Hunderte Demonstranten nun auch das Außenministerium in Bangkok gestürmt. Das gab ein Sprecher des Ministeriums bekannt.

"Mehrere hundert Demonstranten haben das Tor niedergerissen und den Komplex des Außenministeriums betreten", sagte der Sprecher. Sie hielten das Gelände besetzt, seien aber in keines der Gebäude eingedrungen. Mitarbeiter des Ministeriums wurden demnach von den Eindringlingen zum Verlassen der Anlage aufgerufen und angewiesen, auch am Folgetag nicht zum Dienst zu erscheinen.

Auch elf weitere staatliche Einrichtungen wie Ministerien, Staatssender und Armeezentrale werden von Regierungsgegnern belagert, um öffentlich Bedienstete zu zivilem Ungehorsam zu animieren. Die Demonstranten wollen die Proteste am Dienstag fortsetzen.

Zuvor hatten rund tausend Protestierende unter der Führung des Oppositionspolitikers Suthep Thaugsuban bereits das Finanzministerium gestürmt. "Brüder und Schwestern, kommt und übernachtet im Ministerium, um unsere Steuergelder zu bewachen", postete Suthep auf Facebook. Die Demonstranten werfen der Regierung Korruption vor und verlangen ihren Rücktritt.

Protest entzündete sich an Amnestiegesetz

Regierungschefin Yingluck Shinawatra sagte nach einer Kabinettssitzung, ihre Regierung bleibe im Amt. Sie warf den Demonstranten vor, Investoren und Touristen abzuschrecken und so die Wirtschaft des Landes zu schädigen.

Die Proteste gegen Shinawatras Regierung schwelen bereits seit Wochen: Am Sonntag brachte die Opposition 180.000 Menschen auf die Straße, die größten Straßenproteste seit 2010. Die Proteste entzündeten sich an einem von der Regierung vorgeschlagenen Amnestiegesetz. Die Opposition glaubt, das Gesetz sei auf den früheren Ministerpräsidenten und Bruder der jetzigen Regierungschefin, Thaksin Shinawatra, zugeschnitten.

Nach dem Sturz von Thaksin Shinawatra im Jahr 2006 war Thailand von heftigen Unruhen erschüttert worden, an denen sowohl dessen Anhänger als auch seine Gegner, die der Monarchie nahestehen, beteiligt waren. Bei den wochenlangen Protesten im Frühjahr 2010 starben mehr als 90 Menschen, etwa 1900 weitere wurden verletzt.

Thaksin Shinawatra lebt seit 2008 im Exil, um einer zweijährigen Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs zu entgehen. Einigen Parteimitgliedern zufolge zieht er von dort noch immer die Strippen in der Regierung. Die oberste Staatsgewalt geht in Thailand vom kranken König Bhumibol Adulyadej aus.

ade/dpa/AFP/AP

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