Gestopptes Attentat im Zug Thalys-Angreifer bestreitet Terrorabsicht

Er war mit einer Pistole und einer Kalaschnikow bewaffnet. Doch einen Terroranschlag habe er nicht verüben wollen, behauptet der Hauptverdächtige des Thalys-Angriffs. Er habe die Waffen gefunden - und die Passagiere überfallen wollen.

AFP /SOCIAL NETWORK

Der schwer bewaffnete Mann, der im Thalys-Schnellzug zwischen Amsterdam und Paris gestoppt werden konnte, ist nach Angaben einer Anwältin völlig "entgeistert" über den Terrorismusvorwurf gegen ihn. Der 25-jährige Ayoub K. bestreite auch, in dem Zug geschossen zu haben, sagte Sophie David dem französischen Sender BFMTV. Sie hatte den Marokkaner nach seiner Festnahme kurzzeitig beraten, sie vertritt ihn derzeit aber nicht.

Ihren Angaben zufolge versicherte K., er habe auf die Zugpassagiere "einen Überfall verüben" wollen. Er war am Freitagabend von mitreisenden US-Soldaten überwältigt worden. Er hatte eine Kalaschnikow, eine Pistole und ein Messer bei sich. Im Bahnhof von Arras in Nordfrankreich wurde er dann der Polizei übergeben.

Die Waffen habe er in einem "versteckten Koffer" in einem öffentlichen Park in der Nähe des Brüsseler Bahnhofs gefunden, sagte K. laut der Anwältin. In dem Park habe er häufig mit anderen Obdachlosen übernachtet. Er "hat also die Waffen genommen und ist in diesen Zug gestiegen, um die Reisenden zu erpressen", gab David die Aussagen wieder. Der "sehr magere" und "sehr verstörte" K. habe diesen Überfall geplant, "um sich ernähren zu können".

Im Video: Ausschnitt aus dem Interview mit der Anwältin

REUTERS/BFM TV
Nach dem Überfall wollte K. demnach eine Fensterscheibe des Zugs zerschießen und so flüchten. Als ihm gesagt wurde, dass es durch seinen Angriff zwei Verletzte gegeben habe, sei er "aus allen Wolken gefallen". Für ihn habe es keine Schüsse gegeben: Aus seiner Sicht sei er "sofort" überwältigt worden, und "die Kalaschnikow hat nicht funktioniert".

Bei dem Gespräch zwischen K. und David war ein Übersetzer anwesend, der junge Mann spreche "kein Wort Französisch".

K. war bei den Geheimdiensten mehrerer europäischer Länder als Islamist registriert. Er wird derzeit von französischen Anti-Terror-Ermittlern im Polizeigewahrsam verhört. Nachdem er bis 2014 in Spanien gewohnt hatte, soll er sich danach in Frankreich, Belgien und zeitweise auch in Deutschland aufgehalten haben.

REUTERS

aar/dpa/AFP



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Seite 1
catarinense 23.08.2015
1. Zwei Schwerverletzte, einer davon in Lebensgefahr..
Was war das für eine Falschmeldung? Man hört gar nichts mehr darüber. Nur eine leichte Schnittverletzung bei einem Soldaten, andere schreiben von einem Streifschuß einer weiteren Person. Ja was denn nun?
marcorius 23.08.2015
2. @ catarinense
Zitat von catarinenseWas war das für eine Falschmeldung? Man hört gar nichts mehr darüber. Nur eine leichte Schnittverletzung bei einem Soldaten, andere schreiben von einem Streifschuß einer weiteren Person. Ja was denn nun?
Als schwerverletzt gilt jeder, der nach einem Unfall, bzw. in diesem Fall Angriff, mindestens 24 Stunden im Krankenhaus liegt. Somit bedeutet Schwerverletzt nicht unbedingt eine wirklich schwere Verletzung.
obscuro 23.08.2015
3. Ausreden
Für einen Überfall reicht im Normalfall schon eine Pistole um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Wer ein Sturmgewehr mit 9 Magazinen, eine Pistole und ein Messer mit sich führt, der will größtmöglichen Schaden verursachen! Lasst diesen Islamisten nicht damit durchkommen!
farbraum 23.08.2015
4.
Klar, man braucht auch 9 Magazine für das Sturmgewehr, dazu noch eine Pistole und ein Messer wenn man einfach nur ein paar harmlose Mitreisende erpressen möchte. Wer glaubt denn diesen Unsinn? Steht offenbar im Terrorhandbuch, dass man so einen Quatsch den Behörden erzählen soll, als ob das etwas bringen würde.
KingTut 23.08.2015
5. Wer's glaubt wird selig
Alles Ausflüchte. Wenn der Marokkaner Ayub K. von den Behörden als Islamist bezeichnet wird, dann dürften die dafür triftige Gründe haben. Er muss sich in der Vergangenheit entsprechend verhalten haben, dass man zu dieser Erkenntnis kam. Ergo ist der Vorwurf einer terroristischen Tat plausibel. Ich bin sicher, dass man ihm das auch nachweisen wird und ihn hoffentlich nach Absitzen seiner Strafe nach Marokko zurückschickt, ohne jede Chance jemals europäischen Boden zu betreten. Das ist auch im Interesse derer, die ohne böse Absichten zu uns kommen.
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