Thailand Wütende Demonstranten stürmen Sendestation

Die Rothemden in Thailand trotzen weiter der Regierung: Sie besetzten kurzfristig die Zentrale eines oppositionellen Fernsehkanals - der zuvor abgeschaltet worden war. Die Sicherheitskräfte schossen mit Tränengas und setzten Wasserwerfer ein. Weitere 30.000 Polizisten wurden mobilisiert.

REUTERS

Bangkok - Die Rothemden wollen nicht nachgeben: Erneut zogen in Thailand Tausende Demonstranten durch die Straßen Bangkoks und protestierten gegen die Regierung. Aus Protest gegen die Schließung eines privaten Fernsehkanals stürmten sie die Zentrale eines Fernsehsenders. Die Behörden hatten den Ausnahmezustand genutzt, um die Ausstrahlung des Programms des "Volkskanals" zu untersagen. Außerdem waren mehr als 30 Websites abgeschaltet worden, die über die Proteste berichteten.

Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva erklärte am Donnerstagabend zur Begründung der Zensur, die der Opposition nahestehenden Medien hätten falsche Informationen verbreitet und damit Hass geschürt. "Was die Regierung will, ist Frieden und Fröhlichkeit", sagte Abhisit im staatlichen Fernsehen.

Erstmals seit Beginn der Proteste gegen die thailändische Regierung vor Wochen setzten die Sicherheitskräfte am Freitag Tränengas ein. Auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz, um die Oppositionsanhänger zu vertreiben. Die Armee hatte gewarnt, sie werde auch Gummigeschosse verwenden, um die verhängten Notstandbestimmungen durchzusetzen.

Die Regierung hat gut 33.000 zusätzliche Sicherheitskräfte mobilisiert. Insgesamt würden weitere 2080 Soldaten und 31.200 Polizisten in und um die Hauptstadt Bangkok verlegt, teilte die Armee am Freitag mit. Damit waren mehr als 80.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um die Demonstrationen zu überwachen.

Haftbefehle gegen Oppositionsführer

Die thailändischen Behörden erließen nach eigenen Angaben seit Donnerstagabend 24 Haftbefehle gegen Anführer der Opposition. Ihnen werde die Verletzung des Ausnahmezustands vorgeworfen. Der Oppositionspolitiker Nattawut Saikua reagierte darauf am Donnerstag mit dem Aufruf zu einer "unvergesslichen" Protestaktion. "Lasst uns morgen Geschichte schreiben", sagte er vor mehr als 10.000 Anhängern.

Die Regierungsgegner demonstrieren seit Wochen für Neuwahlen, seit einer Woche halten sie das Geschäftszentrum von Bangkok besetzt. Wegen ihrer roten Kleidung werden die Demonstranten auch Rothemden genannt. Sie fordern den Rücktritt des Ministerpräsidenten, dem sie vorwerfen, nur für die Eliten zu regieren. Die Rothemden sind zumeist Anhänger des 2006 gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra und stammen aus den ländlichen, ärmlichen Gegenden im Norden Thailands.

kgp/apn/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 1447 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
oberhesse 07.04.2010
1. Tragisch
Oberschicht gegen Unterschicht, Thaksin-treue Landbevölkerung gegen die besitzende Klasse der Städte. Und ein politisch gelähmtes Land weil der einzige, der bei allen Seiten Respekt und Anerkennung genießt, der greise König alt, krank und schwach ist und offensichtlich nicht mehr fähig, einzugreifen. Eine allseits akzeptierte Nachfolge ist nicht in Sicht, der Thronfolger wird in der Bevölkerungsmehrheit ob seines Lebenswandels abgelehnt, hinzu kommen Gerüchte über Aids und/oder Drogenabhängigkeit; Die Tochter, allseits beliebt und akzeptiert darf aus rechtlichen Gründen die Thronfolge nicht antreten. Nicht zu vergessen, dass es nach herrschender Volksmeinung keinen Rama X geben kann - die Dynastie endet bei IX. Daher wird Thailand wohl auf Dauer ein Unruheherd bleiben, es sei denn es wandelt sich in eine "parlamentarische Diktatur" - sprich es gibt ein Parlament, eine Regierung eine Opposition, das letzte Wort hat jedoch das Militär. Was also bleibt letztlich für Thailand? Möglicherweise die Erkenntnis, dass es ebensowenig wie andere Staaten für eine Demokratie westlicher Prägung geeignet ist.
Asiat 07.04.2010
2. Nicht so dramatisch!
Wer an Thailand interessiert ist und nicht vor Ort ist, sollte immer mal in www.nationnmultimedia.com und auch www.bangkokpost.com reinsehen. Bei der Nation ist Tulsathit Taptim ein sehr genauer Beobachter. Bei der Bangkok Post kann kommentiert werden.
Johann43, 07.04.2010
3. Einseitig!
Zitat von AsiatWer an Thailand interessiert ist und nicht vor Ort ist, sollte immer mal in www.nationnmultimedia.com und auch www.bangkokpost.com reinsehen. Bei der Nation ist Tulsathit Taptim ein sehr genauer Beobachter. Bei der Bangkok Post kann kommentiert werden.
Einen schlechteren Tipp kann man wohl nicht geben, denn eine neutrale Berichterstattung ist von diesen Medien sicher nicht zu bekommen, da sie ganz klar, um es vorsichtig auszudrücken, regierungsfreundlich sind. Das wäre ebenso, wenn man den Sender der "Roten" oder "ASTV" angeben würde. Wirklich neutrale Quellen in Thailand gibt es zur Zeit nur sehr wenige, vielleicht der ein oder andere Blogger. Gruß Johann Schumacher
mcleinn 07.04.2010
4. Falsche Spur
>Was also bleibt letztlich für Thailand? Möglicherweise die >Erkenntnis, dass es ebensowenig wie andere Staaten für eine >Demokratie westlicher Prägung geeignet ist. Westlich oder östliche (gelenkte?) Demokratie - das führt auf die falsche Spur. Thailand litt in den letzten Jahren nicht an "westlicher" Demokratie, sondern vor allem an Demokratie*defiziten*, ob nun Korruption unter Thaksin oder zweifelhafte Legitimation der letzten nach-Putsch-Regierung. Die Erkenntnis kann nur im Dialog und friedlichem Interessensausgleich zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten liegen, ohne Vorbedingungen und Machtspiele. Ein Prozess, wie in viele Länder in der Vergangenheit durchmachen mussten, unabhängig von ihrer Lage auf dem Globus. Hoffen wir, dass sich auch in Thailand der Pragmatismus durchsetzt.
24moskito 07.04.2010
5. kein Ende absehbar
Zitat von AsiatWer an Thailand interessiert ist und nicht vor Ort ist, sollte immer mal in www.nationnmultimedia.com und auch www.bangkokpost.com reinsehen. Bei der Nation ist Tulsathit Taptim ein sehr genauer Beobachter. Bei der Bangkok Post kann kommentiert werden.
wobei man nicht vergessen sollte zu erwähnen das die NATION der deutschen BLÖD Zeitung schon sehr ähnlich kommt. Es wird oft vergessen das Thailand keine Demokratie ist, der derzeitige Premier wurde auch nicht vom Volk gewählt, sondern von der Militärregierung die durch einen Putsch an die Macht kam während der vom Volk gewählte ehemalige Premier Thaksin im Ausland war. Leider hat Mr. Thaksin es wohl etwas übertrieben, d.h. sich zu offensichtlich die Taschen gefüllt und ist in kurzer Zeit zu einem der reichsten Männer der Welt aufgestiegen. Bei einem Strafverfahren in Abwesenheit wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und ist sozusagen auf der Flucht im Ausland. Vor einem Monat wurde zudem noch ein grosser Teil seines Milliardenvermögens beschlagnahmt. Wie auch immer, Thailand wird auf absehbare Zeit nicht zur Ruhe kommen und im Prinzip ist es auch völlig wurst wer an der Regierung ist, die "anderen" werden immer wieder auf die Strasse gehen
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.