Thailand Prinzessin und Junta-Chef treten bei Parlamentswahl an

Ende März will Thailand ein neues Parlament wählen. Als Kandidatin hat sich nun überraschend auch die ältere Schwester des Königs aufstellen lassen - eine Premiere.

Prinzessin Ubolratana Rajakanya (2008 in Cannes)
REUTERS

Prinzessin Ubolratana Rajakanya (2008 in Cannes)


In Thailand tritt die ältere Schwester des Königs, Prinzessin Ubolratana Rajakanya, überraschend als eine der Spitzenkandidatinnen für die Parlamentswahl im nächsten Monat an. Die 67-Jährige gab am Freitag ihre Bewerbung für das Amt der Premierministerin bei der Wahl am 24. März bekannt.

Auch Junta-Chef Prayut Chan-o-cha kündigte am Freitag seine Bewerbung an. Er werde für die Partei Phalang Pracharat antreten, sagte der General, der seit dem Militärputsch im Mai 2014 an der Macht ist. "Es geht mir nicht darum, meine Macht auszubauen", sagte er. "Ich tue das vielmehr zum Wohl des Landes und seiner Bewohner." Die Generäle hatten eigentlich versprochen, nur ein Jahr zu regieren, verschoben Wahltermine dann aber immer wieder.

Prayut Chan-o-cha
DIEGO AZUBEL/EPA-EFE/REX

Prayut Chan-o-cha

Die Prinzessin ist das älteste von vier Kindern des jahrzehntelangen Königs Bhumibol und seiner Frau, Königin Sirikit. Seit dem Tod des alten Königs im Oktober 2016 steht ihr Bruder Maha Vajiralongkorn an der Spitze der Monarchie. Der 66-Jährige, der sich häufig in Deutschland aufhält, ist allerdings noch nicht offiziell gekrönt. Dies soll erst Anfang Mai geschehen - sechs Wochen nach der Wahl.

Über eine Kandidatur der Prinzessin war seit einigen Tagen spekuliert worden. Viele glaubten nicht daran. Am Freitag gab die Partei Thai Raksa Chart - gegründet von Anhängern des ehemaligen Premierministers Shinawatra - dann offiziell bekannt, dass sie Ubolratana ins Rennen schickt. Dies sei eine "große Ehre". Sie selbst äußerte sich zunächst nicht weiter zu ihrem Vorhaben. Auf Instagram verbreitete sie jedoch die Botschaft: "Wir werden zusammen vorangehen."

Bewerbungsschreiben von Prinzessin Ubolratana Rajakanya
REUTERS

Bewerbungsschreiben von Prinzessin Ubolratana Rajakanya

Es ist das erste Mal in der Geschichte des südostasiatischen Landes, dass sich jemand aus dem Königshaus bei einer Parlamentswahl bewirbt. Die Kandidatur der Prinzessin macht die Dinge für die Militärs nun deutlich komplizierter. Thailands Königshaus ist durch ein sehr strenges Gesetz praktisch gegen jede Kritik geschützt. Prayut versicherte der Königsfamilie immer wieder seine Loyalität.

Insgesamt treten bei der Wahl am 24. März mehr als einhundert Parteien an. Verlässliche Umfragen gibt es nicht.

Die Prinzessin - mit vollem Namen Thunkramom Ying Ubolratana Rajakanya Sirivadhana Barnavadi - wurde 1951 in der Schweiz geboren. Wegen ihrer Hochzeit mit einem bürgerlichen US-Amerikaner 1972 wurden ihr Privilegien gestrichen. Sie lebte dann unter bürgerlichen Namen viele Jahre in den USA. Die Ehe wurde später geschieden. Im Jahr 2001 kehrte sie nach Thailand zurück, wo sie seither wieder den Titel Prinzessin führt. Sie arbeitete anschließend unter anderem als Schauspielerin. In der Politik war sie bislang nie groß in Erscheinung getreten.

aar/dpa/AFP



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Seite 1
brooklyner 08.02.2019
1.
Was im Artikel gar nicht erwähnt wird, ist die Tragweite dieses brillianten Coups der Prinzessin. Die Militärregierung hatte es mit der neuen Verfassung geschafft, dass jede zukünftige Taksin unterstützende Regierung praktisch machtlos bleibt. Dies wurde nun mit der Kandidatur der Schwester des Königs höchst galant umgangen. Prayut wird sich sehr genau überlegen müssen, wie er mit der Vertreterin des Königshauses umgeht. Der schäumt wahrscheinlich momentan vor Wut. Auf jeden Fall sollte die Prinzessin ihre persönliche Leibwache schnell verstärken.
fatherted98 08.02.2019
2. Brillianter Coup?
Zitat von brooklynerWas im Artikel gar nicht erwähnt wird, ist die Tragweite dieses brillianten Coups der Prinzessin. Die Militärregierung hatte es mit der neuen Verfassung geschafft, dass jede zukünftige Taksin unterstützende Regierung praktisch machtlos bleibt. Dies wurde nun mit der Kandidatur der Schwester des Königs höchst galant umgangen. Prayut wird sich sehr genau überlegen müssen, wie er mit der Vertreterin des Königshauses umgeht. Der schäumt wahrscheinlich momentan vor Wut. Auf jeden Fall sollte die Prinzessin ihre persönliche Leibwache schnell verstärken.
....Sie glauben doch nicht wirklich, das die Prinzessin das nicht mit dem Militärregime abgesprochen hat? Das Militär unterstützt massiv das Köingshaus (man könnte natürlich auch sagen, es benutzt das Köingshaus). Der jetzige König ist nicht sehr beliebt im Volk und wird weitgehend ignoriert. Die Prinzessin galt neben der Schwester des Königs als Wunschnachfolgerin des alten Königs. Das sie jetzt evtl. an die Regierung kommt, spielt dem Militär absolut in die Hände. Jede Kritik an ihr wäre strafbar....sprich....ein win/win Situation....das Militär behält im Hintergrund die Fäden in der Hand und das Königshaus regiert im Parlament nach dessen Vorgaben. Spricht für eine Salomonische Lösung....und eine Mehrheit ist ihr bei der Wahl, bei der Zerrissenheit der Parteien im Land, sicher. Damit wäre die "Demokratie" wiederhergestellt....westliche Nationen...vor allem auch Deutschland störten sich ja arg am Militär....obwohl vom Volk breit akzeptiert. Das könnte neuen Schwung in ein Freihandelsabkommen bringen....evtl. Visa Erleichterung für Thais.....mal sehen ob es was wird.
raoul2 08.02.2019
3. Der immer noch flüchtige
Ex-Premier Thaksin Shinawatra, ein rechtskräftig zu Gefängnis verurteilter Krimineller, glaubt mit Sicherheit an einen "brillanten Coup", wenn Prinzessin Ubolrat für die von ihm installierte Thai Raksa Chart-Gruppierung kandidiert, da er sich nach ihrer erfolgreichen Wahl eine gefahrlose Rückkehr nach Thailand erträumt. Seine völlig chancenlose PT-"Partei" - so wohl die von seiner grenzenlosen Macht- und Geldgier getriebene Überlegung - könnte dann unter dem Banner der Prinzessin mit dem rechten Populisten Thanathorn Juangroongruangkit (von Beruf Milliarden-Erbe und "Future Forward"-Gründer) koalieren, um den derzeitigen Premierminister Prayuth "hinwegzufegen". Man darf gespannt sein, ob diese eher kindischen Rache-Gelüste des im Exil grübelnden Kriminellen von Erfolg gekrönt werden. Ich halte es für eher unwahrscheinlich.
Bangyikhan 08.02.2019
4. Alles schon vorbei!
Lt. Khaosod English ist der König strikt dagegen! Im übrigen ist der König offensichtlich dabei sich "abzunabeln" Im Kronrat hat er die alte Garde schon entmachtet und seine eigenen Leute installiert. Ob er es jetzt auch mit dem Militär versucht? Spannende Zeiten! http://www.khaosodenglish.com/news/2019/02/08/king-declares-nomination-of-princess-a-violation/
raoul2 09.02.2019
5. Nachdem der König
die Kandidatur seiner Schwester aus nachvollziehbaren Gründen untersagte, hat Ubolratana sich für diesen (albernen) Versuch ja längst entschuldigt; ein Mitglied des Königshauses kann nach der Verfassung kein politisches Amt übernehmen - egal, wie sehr sich der flüchtige Kriminelle und seine AnhängerInnen das auch wünschen würden. Also wieder alles im Lot. Vielleicht fallen ja manche der rotgefärbten (tatsächlich aber braunen) Ewiggestrigen im Isan auf die Versuche mancher "Politiker" herein, die noch schnell ihre Vornamen für die Wahlscheine in Thaksin bzw. Yingluck geändert haben, um so die verbliebenen Shinawatra-AnhängerInnen zu manipulieren. Noch so ein kindischer Versuch des alternden Kriminellen im Exil, das Königreich Thailand zu destabilisieren.
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