SPIEGEL ONLINE

Proteste in Thailand Regierungsgegner starten Sturm auf die Zentralen der Macht

Die Krawalle in Thailand gehen weiter. Tausende Regierungsgegner versuchten am Morgen, die Regierungszentrale, die Kommandozentrale der Polizei und das Parlament einzunehmen. Oppositionsführer Suthep stellte Ministerpräsidentin Yingluck ein Ultimatum - sie lehnt einen Rücktritt jedoch ab.

Bangkok - In Thailand ist eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen Oppositionsanhängern und Regierung nicht in Sicht. Die Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei in Bangkok dauern an. Nach dem Krawallwochenende mit mehreren Toten starteten tausende Regierungsgegner am Montag einen neuen Sturm auf die Regierungszentrale, die Kommandozentrale der Polizei und das Parlament. Sie versuchten, die Betonbarrieren niederzureißen, mit denen das Gelände verbarrikadiert ist. Dichte Rauchschwaden hingen über dem Regierungsviertel. Die Straßen um den Regierungssitz sahen aus wie im Bürgerkrieg.

Die Polizei setzte Wasserwerfer, Tränengas und auch Gummigeschosse ein. Die Demonstranten feuerten Wurfgeschosse über die Barrieren. An einer Stelle kaperten sie einen großen Einsatzwagen der Polizei, wie im Fernsehen zu sehen war. Überall gingen Demonstranten mit Würgereiz und brennenden Augen zu Boden. Sie versuchten, die Chemikalien mit Wasser abzuwaschen. Sanitäter der Armee waren mit Tragen unterwegs, um Verletzte zu bergen. Die Polizisten waren mit Gasmasken im Einsatz.

Mehrere Universitäten und mehr als 30 Schulen blieben am Montag aus Sicherheitsgründen geschlossen. In der Hotel- und Geschäftsgegend war die Lage ruhig. Die Demonstranten sind im Regierungsviertel, rund zwei Kilometer nördlich des Königspalastes, einer der Haupttouristenattraktionen der Stadt.

Opposition will Yinglucks Rücktritt bis Dienstag

Fotostrecke

Thailand: Tote und Verletzte bei Massenprotesten

Foto: DYLAN MARTINEZ/ REUTERS

Der Anführer der Demonstranten bleibt kompromisslos. Suthep Thaugsuban traf Regierungschefin Yingluck Shinawatra am Sonntagabend auf Vermittlung des Armeechefs. Er hielt nach eigenen Angaben an seiner Maximalforderung fest, wie er später betonte: Er verlangt nicht nur den Sturz der Regierung, sondern die Einrichtung eines bislang obskuren Volkskomitees, das vor Neuwahlen eine neue Verfassung ausarbeiten soll. Suthep forderte Yingluck auf, bis Dienstag ihr Amt niederzulegen. "Ich habe Yingluck gesagt, das dies unser einziges Treffen sein wird und wir uns erst wieder sehen, wenn das Volk gewonnen hat." Das Treffen wurde Sutheps Angaben zufolge vom Militär organisiert.

Yingluck lehnte am Montag in einer vom Fernsehen übertragenen einen Rücktritt ab. Allerdings signalisierte sie Gesprächsbereitschaft mit den Demonstranten. Es müsse jeder Weg für einen Dialog genutzt werden, sagte die Regierungschefin.

Das Militär hat in Thailand eine einflussreiche Stellung inne und hat bei den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Regierungsanhängern und -gegnern eine neutrale Position bezogen. Suthep rief die Regierungsbeamten für Montag erneut zum Streik auf. "Hört auf, für das Thaksin-Regime zu arbeiten, kommt raus und protestiert", sagte er.

Die Gegner der aktuellen Regierung wollen die seit mehr als zehn Jahren andauernde Dominanz der Shinawatra-Familie brechen. Die amtierende Regierungschefin Yingluck ist die Schwester des 2006 gestürzten und wegen Korruption verurteilten Ex-Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Die Demonstranten werfen ihr vor, sie sei nur eine Marionette ihres Bruders, der vor einer Haftstrafe ins Ausland geflohen war. Ein von der Regierung unterstütztes Amnestie-Gesetz sollte ihm die Rückkehr nach Thailand ermöglichen.

ler/dpa/Reuters