Putsch in Thailand Militär hält Ex-Regierungschefin an geheimem Ort fest

Thailands Generäle wollen nach dem Putsch jeden Widerstand im Keim ersticken. Sie halten Ex-Regierungschefin Yingluck Shinawatra gefangen - an einem unbekannten Ort.
Ex-Regierungschefin Yingluck: Aufenthaltsort unbekannt

Ex-Regierungschefin Yingluck: Aufenthaltsort unbekannt

Foto: Borja Sanchez Trillo/ Getty Images

Bangkok - Nach dem Putsch will Thailands Militär Ex-Regierungschefin Yingluck Shinawatra und andere führende Politiker erst einmal für einige Zeit aus dem Verkehr ziehen. "Sie werden bis zu einer Woche festgehalten, je nachdem, wie direkt sie in die Krise verwickelt waren", sagte Armeesprecher Winthai Suvaree am Samstag in Bangkok.

Yingluck wird nach Angaben ihrer Partei an einem unbekannten Ort vom Militär festgehalten. "Es wurde bestätigt, dass sie von der Armee festgenommen wurde, nachdem sie sich gestern der Militärführung gestellt hatte", sagte ein hochrangiges Mitglied ihrer Puea-Thai-Partei am Samstag. "Wir kennen ihren Aufenthaltsort nicht, da sie und ihre Begleiter ihre Mobiltelefone abgeben mussten."

Nach dem Militärputsch hatten die Streitkräfte am Freitag mehr als 150 führende Politiker zum Rapport bestellt und sie mit Ausreiseverboten belegt. Yingluck und ihr Nachfolger Niwattumrong Boonsongpaisan meldeten sich bei einem Militärposten in Bangkok. Seitdem wurde Yingluck in der Öffentlichkeit nicht mehr gesehen. Ihr Berater Wim Rungwattanajinda äußerte die Vermutung, Yingluck könne in ein Militärcamp außerhalb der Hauptstadt gebracht worden sein. Die Armee schwieg zu ihrem Verbleib.

Das Militär hatte am Donnerstag nach einer monatelangen Staatskrise die Regierung abgesetzt. Armeechef Prayut Chan-ocha übernahm die Leitung eines "Nationalen Friedenskomitees" und setzte die Verfassung außer Kraft. Um weitere Unruhen und Proteste zu ersticken, verhängte die Armee überdies ein nächtliches Ausgehverbot. Hintergrund des Konflikts ist ein seit fast zehn Jahren andauernder Machtkampf zwischen Anhängern des früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra - Yinglucks älterer Bruder - und der königstreuen Mittelschicht. Thaksin wird von der armen Landbevölkerung unterstützt. Aus dem Exil hat er nach wie vor großen Einfluss - zuletzt durch seine Schwester als Regierungschefin.

Nach dem Militärputsch wurden aus Thaksins Umfeld Überlegungen über die Bildung einer Exilregierung laut. "Der Militärputsch durch die thailändische Armee besitzt keine Legitimität", sagte Robert Amsterdam, ein enger Berater Thaksins am Freitagabend. "Diejenigen, denen das thailändische Volk das Mandat im Rahmen freier und fairer Wahlen erteilt hat, ziehen jetzt die Bildung einer Exilregierung in Erwägung." Zudem verurteilte er die Festnahmen durch das Militär. "Angesichts des schlechten Rufs der thailändischen Armee in Bezug auf Menschenrechte machen wir uns große Sorgen um die Verhafteten."

mik/AFP/Reuters
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