Parlamentswahl in Thailand Schwester des Königs steht mit Kandidatur vor dem Aus

In Thailand hatte sich Prinzessin Ubolratana überraschend als Kandidatin für die Parlamentswahlen aufstellen lassen. Der König, ihr Bruder, stellte sich daraufhin gegen sie - das hat nun Folgen.

Prinzessin Ubolratana Rajaka (Archivbild)
REUTERS

Prinzessin Ubolratana Rajaka (Archivbild)


Nach der scharfen Kritik von Thailands König Maha Vajiralongkorn tritt seine Schwester offenbar doch nicht bei der Parlamentswahl im März an. Die Partei Thai Raksa Chart zog die Kandidatur von Prinzessin Ubolratana für das Amt der Ministerpräsidentin zurück.

Die 67-Jährige füge sich damit der "königlichen Anordnung", teilte die Partei mit. Die Prinzessin hatte sich kurz zuvor bei ihren Anhängern für die bisherige Unterstützung bedankt. Beobachter werteten dies als Zeichen für einen baldigen Verzicht auf die Kandidatur.

Der König hatte den Einstieg seiner Schwester in die Politik tags zuvor scharf kritisiert. Ein hochrangiges Mitglied der königlichen Familie in die Politik zu bringen, sei "gegen die königlichen Traditionen und die Kultur der Nation", hieß es in einer Erklärung. Die Monarchie stehe über der Politik, die Kandidatur stehe zudem im Widerspruch zur Verfassung. Eine solche Stellungnahme des Königs zu aktuellen politischen Fragen ist äußerst ungewöhnlich.

König Maha Vajiralongkorn (Oktober 2017)
AP

König Maha Vajiralongkorn (Oktober 2017)

Seine älteste Schwester hatte zuvor ihre Spitzenkandidatur bei der geplanten Parlamentswahl am 24. März bekanntgeben lassen. Für das 68-Millionen-Einwohner-Land wäre die Wahl ein wichtiger Schritt zurück in Richtung Demokratie. Verlässliche Umfragen gibt es bislang nicht.

Mit ihrer Bewerbung stellte sich die 67-Jährige gegen Thailands Generäle, die seit einem Militärputsch 2014 an der Macht sind. Getragen wird die Kandidatur von einer Partei, die aus dem Umfeld der damals gestürzten Regierungschefin Yingluck Shinawatra kommt.

Die Prinzessin ist das älteste von vier Kindern des jahrzehntelang amtierenden Königs Bhumibol und seiner Frau, Königin Sirikit. Seit dem Tod des alten Königs im Oktober 2016 steht ihr Bruder Maha Vajiralongkorn an der Spitze der Monarchie. Der 66-Jährige, der sich häufig in Deutschland aufhält, ist allerdings noch nicht offiziell gekrönt. Dies soll erst Anfang Mai geschehen - sechs Wochen nach der Wahl.

mxw/dpa/AFP

insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dschungelmann 09.02.2019
1. Das wars wohl ...
mit der Wahl in Thailand. Militaerdiktatur ist angesagt im Demokratiemaentelchen. Ernstzunehmende Kandidaten gibt es sonst nicht. Dafuer hat Prayut und "the big joke" schon gesorgt. Mal sehen was die bereits zornige Bevoelkerung dazu sagt.
raoul2 09.02.2019
2. Der aktuelle Premierminister
wird wohl auch der nächste Regierungschef sein - und das ist auch gut so. Oder anders ausgedrückt: Alles ist besser als eine vom flüchtigen Kriminellen Thaksin Shinawatra aus dem Ausland geführte "Regierung", die seine von übelsten Rachegelüsten und ungebremster Geld- und Macht-Gier gespeiste Politik der verbrannten Erde fortsetzen möchte. Da sich der letzte demokratische Premierminister Abhisit glücklicherweise standhaft einer Koalition mit einer oder mehreren der installierten "Rothemden-Parteien" widersetzt, bleibt dem Shinawatra-Clan nur die (theoretische) Möglichkeit, mit recht abstrusen Aktionen ihre Rückkehr nach Thailand vorzubereiten. Man kann nur hoffen, daß die Mehrheit der WählerInnen die Absichten der braunen Clique rund um die rechtskräftig verurteilten Exilanten durchschaut, um die endgültige Ausplünderung Thailands doch noch zu verhindern. Dem Land und den Menschen sei's gegönnt, wenn dieser Spuk ein Ende hätte.
skeptikerjörg 09.02.2019
3.
Zitat von raoul2wird wohl auch der nächste Regierungschef sein - und das ist auch gut so. Oder anders ausgedrückt: Alles ist besser als eine vom flüchtigen Kriminellen Thaksin Shinawatra aus dem Ausland geführte "Regierung", die seine von übelsten Rachegelüsten und ungebremster Geld- und Macht-Gier gespeiste Politik der verbrannten Erde fortsetzen möchte. Da sich der letzte demokratische Premierminister Abhisit glücklicherweise standhaft einer Koalition mit einer oder mehreren der installierten "Rothemden-Parteien" widersetzt, bleibt dem Shinawatra-Clan nur die (theoretische) Möglichkeit, mit recht abstrusen Aktionen ihre Rückkehr nach Thailand vorzubereiten. Man kann nur hoffen, daß die Mehrheit der WählerInnen die Absichten der braunen Clique rund um die rechtskräftig verurteilten Exilanten durchschaut, um die endgültige Ausplünderung Thailands doch noch zu verhindern. Dem Land und den Menschen sei's gegönnt, wenn dieser Spuk ein Ende hätte.
Na ja, wenn die Militärdiktatur mit dem durchsichtigen Mäntelchen der Demokratie wirklich das Beste für Thailand ist, sollte man das Land am besten aufgeben. Mitsamt dem Playboy auf dem Königsthron. Ihre Argumentation, werter raoul2, ist übrigens dieselbe, die die Militärjunta in Myanmar geltend macht.
raoul2 09.02.2019
4. Besser als Thaksin
bedeutet nicht automatisch "das Beste". Wohl aber das derzeit beste, das (ganz pragmatisch) möglich ist, da der letzte demokratische Premierminister nicht mehr wirklich im Rennen ist. Mir persönlich wäre "Mark" natürlich immer noch am liebsten. Am Rande: Mir ist nicht bekannt, daß die Regierung von Myanmar sich irgendwann gegen einen alternden Kleptokraten wie Thaksin ausgesprochen hätte. Bin aber gern bereit, Ihre Informationen dazu (sofern es sie denn geben sollte) zu überprüfen. Ich warte.
DerDifferenzierteBlick 09.02.2019
5. @Raoul2: Nicht sehr schlüssige Argumentation
Zitat von raoul2wird wohl auch der nächste Regierungschef sein - und das ist auch gut so. Oder anders ausgedrückt: Alles ist besser als eine vom flüchtigen Kriminellen Thaksin Shinawatra aus dem Ausland geführte "Regierung", die seine von übelsten Rachegelüsten und ungebremster Geld- und Macht-Gier gespeiste Politik der verbrannten Erde fortsetzen möchte. Da sich der letzte demokratische Premierminister Abhisit glücklicherweise standhaft einer Koalition mit einer oder mehreren der installierten "Rothemden-Parteien" widersetzt, bleibt dem Shinawatra-Clan nur die (theoretische) Möglichkeit, mit recht abstrusen Aktionen ihre Rückkehr nach Thailand vorzubereiten. Man kann nur hoffen, daß die Mehrheit der WählerInnen die Absichten der braunen Clique rund um die rechtskräftig verurteilten Exilanten durchschaut, um die endgültige Ausplünderung Thailands doch noch zu verhindern. Dem Land und den Menschen sei's gegönnt, wenn dieser Spuk ein Ende hätte.
Dass die sehr bekannte und beliebte Prinzessin, die auch rechtmäßige Königin sein könnte, sich entgegen der Tradition und der Familie dazu entschließt, einen Teil ihrer Privilegien aufzugeben und sich in die Niederungen der Tagespolitik zu begeben, um Jahre nach dem Militärputsch bei der ersten Wahl gegen die Militärs anzutreten - nur um als Marionette des durchs Militär gestürzten Ex-Premierministers zu fungieren, das ist schon eine ziemlich absurde Unterstellung. Denn dafür gibt es schlicht keinen einzigen Grund, warum sie das tun sollte. Wahrscheinlicher scheint, dass die lange Zeit in den USA unter normalen Verhältnissen lebende Prinzessin sich um die Demokratie im Land sorgt und auch die arme Bevölkerung im Blick hat und sich daher einer Partei angeschlossen hat, die sehr viel für die Armen getan hat. Das gilt unabhängig von der Bewertung der Person Thaksin Shinawatra. Dass Sie hier Werbung für die Militärdiktatur machen ("das ist auch gut so"), finde ich dann doch etwas befremdlich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.