Thailand vor der Wahl Machtkampf zwischen "Marionette" und "Klon"

Spitzeleien, Einschüchterung, Morde - der Wahlkampf in Thailand ist brutal wie nie zuvor. Am Sonntag soll das Volk entscheiden, wer in Zukunft das Land regiert: die mächtige Thaksin-Sippe oder der aktuelle Premier, der als Gefolgsmann des Militärs gilt. Viele fürchten den Putsch der Armee.

REUTERS

Von Freddy Surachai, Bangkok


Yingluck Shinawatras Wahlkampftour durch Thailands Provinzen gleicht zeitweise einem Siegeszug. Wo auch immer sie auftritt: Sie wird bejubelt, bewundert, beglückwünscht. Und sie wirft alles in die Schlacht, was sie hat, um nach der Wahl am kommenden Sonntag das "Land des Lächelns" als erste Frau regieren zu können - und ihren Familienclan der Shinawatras zurück an die Schalthebel der Macht zu bringen.

Fast die ganze, bisher sorgsam vor der Öffentlichkeit abgeschirmte Familie hat sie eingespannt: Ihre Schwester Yaowapa, ihren Neffen Panthongtae und vor allem ihren Sohn Supasek. Unermüdlich verteilt der Neunjährige, der eine teure Privatschule besucht und zu Hause einen eigenen Fußballplatz hat, bei den Wahlkampfauftritten seiner Mutter Flyer, lässt sich mit ihren Fans fotografieren, reckt die Finger zum Victory-Zeichen in die Höhe und ruft: "Bitte wählt Liste Eins, wählt meine Mutter. Sie wird alles für unser Volk und unser Land tun."

Meinungsumfragen sagen Yingluck einen sicheren Sieg voraus. Das Institut "Bangkok Poll" ermittelte zehn Tage vor der Wahl einen Stimmenanteil von 37,9 Prozent für ihre Puea-Thai-Partei. Ihr Gegner, Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva, landete mit seiner Demokratischen Partei abgeschlagen bei 22,2 Prozent. Laut einer Umfrage von "Suan Dusit Poll" wird Yingluck mit 51,55 Prozent sogar die absolute Mehrheit erringen. Die Universität Bangkok veröffentlichte eine Woche vor der Wahl eine Umfrage, nach der 47 Prozent der Befragten Yingluck künftig an der Spitze der Regierung sehen wollen - und nur 28 Prozent Abhisit.

Doch Abhisits Demokraten kämpfen. Am Donnerstag vergangener Woche starteten sie bei ihrer letzten großen Wahlkundgebung in Bangkok die Aufholjagd - ausgerechnet vor dem Einkaufszentrum Central World auf der Ratchaprasong-Kreuzung. Dort ließen bei den Frühjahrsunruhen 2010 über 90 Menschen ihr Leben, auf Befehl der Abhisit-Regierung und des Militärs. Selbst die Gelbhemden empfanden den Versammlungsort als Provokation. Doch Abhisit und seine Partei ließen sich trotz aller Warnungen nicht davon abbringen, an diesen emotionsgeladenen Ort unter dem Schutz von mehr als 700 Polizisten eine Schlammschlacht gegen Yingluck und ihre Partei zu eröffnen.

Videoclips zeigten auf einer Großleinwand Rothemden, die bei den Unruhen des vergangenen Jahres die Menge aufriefen, Bangkok in Brand zu setzen. Innenminister Suthep warnte, dass auf der Liste der Puea-Thai-Partei, auf der auch führende Rothemden kandidieren, "Terroristen" ins Parlament einziehen würden. Und Premier Abhisit rief die Bevölkerung auf, das Land vom "Thaksin-Gift" zu befreien. Damit zielte er zwar in erster Linie auf Yingluck, gemeint war aber gleichzeitig ihr Bruder Thaksin Shinawatra.

Für viele Thais ist Thaksin Shinawatra ein Heilsbringer

Ex-Premier Thaksin ist der Mann im Hintergrund, der die Kampagne steuert. Seine Schwester Yingluck bezeichnet er als seinen "Klon". Der 62-jährige Milliardär ist 2006 durch einen Militärputsch entmachtet worden. Nach Anklagen wegen Korruption und Machtmissbrauch floh er aus Thailand und lebt inzwischen im Exil in Dubai. Für den inzwischen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilten Thaksin wäre ein Wahlsieg seiner 18 Jahre jüngeren Schwester die wahrscheinlich letzte Chance, in seine Heimat zurückzukehren, ohne sofort ins Gefängnis zu wandern. Eine Amnestie wird für den Fall des Wahlsiegs bereits vorbereitet.

Für viele Thais ist Thaksin ein Heilsbringer. Seine Popularität vor allem bei der ärmeren Bevölkerung ist ein Pfund, mit dem Yingluck im Wahlkampf auch kräftig wuchert. Doch er spaltet die Nation. Für die konservativen Militärs um Armeechef Prayuth ist er die absolute Hassfigur. Er soll auch der Drahtzieher bei den gewalttätigen Unruhen im vergangenen Jahr gewesen sein und trägt durch diese Polarisierung sicherlich zur ungewöhnlichen Härte dieses Wahlkampfes bei.

Polizeigeneral Supisarn sagt, es sei die gewalttätigste Wahlschlacht in Thailands Geschichte, in der Mord und Totschlag schon immer zum Wahlkampfalltag gehört hatten. Die Zeitungen berichten akribisch über jeden neuen Mordanschlag auf Kandidaten und ihre Unterstützer. Erst an diesem Montag wurde ein Wahlwerber der Bhumjaithai-Partei in der Provinz Ratchaburi auf offener Strasse erschossen, als er von Tür zu Tür ging, um für seine Partei Reklame zu machen. "Die Zahl der Wahlkandidaten, die aus Angst um ihr Leben um Polizeischutz bitten, steigt täglich", sagt Supisarn. Über 1000 Polizisten sind bereits zum Schutz gefährdeter Politiker abgestellt worden. 480 Beamte suchen nach Profikillern, deren Namen die Polizei bereits vor Wochen veröffentlicht hat. Am Wahltag sollen 35.000 Polizisten an den 557 Wahllokalen für Ruhe und Ordnung sorgen.

Doch auf faire Wahlen hoffen die wenigsten Thais. 57 Prozent der Befragten erklärten bei einer Umfrage der Universität von Bangkok, sie hätten kein Vertrauen in die staatliche Wahlkommission. Das "People's Network for Election" klagt, durch Schlampereien der Kommission hätten über 500.000 Wahlberechtigte ihr Stimmrecht verloren. Dem Rothemden-Funktionär Jatuporn, der auf Platz acht der Puea-Thai-Liste kandidiert, kündigte Wahlkommissar Sodsri schon mal an, dass er auch bei einem Wahlsieg nicht ins Parlament einziehen könne, weil er im Gefängnis sitze und ihm die Stimmabgabe am Sonntag von einem Gericht untersagt worden sei. Wer nicht wählen dürfe, könne auch nicht als Parlamentsmitglied vereidigt werden.

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navy, 03.07.2011
1. Thailand
Thailand, war schon vor 20 Jahren, ein rein kriminelles und korruptes Konstrukt, wo das Militär den Drogen Handel u.a. betrieb, das König Haus, eine rein kriminelle Kaste aus Korruption, welche alle Gesetze selber ignorierte, wie deren Günstlinge. Thailand ist schon lange Sturm reif für eine Revolution,was nur von der NATO Propaganda vertuscht wird.
zabadac 03.07.2011
2. zu einfach
Zitat von navyThailand, war schon vor 20 Jahren, ein rein kriminelles und korruptes Konstrukt, wo das Militär den Drogen Handel u.a. betrieb, das König Haus, eine rein kriminelle Kaste aus Korruption, welche alle Gesetze selber ignorierte, wie deren Günstlinge. Thailand ist schon lange Sturm reif für eine Revolution,was nur von der NATO Propaganda vertuscht wird.
nicht "das königshaus" sondern die eine hälfte wäre richtig. der könig und vor allem seine tochter sind immer noch ein segen, aber leider kaltgestellt durch königin und ihren sohn. beides sind mistbienen. der sohn ist allerdings HIV positiv und muß sich 3-4 mal im jahr in München behandeln lassen, wird also hoffentlich nicht die nachfolge antreten, denn das wäre dann das ende der dynastie und dann wird Thailand richtig spannend das dumme bei der revolution ist nur das ALLE politiker, ALLE hohen militärs, ALLE hohen polizeiführer korrupt sind. wer sollte also eine revolution anführen?
sloeffert 03.07.2011
3. Unterschied?
Zitat von zabadacnicht "das königshaus" sondern die eine hälfte wäre richtig. der könig und vor allem seine tochter sind immer noch ein segen, aber leider kaltgestellt durch königin und ihren sohn. beides sind mistbienen. der sohn ist allerdings HIV positiv und muß sich 3-4 mal im jahr in München behandeln lassen, wird also hoffentlich nicht die nachfolge antreten, denn das wäre dann das ende der dynastie und dann wird Thailand richtig spannend das dumme bei der revolution ist nur das ALLE politiker, ALLE hohen militärs, ALLE hohen polizeiführer korrupt sind. wer sollte also eine revolution anführen?
Ich kann Ihnen da, aufgrund eigener Beobachtungen und Erfahrungen, nur voll zustimmen. Der einzige Unterschied zwischen ROT und GELB ist der, dass die Roten etwas cleverer sind und den Armen wenigsten ein paar Reiskörner abgeben.
infopanter 03.07.2011
4.
Zitat von zabadacnicht "das königshaus" sondern die eine hälfte wäre richtig. der könig und vor allem seine tochter sind immer noch ein segen, aber leider kaltgestellt durch königin und ihren sohn. beides sind mistbienen. der sohn ist allerdings HIV positiv und muß sich 3-4 mal im jahr in München behandeln lassen, wird also hoffentlich nicht die nachfolge antreten, denn das wäre dann das ende der dynastie und dann wird Thailand richtig spannend das dumme bei der revolution ist nur das ALLE politiker, ALLE hohen militärs, ALLE hohen polizeiführer korrupt sind. wer sollte also eine revolution anführen?
habe in siam gelebt, war thaiboxprofi und polizeiausbilder. die korruption dient in asien vieleicht dem einzelnen und gehört dort zum sozialsystem der beamten. ein polizist läßt sich dort schon mal benzingeld geben. ein segen auch, wenn man das geld hat und sich aus schwierigkeiten herauskaufen kann. in europa dagegen sind die behörden dem wertschöpfungssystem verfallen. konzerne und deren lobbys und nicht mehr der bürger bestimmen die politik. das resultat ist politik gegen bürger. der SPIEGEL berichtet gut und zeigt, das selbst wenn man einen balken im auge hat, immer noch den balken im auge des anderen sieht. lang lebe der könig!
zabadac 03.07.2011
5. der kleine mann
Zitat von infopanterhabe in siam gelebt, war thaiboxprofi und polizeiausbilder. die korruption dient in asien vieleicht dem einzelnen und gehört dort zum sozialsystem der beamten. ein polizist läßt sich dort schon mal benzingeld geben. ein segen auch, wenn man das geld hat und sich aus schwierigkeiten herauskaufen kann. in europa dagegen sind die behörden dem wertschöpfungssystem verfallen. konzerne und deren lobbys und nicht mehr der bürger bestimmen die politik. das resultat ist politik gegen bürger. der SPIEGEL berichtet gut und zeigt, das selbst wenn man einen balken im auge hat, immer noch den balken im auge des anderen sieht. lang lebe der könig!
der kleine beamte kann nirgends in der 3. welt ohne handaufhalten überleben. habe das spiel selbst 25 jahre in der nähe von thailand mitgespielt und vieles erlecihtern können. macht das leben einfacher für den einzelnen ist aber ein desaster für eine gesellschft. bei den thai politikern geht es aber ja nicht ums überlerleben, sondern um milliarden. ohne armee gäbe es viel weniger drogenhandel und ohne polizei viel weniger prostitution. tja, wer kann da die grenzen ziehen und gut & böse definieren?
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