Wahlkommission Thailands Militärpartei offenbar stärkste Kraft

Erstmals seit dem Militärputsch vor fünf Jahren durften die Thailänder wählen. Offiziellen Ergebnissen zufolge hat die Militärpartei die Abstimmung gewonnen. Wer das Land regieren wird, ist dennoch unklar.

Der regierende Premierminister Prayut Chan-o-cha
RUNGROJ YONGRIT/EPA-EFE/REX

Der regierende Premierminister Prayut Chan-o-cha


Mehrmals hatte die Militärregierung in Thailand nach dem Putsch von 2014 die versprochenen Neuwahlen verschoben - am vergangenen Sonntag durften die Wahlberechtigten endlich ihre Stimme abgeben. Nun steht das offizielle Ergebnis fest: Demnach ist die Armee-Partei Phalang Pracharat (PPRP) stärkste politische Kraft geworden. Für die Partei von Premierminister Prayut Chan-o-cha stimmten laut der staatlichen Wahlkommission am vergangenen Sonntag 8,4 Millionen Wähler.

Die größte Partei der demokratischen Opposition, Pheu Thai, bekam 7,9 Millionen Stimmen. Zur Verteilung der 500 Sitze im Repräsentantenhaus äußerte sich die vom Militär eingesetzte Kommission nicht.

Damit ist weiterhin offen, wer in Bangkok künftig die Regierung bilden kann, das Lager der Militärs oder die demokratische Opposition. Die Wahl wurde von Betrugsvorwürfen überschattet.

Prayut will Premierminister bleiben

Seit das Militär im Jahr 2014 in Thailand die Regierung übernahm, hatte es immer wieder freie Wahlen versprochen, die Bevölkerung aber lange warten lassen. Am vergangenen Sonntag durften die Bürger zum ersten Mal seit über fünf Jahren wählen.

Die Mitteilung der Kommission kam für viele überraschend. Ursprünglich hatte sie die Bekanntgabe neuer Zahlen erst für Freitag angekündigt. Mehr als 2,1 Millionen Stimmen wurden für ungültig erklärt. Insgesamt waren etwa 51 Millionen Thailänder wahlberechtigt.

Beim Militärputsch 2014 war Prayut noch General - nun will er als Premierminister im Amt bleiben. Durch ein geändertes Wahlrecht und eine neue Verfassung war er bei der Wahl klar im Vorteil. Insgesamt sieben Parteien der demokratischen Opposition hatten sich am Mittwoch zu einer Allianz gegen die Militärs zusammengeschlossen. Allerdings haben die Militärs bei der Entscheidung über den künftigen Regierungschef bereits 250 Stimmen aus dem Senat sicher.

höh/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Hennes Bock 28.03.2019
1. Merkwürdiges Erlebnis
Bei einem kürzlichen Aufenthalt in Thailand, dem ersten seit der Machtergreifung durch das Militär,besuchten wir eine historische Stätte, die wir von einer früheren Reise her bereits kannten. Als wir einen besonders markanten Punkt der historischen Ruinen mit unserer Videokamera filmen wollten, schritt ein in der Nähe sitzender uniformierter Wächter in bedrohlicher Weise ein und unterband das Filmen. Es waren keine Verbotsschilder oder sonstige Verbotshinweise vorhanden, so dass wir uns nach dem Grund erkundigten. Die Antwort: " Es hätten schon zu viele Leute Videos gedreht und in das Internet gestellt, in denen diese sich schlecht über Thailand geäußerst und Dinge falsch dargestellt hätten. Daher wolle man in Thailand keine Videos". Der Vorfall war für uns ein deutlichstes Indiz dafür, wie sehr sich das Land offenbar gewandelt hat und hat uns sehr nachdenklich gestimmt.
women_1900 28.03.2019
2.
Zitat von Hennes BockBei einem kürzlichen Aufenthalt in Thailand, dem ersten seit der Machtergreifung durch das Militär,besuchten wir eine historische Stätte, die wir von einer früheren Reise her bereits kannten. Als wir einen besonders markanten Punkt der historischen Ruinen mit unserer Videokamera filmen wollten, schritt ein in der Nähe sitzender uniformierter Wächter in bedrohlicher Weise ein und unterband das Filmen. Es waren keine Verbotsschilder oder sonstige Verbotshinweise vorhanden, so dass wir uns nach dem Grund erkundigten. Die Antwort: " Es hätten schon zu viele Leute Videos gedreht und in das Internet gestellt, in denen diese sich schlecht über Thailand geäußerst und Dinge falsch dargestellt hätten. Daher wolle man in Thailand keine Videos". Der Vorfall war für uns ein deutlichstes Indiz dafür, wie sehr sich das Land offenbar gewandelt hat und hat uns sehr nachdenklich gestimmt.
Von einem persönlichen Einzelerlebnis gleich aufs ganze Land und die Bevölkerung schließen, halte ich für sehr gewagt.
vubler 28.03.2019
3. nicht nur Nachteile
Viele Thais waren 2014 auch froh, dass mit dem Militär wieder etwas Ordnung einkehrte. Zu dieser Zeit war es an der Tagesordnung, dass in Bangkok Demonstrationen und Randale waren, Autos brannten und es gab regelrechte Strassenschlachten. Zeitdem ist Ruhe. Nun wird es aber Zeit, dass sich das Militär wie versprochen zurückzieht
juba39 28.03.2019
4. Einigermaßen absurd...
und gleichzeitig entlarvend für westliche Doppelstandards! Dazu muß man nur den obigen Artikel in den richtigen Kontext stellen. Nämlich Zusammengehörendes auch zusammenhängend benennen. Das Militär hat sich nach dem Putsch per Verfassungsänderung ALLE 250 im Senat sichern lassen. Da alle Entscheidungen im Land aus einer Stimmenmehrheit beider Häuser gebildet werden, genügen also dem Militär bei Wahlen, noch einmal, der Senat steht ja schon fürs Militär, also bei Wahlen 25,2% der Stimmen. Und nun vergleichen wir einmal, mit welcher Begründung die westlichen Wertestaaten die Wahl Maduros als undemokratisch nicht anerkannten. Wer hier Gemeinsamkeite erkennt, darf diese Erkenntnis getrost behalten. Hilft nämlich nichts!
halverhahn 28.03.2019
5. Sehr schwer für Außenstehende das zu beurteilen
Bei der Beurteilung, welche Regierung besser für Thailand ist, sollten wir uns sehr zurück halten. Die dortige Gemengelage ist nämlich nicht so homogen wie wir es gerne hätten. A la das Militär ist schlecht und andere politischen Parteien seien wesentlich besser für das Land und für die thail. Bevölkerung Ich sage nur Familie Shinawatra und das Thema Korruption bzw Vetternwirtschaft... Ich bin aber auch kein Freund einer nicht frei gewählten Militärregierung, weil völlig undemokratisch und mit unseren Werte-Maßstäben null vereinbar. Doch für mich als reiner Tourist in Thailand hat sich seit der Machtübernahme des Militärs, bis auf ein paar mehr bürokratische Kleinigkeiten (u.a. mehr Polizei auf der Straße, mehr Kontrollen am Flughafen und auf der Straße, "Polizeistunde" für viele Bars und Discos), wenig bis nichts großartiges verändert. Und ich bin seit zig Jahren mind 1 mal pro Jahr dort im Land für längere Zeit unterwegs... :-)
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