Vor Urteil in Korruptionsprozess Thailands Ex-Regierungschefin ist ins Ausland geflohen

Offenbar um dem Urteil im Korruptionsprozess gegen sie zu entgehen, hat sich Thailands Ex-Regierungschefin Shinawatra ins Ausland abgesetzt. Einer ihrer Minister wurde derweil zu 42 Jahren Haft verurteilt.

Anhänger der Ex-Regierungschefin Thailands, Yingluck Shinawatra, vor dem Gericht in Bangkok
DPA

Anhänger der Ex-Regierungschefin Thailands, Yingluck Shinawatra, vor dem Gericht in Bangkok


Das Urteil war in Thailand mit Spannung erwartet worden - nun ist die Angeklagte unauffindbar: Die ehemalige Regierungschefin Yingluck Shinawatra hat sich vor der Gerichtsentscheidung im Korruptionsprozess ins Ausland abgesetzt. Das bestätigte ein Vertreter ihrer Partei am Freitag. Das Gericht hatte zuvor Haftbefehl gegen die Politikerin erlassen.

Die Staatsanwaltschaft wirft Shinawatra vor, mehrere Milliarden Dollar Steuergelder verschleudert zu haben. Während ihrer Amtszeit zwischen 2011 und 2014 hatte die Regierung zur Unterstützung von Bauern im Nordosten des Landes Reis zu überhöhten Preisen angekauft. Doch die Weltmarktpreise fielen, und so blieb die Regierung auf verrottenden Reisbergen und Milliarden-Verlusten sitzen. Zudem war Thailand um seinen Status als einer der wichtigsten Reis-Exporteure gebracht.

Shinawatra drohte dafür eine Haftstrafe von zehn Jahren. Eine Milliarde Dollar aus ihrem Privatvermögen war bereits beschlagnahmt worden. Das Gericht setzte nun den 27. September als neuen Termin für die Urteilsverkündung an. Die von Yingluck vorgebrachte Entschuldigung für ihr Fernbleiben wurde vom Gericht nicht akzeptiert. Über ihren Anwalt gab sie gesundheitliche Probleme an.

Yinglucks Familie dominierte die Politik Thailands über viele Jahre. Sie hatten besonders in der armen Landbevölkerung Rückhalt. Yingluck wurde im Mai 2014 nach Massenprotesten vom Verfassungsgericht ihres Amtes enthoben. Kurz darauf kam es zu einem Putsch. Seitdem regiert das Militär in Thailand. (Mehr zu den Hintergründen erfahren Sie hier.)

Shinawatras damaliger Handelsminister Boonsong Teriyapirom wurde am Freitag ebenfalls wegen der umstrittenen Reis-Subventionen zu 42 Jahren Haft verurteilt. Zur Begründung hieß es, die Subventionen hätten dem Staat "schwere Verluste" beschert.

vks/Reuters



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