Thailand Demonstranten sprengen Asien-Gipfel

Kapitulation vor der Gewalt: Nach massiven Protesten thailändischer Regierungsgegner ist der Asien-Gipfel aus Sicherheitsgründen abgesagt und der Notstand ausgerufen worden. Zuvor hatten mehr als tausend Demonstranten den Tagungsort in Pattaya gestürmt.


Pattaya - Die wütende Menge schlug Glastüren ein und verschaffte sich Zutritt zum Tagungsgebäude im thailändischen Pattaya. Zugleich versperrten die Demonstranten Eingänge des Hotels, in dem die Delegationen abgestiegen waren.

Der Gipfel der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean wurde daraufhin abgesagt. Am Sonntag werde kein Treffen mehr stattfinden, sagte ein Regierungssprecher. "Wir haben noch kein neues Datum angesetzt." Es gehe um die Sicherheit der Staats- und Regierungschefs, begründete Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva den Schritt in einer Fernsehansprache. Nach Angaben eines Regierungssprechers mussten einige Politiker sogar per Helikopter ausgeflogen werden.

Schon vor dieser Eskalation hatten die Demonstranten die Veranstaltung massiv behindert. Etwa 2000 rot gekleidete Regierungsgegner versammelten sich rund um das Konferenzzentrum und forderten den Rücktritt des thailändischen Ministerpräsidenten Abhisit Vejjajiva.

Dabei kam es auch zu einem Zusammenstoß zwischen den Gegnern und Anhängern der Regierung - beide Gruppen bewarfen sich mit Steinen und Rauchbomben. Nach Regierungsangaben wurden mindestens zwei Menschen verletzt.

Die Demonstranten sind Anhänger des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Ihre Partei war bis Dezember 2008 an der Regierung, ehe sie unter dem Druck monatelanger Massenproteste abgelöst wurde. Jetzt fordern die Aktivisten aus Thaksins Lager den Rücktritt von Ministerpräsident Abhisit.

Die Fürsprecher Thaksins stammen vor allem aus der verarmten Landbevölkerung, während die jetzige Regierung von den städtischen Eliten getragen wird, die als königstreu gelten und die Symbolfarbe Gelb haben.

Am Mittwoch hatten rund hunderttausend Menschen in Bangkok den Rücktritt der Regierung und des führenden Beraters von König Bhumibol Adulyadej, Prem Tinsulanonda, gefordert.

Sie werfen ihm vor, Drahtzieher des Putsches zu sein, bei dem Thaksin 2006 gestürzt wurde. Abhisit lehnt einen Rücktritt und Neuwahlen ab. Er ist bereits der vierte Regierungschef seit dem Putsch von 2006.

jdl/AP/Reuters



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