Parlamentswahl Thailands König nennt Kandidatur seiner Schwester "unangemessen"

Die 67-jährige Prinzessin Ubolratana hat sich in Thailand überraschend als Kandidatin für die Parlamentswahlen aufstellen lassen. Ein politisches Novum - auf das der Monarch mit Unmut reagiert.

König Maha Vajiralongkorn (Oktober 2017)
AP

König Maha Vajiralongkorn (Oktober 2017)


Thailands König Maha Vajiralongkorn hat den überraschenden Einstieg seiner Schwester in die Politik als "unangemessen" kritisiert. In einer Erklärung, die der Königspalast veröffentlichte, heißt es, die Kandidatur von Prinzessin Ubolratana für das Amt der Premierministerin stehe auch im Widerspruch zur Verfassung. Eine solche Stellungnahme des Königs zu aktuellen Fragen der Politik ist äußerst ungewöhnlich.

Seine älteste Schwester hatte zuvor ihre Spitzenkandidatur bei der geplanten Parlamentswahl am 24. März bekanntgeben lassen. Das gab es in der langen Geschichte des südostasiatischen Königreichs noch nie.

Prinzessin Ubolratana Rajakanya (2008 in Cannes)
REUTERS

Prinzessin Ubolratana Rajakanya (2008 in Cannes)

Mit ihrer Bewerbung stellt sich die 67-Jährige gegen Thailands Generäle, die seit einem Militärputsch 2014 an der Macht sind. Getragen wird die Kandidatur von einer Partei, die aus dem Umfeld der damals gestürzten Regierungschefin Yingluck Shinawatra kommt.

Die Prinzessin ist das älteste von vier Kindern des jahrzehntelangen Königs Bhumibol und seiner Frau, Königin Sirikit. Seit dem Tod des alten Königs im Oktober 2016 steht ihr Bruder Maha Vajiralongkorn an der Spitze der Monarchie. Der 66-Jährige, der sich häufig in Deutschland aufhält, ist allerdings noch nicht offiziell gekrönt. Dies soll erst Anfang Mai geschehen - sechs Wochen nach der Wahl.

asa/dpa

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stat_ist 08.02.2019
1. Königsfamilie sollte abdanken
Thailands Entwicklung stagniert seit Jahren der Militärherrschaft, die Bevölkerung erhofft sich durch die Wahlen eine Verbesserung der Situation. Unabhängig davon scheint es ein strukturelles Problem zu geben - die Monarchie, die nicht wie in UK rein repräsentativ ist, übt Macht aus ohne Kontrolle entspr. der Gewaltenteilung. Das mag - wenn ein "guter Herrscher" an der Macht ist - sein Gutes gehabt haben. Prinzipiell ist dies aber nicht zeitgemäß. Wenn man mit Thailändern spricht, fühlt man sich in die DDR zurückversetzt: keiner traut sich die Situation beim Namen zu nennen, denn das hieße den König zu kritisieren - und das ist ein Tabu. Vielleicht ist die Kandidatur der ältesten Schwester des Königs ein Versuch, dies aufzubrechen - sie stellt sich ja dann der Gewaltenteilung.
Paul Lenz 08.02.2019
2. Schockierende Nachrichten
Ein Mitglied des Königshauses paktiert mit einer Partei, die von dem korrupten Shinawatra-Clan gegründet wurde? Wie tief kann man denn noch sinken? Die Thailänder sollten froh sein, diese Rechtspopulisten losgeworden zu sein. Besonders Thaksin Shinawatra, dessen undemokratischer Regierungsstil dem von Trump erschreckend ähnlich war und Thailand so tief gespalten hat wie kein anderer zuvor.
claus7447 08.02.2019
3. Problemkönig
Im Gegensatz zu seinem Vater ist der jetzige König deutlich weniger akzeptiert. Schon früh würde sein Lebenswandel, der sicherlich nicht den moralvorstellung der Thais entspricht, kritisiert. Dies uobwohl Kritik am königshaus nicht "gewünscht" ist. Bumipol wollte ja e eigentlich die jüngste Schwester als Nachfolge, das ging nicht, da sie nicht verheiratet ist und damit keinen Nachfolger hat. Die älter Schwester, die sich jetzt für den pm bewirbt war wegen ihrer Heirat mit einem Ausländer ausgeschlossen. Mit welcher Partei sie taktiert er sehe ich jetzt nicht aus den Pressemeldungen. Fest steht, dass die Militärs eine Diktatur errichtet haben. Man wird sehen.
-su- 08.02.2019
4.
Zitat von Paul LenzEin Mitglied des Königshauses paktiert mit einer Partei, die von dem korrupten Shinawatra-Clan gegründet wurde? Wie tief kann man denn noch sinken? Die Thailänder sollten froh sein, diese Rechtspopulisten losgeworden zu sein. Besonders Thaksin Shinawatra, dessen undemokratischer Regierungsstil dem von Trump erschreckend ähnlich war und Thailand so tief gespalten hat wie kein anderer zuvor.
und der König hat sich auf die Seite des Militärs gestellt, dass geputscht und somit die Demokratie zerstört hat. Aber ist halt wie in Ägypten, wenn der Richtige putscht und eine Diktatur erstellt, dann wird das akzeptiert.
Listkaefer 08.02.2019
5. Meine Güte, Könige, Prinzen, ...
... Fürsten, Herzöge, Grafen, Barone, und überhaupt *Adlige* ... das sind doch Fossilien aus dem Mittelalter. Hört auf, immer wieder über diese bornierte Kaste zu berichten. Alle Menschen sind gleich, nämlich Bürger ihres Landes mit denselben Rechten und Pflichten. Es gibt keine durch Geburt oder Tradition herausgehobenen Familien. Ich lebe in Bayern, und hier ziehen im Hintergrund Wittelsbacher immer noch die Fäden, unglaublich.
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