Thailand Wahlsieger steht unter Korruptionsverdacht

Die Partei des Milliardärs Thaksin Shinawatra, 51, hat nach inoffiziellen Angaben die Parlamentswahlen in Thailand deutlich gewonnen. Gegen den Politiker läuft wegen Korruptionsverdacht ein Ermittlungsverfahrens.


Bangkok - Das thailändische Fernsehen meldete am Sonntag, nach inoffiziellen Ergebnissen habe Thaksins Partei TRT (Thais lieben Thais) 257 der 500 Parlamentssitze errungen und damit die absolute Mehrheit erreicht. Als zweitstärkste Partei könnten die Demokraten des amtierenden Regierungschefs Chuan Leekpai mit 127 Sitzen rechnen. Nach der Wahl vom Samstag wurden am Sonntag in mehreren Bezirken noch Stimmen ausgezählt.

Wahlsieger Thaksin Shinawatra steht unter Korruptionsverdacht
DPA

Wahlsieger Thaksin Shinawatra steht unter Korruptionsverdacht

Erstmals hat eine neue Wahlkommission die Befugnis, Kandidaten wegen Stimmenkaufs zu disqualifizieren und Abstimmungen in betroffenen Wahlkreisen wiederholen zu lassen. Vertreter der Kommission erklärten bereits, in einigen Wahlkreisen werde die Wahl wiederholt werden müssen. Das offizielle amtliche Endergebnis werde deshalb wohl erst in einigen Wochen vorliegen.

Thaksin sagte, es werde wohl zwei Monate dauern, bis seine Regierung stehe. Zunächst müssten die Ergebnisse der Wahlwiederholungen abgewartet und möglicherweise Koalitionsgespräche mit anderen Parteien aufgenommen werden. Ob Thaksin überhaupt Regierungschef wird oder im Falle einer Wahl sein Amt längere Zeit behalten kann, hängt jedoch vom Obersten Gericht ab.

Chuan gestand noch in der Wahlnacht seine Niederlage ein. Er respektiere den Willen des Wahlvolkes, einen Wechsel herbeizuführen, sagte der langjährige Ministerpräsident vor Reportern im Süden Thailands. Kritiker werfen Chuan Fehler in der Wirtschaftspolitik vor, wodurch Thailand die Asienkrise bis heute nicht überwunden habe.

Thaksin hatte angekündigt, sich als Ministerpräsident mit ganzer Kraft für das Land einzusetzen. Die Anti-Korruptionskommission des Landes hatte Anklage gegen ihn erhoben, da er in den neunziger Jahren als Minister illegal Vermögenswerte angehäuft haben soll. Der 51-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Sollten die Obersten Richter ihn dennoch des Amtes entheben, sehen Beobachter eine Verfassungskrise auf das Land zukommen.

Die Zeitung "Bangkok Post" forderte Thaskin auf, vor einem Amtsantritt das Urteil des Obersten Gerichts abzuwarten. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage brauche das Land politische Stabilität um - besonders ausländischen Investoren - Vertrauen einzuflößen. "Wie kann ein Politiker, dessen Zukunft in der Schwebe hängt, dieses Vertrauen schaffen?", hieß es in dem Blatt.



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