Thailand Wettrüsten im Land des Lächelns

Neue Panzer, Hubschrauber, Kampfjets: Thailand rüstet auf. Im großen Stil kauft das Land weltweit Waffen auf, auch in Deutschland wurden die Strategen fündig. Kritiker wittern in der Einkaufstour ein Ablenkungsmanöver des angeschlagenen Premiers Abhisit.

REUTERS

Von Freddy Surachai, Bangkok


Jeder, der in Thailands Armee Rang und Namen hat, ist in Bangkoks nördliche Vorstadt Bang Khen gekommen, von Verteidigungsminister Prawit Wongsuwon über Armeechef Prayuth Chan-ocha bis zur hohen Generalität. Die Mannschaften sind in frisch gebügelten Uniformen in Reih und Glied angetreten. Für das in Bang Khen stationierte 11. Infanterieregiment ist dieser sonnige Märztag ein lang erwarteter Termin: Der erste von drei neuen russischen Hubschraubern wird an das thailändische Heer übergeben.

Ein Mönch im traditionellen, safranfarbenen Gewand segnet den olivgrünen Mi-17 und besprengt ihn zum Schutz vor allem Ungemach mit heiligem Wasser. Nach einem 20-minütigen Testflug sind Prawit und Prayuth begeistert. Effizient und kostengünstig sei das neue Fluggerät, schwärmen sie. Doch als der Direktor des "Army Aviation Centre", Generalmajor Phittaya, die Gunst der Stunde nutzen und bei Prayuth gleich drei weitere Hubschrauber locker machen will, bremst der Armeechef: "Testet die Neuen erst einmal sechs Monate lang," bescheidet er den Generalmajor. "Dann entscheiden wir, ob das Heer noch drei weitere kaufen darf."

Thailand, das Land des Lächelns, rüstet auf. Der internationale Rüstungsinformationsdienst "Strategic Defense Intelligence" schreibt über das Land: "Der Verteidigungsetat wird bestimmt durch verstärkte terroristische Aktivitäten, Massenproteste und innere Instabilität." Für die internationalen Waffenschmieden heißt das: "In den kommenden fünf Jahren sind bedeutende Investitionen in Ausrüstung zu erwarten, mit denen das Land maritimen Bedrohungen begegnen und Ausschreitungen kontrollieren kann." Thailand, so urteilt der renommierte Informationsdienst, liefere sich derzeit geradezu einen "Rüstungswettlauf mit seinen Nachbarländern". Nach einem vom "Asian Defence Journal" angefertigten Überblick stiegen die Verteidigungsausgaben Thailands in den vergangenen zehn Jahren von 1,63 Milliarden Dollar auf 5,6 Milliarden.

Die Einkaufsliste des Militärs ist lang

Das Heer soll noch 16 weitere Hubschrauber des US-Herstellers Enstrom sowie 200 ukrainische Panzer des Typs "Oplot" bekommen. 96 Schützenpanzer sind in der Ukraine bereits bestellt. Dagegen nehmen sich die 1500 Maschinengewehre beinahe bescheiden aus, die die Schlagkraft der thailändischen Truppe verstärken sollen.

Auch die Luftwaffe geht nicht leer aus: Die 18 in die Jahre gekommenen amerikanischen F-16 Kampfflugzeuge sollen modernisiert werden. Die US-Regierung ließ vorsorglich ankündigen, dass der 700-Millionen-Dollar-Deal das Rüstungsgleichgewicht in der Region nicht durcheinander bringen werde. Drei hochmoderne neue schwedische Gripen-Jets fliegen bereits seit Anfang März in der königlichen Luftwaffe, drei weitere sowie zwei Saab-Frühwarnflugzeuge sind bestellt.

Nur die Marine ging bisher leer aus. Die bisher spektakulärste Neuanschaffung der königlich-thailändischen Seestreitkräfte war der Flugzeugträger "Chakri Naruebet", der 1997 in Dienst gestellt und seitdem meist in seinem Heimathafen Sattahip vor sich hin dümpelt. Weil er speziell der königlichen Familie vorbehaltene Gemächer an Bord hat, wird er in thailändischen Medien gerne als "überdimensionierte Königs-Yacht" verspottet. Doch bei Naturkatastrophen kommt die "Chakri Naruebet" hin und wieder zum Einsatz. So evakuierte der Flugzeugträger zuletzt Opfer der heftigen Überschwemmungen in Thailands Süden, darunter auch zahlreiche Touristen.

257 Millionen Dollar für sechs ausgemusterte U-Boote aus Deutschland

Nun soll auch die Marine zu ihrem Recht kommen: Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva stimmte Zeitungsberichten zufolge dem Ankauf von sechs ausgemusterten deutschen U-Booten zu. Über 30 Jahre haben die Boote der Klasse U-206 in der Bundesmarine ihren Dienst getan. Nun sollen sie nach einer technischen Überholung Thailands Seestreitmacht zu neuem Glanz verhelfen. Marine-Kommandeur Kamthorn Pumhiran erklärte stolz, sein Land werde dank der U-Boote zu einer der führenden Seefahrernationen in der Region, auf Augenhöhe mit den Nachbarländern, die sich bereits eine Unterwasser-Flotte zugelegt haben: Indonesien, Singapur, Malaysia und Vietnam. Vize-Premier Suthep Thaugsuban begründete das 257 Millionen Dollar teure Geschäft schwammig mit dem Hinweis, von diesem Staaten könne möglicherweise eine Gefahr für Thailands Sicherheit ausgehen.

Für die thailändische Marine würde sich ein Jahrzehnte alter Traum erfüllen: Vor 60 Jahren verhandelte das damalige Königreich Siam mit Japan zum ersten Mal über die Anschaffung von U-Booten. Doch die Pläne hätten sich ebenso zerschlagen wie die Hoffnungen, das begehrte Kriegsgerät in Israel beschaffen zu können, so Admiral Kamthorn. Zuletzt wurde 1995 der Ankauf schwedischer Kockum-U-Boote sondiert. Vergeblich. Natürlich wären der Marine neue Schiffe lieber gewesen als die alten deutschen U-Boote, gibt Kamthorn zu. Die wären allerdings zu teuer gewesen. Angesichts der Geldknappheit im Staatshaushalt sei die Marine auch mit den sechs ausgemusterten deutschen U-206 zufrieden, auch wenn sie wahrscheinlich nur noch sechs bis sieben Jahre einsatzfähig seien. Noch vor Ende April solle der Ankauf durchgepeitscht werden, rechtzeitig vor der für Anfang Mai erwarteten Auflösung des Parlaments, kündigte der Admiral nach einem Bericht der "Bangkok Post" an.

Der Grund für die Eile ist offenkundig: In dem von immer neuen Putsch-Gerüchten verunsicherten Land will Ministerpräsident Abhisit das Militär auf seine Seite bringen. Der kritische Politikwissenschaftler Surachart von der Chulalongkorn Universität sagt denn auch offen: "Ich bin überzeugt, dass das ein populistischer Schachzug der Regierung ist, um sich die Stimmen der Militärs zu sichern."

Das Medien-Echo über den geplanten U-Boot-Deal ist verheerend. Der Leitartikler der "Bangkok Post" fragt süffisant, ob die Regierung die Millionen nicht besser zur Deckung des Haushaltsdefizits, zur Unterstützung der Bauern, zur Bekämpfung der Armut, zum Ausbau alternativer Energien oder zur Deckung der Kosten der populistischen Ausgaben verwenden sollte, mit denen Abhisit und seine Demokratische Partei auf Stimmenfang für die geplante Neuwahl gehen. Es sei nämlich schwierig, wenn nicht gar unmöglich, sich ein Szenario vorzustellen, bei dem die Schiffe dem Nutzen des Landes dienen könnten. "Selbst die einfallsreichsten Einsatzplaner werden sich schwer tun, eine Situation zu beschreiben, in der eine U-Boot-Flotte die Nation retten könnte," höhnt der Leitartikler. Die Regierung solle lieber das Sehrohr ausfahren und um sich blicken, rät er Abhisit und seinem Kabinett und befindet: "Das ist ein Deal, ohne den unser Land und unsere Marine gut leben kann."

Doch nach Heer und Luftwaffe soll eben auch Thailands Marine nun ihr Spielzeug bekommen - und Verteidigungsminister Prawit bügelt alle Einwände kurz und bündig mit dem Totschlagargument ab: "Wir brauchen die U-Boote zur Verteidigung unseres Landes."



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 06.04.2011
1. hmpf
Zitat von sysopNeue Panzer, Hubschrauber, Kampfjets: Thailand rüstet auf.*Im großen Stil kauft das Land weltweit Waffen auf, auch in Deutschland wurden die Strategen fündig. Kritiker wittern in*der*Einkaufstour*ein Ablenkungsmanöver*des angeschlagenen*Premiers Abhisit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754290,00.html
ja gibts sowas? Dann können die ja mal was vernünftiges tun und Burma befreien. Ich denke mal Laos, Kambodscha und Malaysia sind keine wirkliche Bedrohung für good old Siam, obwohl, Kambodscha... Nee, Burma befreien geht mal garnicht, sonst gibts Ärger mit der Schutzmacht aller Verbrecherregimes in der Gegend dort, Sie wissen schon welche Macht ich meine...
Hypocrist 06.04.2011
2. Thai Smile
Keine guten Nachrichten! Bei all den innenpolitischen Problemen hinterlässt diese Stärkung der Militärs ein ungutes Gefühl. Dabei gibt es genügend Bereiche, in denen das Geld dringend gebraucht würde, z.B. in eine Renten- und Krankenversicherung für alle Thais oder in den Natur- bzw. Umweltschutz (diese Notwendigkeit haben die jüngsten Überschwemmungen auf Koh Samui deutlich gemacht). Dazu kommt, dass der Konflikt mit den Rothemden nicht gelöst ist und in der letzten Zeit gab es Meldungen, dass auch die Gelbhemden zunehmend enttäuscht von Premier Abhisit sind. Sollte nun auch noch der seit langem gesundheitlich angeschlagene König Bhumibol sterben, befürchte ich schlimme Zustände. Dann wird das aktuell hochgerüstete Militär eine Schlüsselrolle spielen.
fxe1200 06.04.2011
3. Eier per Kilo
Es geht in Thailand nur um die Macht. Die Regierung in Thailand ist ein Selbstbedienungsladen. Politisch passiert hier überhaupt nichts, bis auf die Tatsache, daß sich die Parteien ständig irgendwelche Scharmützel vor den Gerichten leisten, und das jetz U-Boote von Deutschland gekauft werden sollen, die hier bei uns bereits ausgemustert und zum Teil schon verschrottet wurden. Es ist unfassbar. Da war noch etwas: Die Regierung hat vor kurzem ein Pilotprojekt an den Start gebracht: Für zwei Wochen wurden auf ausgewählten Märkten in Bangkok Eier nicht per Stück, sondern kiloweise verkauft. Das ist kein verspäteter Aprilscherz.
j.schiffmann 06.04.2011
4. ...
Zitat von sysopNeue Panzer, Hubschrauber, Kampfjets: Thailand rüstet auf.*Im großen Stil kauft das Land weltweit Waffen auf, auch in Deutschland wurden die Strategen fündig. Kritiker wittern in*der*Einkaufstour*ein Ablenkungsmanöver*des angeschlagenen*Premiers Abhisit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754290,00.html
Enstrom? Da mußte ich erst nachschauen was das denn sein soll. Ergebnis: Das sind Leichtgewichts-Hubschrauber eines sehr kleinen Herstellers. Eignen sich nur als Verbindungs und Beobachtungshubschauer oder zur Pilotenausbildung. Groß erschrecken kann man damit niemanden. Die T-84 Oplot sollen den leichten Kampfpanzer M41 Walker Bulldog ersetzen, der erstmals im Korea-Krieg eingesetzt wurde, also eine 60 Jahre alte Konstruktion. Da sprechen auch wirtschaftliche Gründe sich was neues anzuschaffen...
skagensbanen 06.04.2011
5. mann kann sich wundern,
aber es macht schon Sinn, denn das Militar in Thailand hat ja oft das (zweit) letzte Sagen wenn's um Probleme loesen geht. Nur dass sie sich jetzt alte, zumteil Schrottlaubige deutsche Uboote gekooft haben sollen, das ist mal laecherlich. Vielleicht koennen sie die Boote als Touristen Attraktion wieder an den Deutschen verkaufen? Ja, in Thailand, da warten so einige auf das mal endlich ein frischer Wind weht.
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