Proteste in Bangkok Thailändische Polizei drängt Regierungsgegner zurück

Seit Wochen besetzten sie zwei Straßenkreuzungen - nun wurden die Demonstranten in Bangkok von der thailändischen Polizei vertrieben. Die Schutzschilde und Schlagstöcke kamen bei der Operation nicht zum Einsatz.

Staat gegen Demonstranten: Laut Polizei wurde keine Gewalt eingesetzt
AP/dpa

Staat gegen Demonstranten: Laut Polizei wurde keine Gewalt eingesetzt


Bangkok - In den Streit zwischen Regierungsgegnern und Staat in Thailand kommt wieder Bewegung: Etwa 2000 mit Schutzschilden und Schlagstöcken ausgerüstete Beamte haben Demonstranten von zwei Straßenkreuzungen, die zum Regierungsviertel führen, zurückgedrängt. Das erklärte Paradorn Pattanatabut, der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates, im Sender Spring News TV. Bei dem Einsatz der thailändischen Polizei sei jedoch keine Gewalt angewendet worden.

Obwohl sie vorerst von ihren Posten vertrieben sind, wollen die Regierungsgegner jedoch nicht aufgeben: "Wir werden diese Kreuzungen zurückerobern, da diese Gebiete uns gehören", sagte ein Sprecher der Protestbewegung dem Sender Spring News.

Die Polizei in Bangkok war am Morgen mit dem Auftrag ausgerückt, mehrere seit Wochen von Demonstranten besetzte Gebiete in Bangkok wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen. "Unsere Strategie ist es, langsam vorzugehen und uns von äußeren Bereichen nach innen vorzuarbeiten", sagte der landesweite Polizeichef Adul Saengsingkaew. "Wir wenden keine Gewalt an, Verhandlungen sind unsere Hauptstrategie." Bereits am Vortag hatte Paradorn Pattanatabut den entsprechenden Plan zum gewaltlosen Vorgehen angekündigt.

Regierungsgegner harren seit Wochen an mehreren Stellen in Bangkok aus. Sie wollen die Regierung um Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra zu Fall bringen. Auch bei der Parlamentswahl in Thailand Anfang Februar blockierten sie die Wahllokale und hinderten so Hunderttausende Bürger daran, ihre Stimmen abzugeben. Mittlerweile wächst in der Bevölkerung der Unmut über die Methoden der Demonstranten.

vek/dpa/Reuters

insgesamt 11 Beiträge
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frodosix 14.02.2014
1. Ziele?
Ausgehend davon wie es sich darstellt (ob die Wahrheit so aus sieht ist eine andere Frage), wollen die Regierungsgegner eine (überwiegend von der ärmeren Landbevölkerung) gewählte Regierung stürzen sich aber dabei nicht einer fairen Wahl stellen. Wollen sie die Regierung in einem Putsch übernehmen, oder was wollen sie erreichen?
ulli7 14.02.2014
2. "Das Land des Lächelns zeigt seine hässliche Fratze"
Diesen hervorragenden Bericht von Thailand-Kenner Marko Martin vom 12.2.2014 kann ich jedem empfehlen.
raoul2 15.02.2014
3. @frodosix
Es gibt keine "von der ärmeren Landbevölkerung gewählte" Regierung in Thailand. Die derzeitige (geschäftsführende) Regierung mit Yingluck Shinawatra an der Spitze, die von ihrem rechtskräftig verurteilten Bruder Thaksin Shinawatra geführt wird, ist schon längst zurückgetreten, da sie ihre Schulden bei der ärmeren Landbevölkerung (also den Reisbauern, deren Stimmen sie mit dem wirtschaftlich völlig unsinnigen, aber populistischen Reis-Ankauf-Programm gekauft hat) nicht mehr bezahlen kann. Die friedlichen Demonstranten, die jetzt - anscheinend nach vorheriger Absprache mit der Polizei - zwei der "besetzten" Kreuzungen geräumt haben, fordern übrigens demokratische Wahlen (statt der Scheinwahlen des Shinawatra-Clans). Und solchen freien, fairen, gleichen und geheimen Wahlen stellen sie sich dann selbstverständlich.
laubfrosch69 15.02.2014
4. @ulli7
Netter Artikel von Herrn Martin in der 'Welt'. Aber am Ende wird er doch ziemlich unvorsichtig. Über die Nachfolge des Königs in Thailand zu spekulieren, ist ein Sakrileg. Und Thailändische Dienststellen durchpflügen das Internet und den Blätterwald nach Meldungen, die den König beleidigen. Herr Martin sollte in den nächsten 10 Jahren besser nicht versuchen, nach Thailand einzureisen.
special waste 15.02.2014
5. optional
Die letzten 10 Tage ohne Spiegel – Forum haben Ihne gut getan. Nicht einmal das Wort "krininell" in Ihrem Textbeitrag. Was ist denn mit Ihnen passiert? Kreide verschluckt wegen dem anstehenden Visa oder endlich mal nachgedacht? Die Wahlen sind frei, nur leider hat Ihr so hochgeschätzter Abisit mit seinen Dems die ganze Situation völlig falsch eingeschätzt und ist zur Wahl nicht angetreten. Das wollte er vom Militär durch einen erneuten Staatsstreich erledigen lassen. Nur die wollen nicht. Die Wahl jetzt als undemokratisch zu bezeichnen hilft da nicht weiter, wurden diese ja per königlichem Dikret auf den 2. Februar gelegt. Wollen Sie dem König wiedersprechen? Der Protestführer Suthep will schon mal gar keine Wahlen, sondern alle demokratischen Prozesse für Monate wenn nicht gar Jahre ausser Kraft setzen. Die Regierung ist übrigens nicht wegen den ausstehenden Reiszahlungen an die Bauern zurückgetreten, sondern hat das Parlament nach dem Auszug der Dems aufgelöst. Auch das völlig vereinbahr mit der Verfassung. Der letzte Versuch, die Regierung nun per Verfassungsklage aus dem Amt zu hebeln, klappt ja irgendwie auch nicht. Die haben gelernt .. und nun?
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