Mutmaßlicher Thalys-Angreifer Das verlorene Jahr des Ayoub K.

Schwer bewaffnet war Ayoub K. in einen Thalys-Zug gestiegen - bestreitet nach seiner Festnahme aber Terrorpläne. Die Ermittler hatten ihn schon lange im Visier. Im vergangenen Jahr allerdings verliert sich seine Spur.

DPA/ CHRISTINA CATHLEEN COONS

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Es gibt noch immer viele Ungereimtheiten und Lücken in den Berichten von Ayoub K. Der 25-jährige Marokkaner war am Freitagabend in Brüssel mit zahlreichen Waffen in einen Thalys-Schnellzug eingestiegen, konnte dann aber überwältigt werden. Nun sitzt er in dem Pariser Vorort Levallois-Perret in Untersuchungshaft - in der Abteilung, die für die Bekämpfung von Terrorismus zuständig ist. Er selbst jedoch bestreitet jegliche terroristische Absichten.

Was die Ermittler besonders beschäftigt: Über die vergangenen eineinhalb Jahre im Leben von Ayoub K. ist kaum etwas bekannt. Dabei war er den spanischen Behörden schon Ende 2012 als "möglicherweise gefährlich" aufgefallen: Er hatte zum Dschihad aufgerufen und einschlägig bekannte Moscheen besucht. Als 18-Jähriger war er von Marokko nach Spanien gezogen. Dort hatte Ayoub K. als Maler und Austräger von Werbezeitschriften gearbeitet. Nebenher verkaufte er Drogen. Dreimal wurde er erwischt, einmal festgenommen.

Im Februar 2014 verliert sich Ayoub K.s Spur vorübergehend: Er wolle von Spanien nach Frankreich ziehen, warnten die spanischen Sicherheitsdienste ihre französischen Kollegen. Paris legte daraufhin im Juli 2014 ein "Profil S" für ihn an, "S" für "Sûreté de l'Etat" - sie stuften ihn also als eine Bedrohung für die Sicherheit des Staates ein. Ayoub K. wurde in eine sogenannte stille Beobachtungsliste eingetragen.

Die stillen Beobachtungslisten sind umstritten

Der Nutzen solcher Listen steht seit einiger Zeit zur Diskussion. Das Merkmal "S" sieht nur vor, dass europäische Länder, durch die die Verdächtigen reisen, eine Meldung an die Behörden in Frankreich senden, die Person aber weder festsetzen noch befragen.

Deutsche Fahnder erinnern an den Fall des Syrien-Rückkehrers Mehdi Nemmouche, der im Mai 2014 im Jüdischen Museum in Brüssel vier Menschen tötete. Auch Nemmouche, ebenfalls aus Frankreich, war aufgrund der Terror-Liste Monate zuvor auf der Rückreise von Asien am Frankfurter Flughafen aufgefallen. Passiert war nichts.

Derzeit führt Frankreich 5000 Menschen auf dieser Liste. Chérif Kouachi, einer der Attentäter auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo", stand ebenfalls darauf.

Erst am 10. Mai 2015, also rund 15 Monate später, gibt es wieder eine Spur von Ayoub K.: Deutsche Grenzbeamte speichern am Flughafen in Berlin seine Daten und schicken eine Meldung an Paris. Mehr können sie nicht tun. Ayoub K. nimmt den Flieger von Berlin nach Istanbul.

Warum machte Ayoub K. auf seinem Weg in die Türkei in Deutschland Station? Bisher gehen die deutschen Sicherheitsbehörden davon aus, dass er lediglich auf der Durchreise war und in der Bundesrepublik keine Kontakte unterhielt oder gar von hier lebenden Radikalen unterstützt worden ist. Gleichwohl prüfen die Fahnder noch einmal alle Möglichkeiten.

Im vergangenen halben Jahr will er durch Europa gereist sein

Die nächste Frage: Reiste Ayoub K. von Istanbul weiter nach Syrien? Spaniens Sicherheitsdienste gehen davon aus, dass er sich bereits zehn Tage später wieder in Belgien aufhielt. Für eine Reise zum "Islamischen Staat" erscheint dies knapp, zumal es schwierig ist, die Gebiete unter Kontrolle der Dschihadisten wieder zu verlassen. Ayoub K. bestreitet eine Reise nach Syrien. Er leugnet allerdings auch, jemals in der Türkei gewesen zu sein.

Spaniens Geheimdienste vermuten ohnehin, dass er bereits 2014 von Frankreich aus nach Syrien reiste. Die französischen Geheimdienste können dies allerdings nicht bestätigen. Über mögliche Kontakte von Ayoub K. zur lokalen radikalislamistischen Szene in Belgien ist bisher ebenfalls nichts bekannt. Der Verdächtige spricht kein Französisch, nur Arabisch und Spanisch.

Die französische Anwältin Sophie David hat Ayoub K. mithilfe eines Dolmetschers über zweieinhalb Stunden befragt und vorübergehend rechtlich beraten. Sie stellt ihn als bewaffneten Räuber dar, der die Zugpassagiere bestehlen wollte. Er sei "wenig gebildet", aber "kein Analphabet", "verloren" - "jemand, der nicht ausreichend zu essen hat". Den Kontakt zu seinen Eltern und vier Geschwistern hat er vor einem Jahr abgebrochen. Dies bestätigte sein Vater.

Anwältin David berichtete weiter, Ayoub K. habe ihr erzählt, er sei in den vergangenen sechs Monaten zwischen Spanien, Belgien, Deutschland und Österreich herumgereist und habe sich auch kurzzeitig in Frankreich und Andorra aufgehalten. Ayoub K. besitzt eine gültige Aufenthaltserlaubnis für die europäische Schengenzone. Warum er durch diese Länder reiste und was er dort tat, habe er jedoch nicht verraten.

insgesamt 95 Beiträge
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oldhenry49 24.08.2015
1. Er wollte
doch nur die Fahrgäste ausrauben,weil er Hunger hatte. Vielleicht hätte er dann einfach Gewehr,Pistole und 9 volle Magazine verkaufen sollen.Das hätte gereicht für ein Couscous.
DJ Bob 24.08.2015
2. ich seh schon kommen
Das dieser Typ als irregeleitete armer eigentlich ein Opfter ist...Wie dem auch sein...wenn ich im Zug sitze und höre das charakteristisches durchladen eines AK 47 (ich kenne es) dann ist es mir ehrlich scheissegal was für ein Vergangenheit er hat...entweder laufe ich davon oder machs wie die 3 ...Das kann man erst sagen wenn man in so ein Situation ist
multi_io 24.08.2015
3.
"Warum er durch diese Länder reiste und was er dort tat, habe er jedoch nicht verraten." Das ist halt das, was Leute, die in einem reichen westlichen Land nicht genug zu essen haben, so tun: Sie bereisen die Welt. Auf der Suche nach Nahrung. Oder um sich mit der großartigen Aussicht aus dem Flugzeug von ihrem Hunger abzulenken.
ein rentner 24.08.2015
4. Nette Reisetätigkeit
Wenn ich so in Europa herumreisen würde, hätte ich bald kein Geld für mein Essen.
Brave 24.08.2015
5. fragt sich wie viele
Ayoubs hier noch rumlaufen und mit einer Kalaschnikow bewaffnet demnächst durch die Züge laufen. Es wird einem schlecht bei dem Gedanken.
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