Thatchers Krieg Als das Imperium zurückschlug

Vor 20 Jahren begann der Falkland-Krieg, der große Triumphzug der "Eisernen Lady" Margaret Thatcher. "Freuen Sie sich doch einfach", rief sie Journalisten nach der Siegesnachricht zu. Doch der 72 Tage dauernde Krieg rief auch Kritiker auf den Plan.


Die Falkland-Inseln vor 20 Jahren: Nach 72 Tagen wieder in britischer Hand
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Die Falkland-Inseln vor 20 Jahren: Nach 72 Tagen wieder in britischer Hand

Frankfurt/London - "Das Imperium schlägt zurück!" Dieser Filmtitel lieferte der britischen Boulevardpresse die Schlagzeilen zu Beginn des Falkland-Krieges vor 20 Jahren. Am 2. April 1982 besetzte Argentinien die zu Großbritannien gehörenden Inseln im Südatlantik, binnen 72 Tagen eroberten die Briten sie zurück. Der Sieg, der angesichts der großen Entfernung zum Kampfgebiet als logistische Meisterleistung gepriesen wurde, war ein Triumph für die damalige Premierministerin Margaret Thatcher. Doch gab es auch kritische Stimmen, ob der Verlust von fast 1000 Menschenleben nicht vermeidbar gewesen wäre.

Die Falkland-Inseln vor der Südküste Argentiniens wurden erstmals 1522 von britischen Seefahrern gesichtet. Doch erst 1764 gründeten die Franzosen eine Kolonie auf Ost-Falkland, während die Briten zwei Jahre später West-Falkland in Besitz nahmen. Frankreich verkaufte seinen Anteil kurz darauf an die Spanier. Als diese abzogen, sah sich Argentinien, das 1816 zur eigenständigen Republik wurde, als natürlicher Erbe des spanischen Teils und beanspruchte auch den britischen Teil der Malvinas, wie es die Inseln nannte.

Darüber kam es in den folgenden Jahren immer wieder zu Auseinandersetzungen mit Großbritannien. Ohne Blutvergießen wurden die Argentinier 1833 schließlich von den Inseln vertrieben, die seitdem als britisch gelten. Argentinien hat stets dagegen protestiert. Doch die Vereinten Nationen erklärten auch nach 1945 lediglich, London und Buenos Aires sollten über das Problem verhandeln und dabei die Interessen der rund 2500 Inselbewohner berücksichtigen. Diese allerdings haben stets auf Seiten Großbritanniens gestanden.

Gefangener argentinischer Soldat: Der Krieg forderte fast 1000 Menschenleben
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Gefangener argentinischer Soldat: Der Krieg forderte fast 1000 Menschenleben

Im Dezember 1981 putschte sich der argentinische General Leopoldo Galtieri an die Macht und versprach seinen Landsleuten die Rückeroberung der Malvinas. Als erstes entsandte er am 19. März des folgenden Jahres Soldaten auf das 1000 Kilometer südöstlich der Falklands gelegene britische Eiland Südgeorgien - angeblich um einen argentinischen Eisenhändler zu schützen, der dort mit britischer Genehmigung Schrott aufsammeln wollte. In der Nacht vom 1. auf den 2. April landeten dann die ersten Argentinier auf den Falkland-Inseln. Der britische Gouverneur wurde zur Kapitulation gezwungen. Kurz darauf waren bereits 10.000 Argentinier auf der Inselgruppe stationiert.

Umstrittene Versenkung der "Belgrano"

Großbritannien brach umgehend die diplomatischen Beziehungen zu Argentinien ab. Zugleich mussten mehrere ranghohe Regierungsvertreter, darunter auch Außenminister Lord Carrington, ihren Hut nehmen, weil sie die argentinischen Invasionsvorbereitungen unterschätzt und deshalb keine Gegenmaßnahmen veranlasst hatten. Bereits am 5. April lief die britische Flotte in den Südatlantik aus. Kampfflugzeuge setzten sich zur Atlantik-Insel Ascension nahe des Äquators in Bewegung. Von dieser Zwischenstation aus wurden über rund 5000 Kilometer hinweg Bombenangriffe auf die Falkland-Hauptstadt Stanley geflogen.

Bereits am 25. April eroberten die Briten Südgeorgien zurück. Die Schlacht um die Falklands dauerte bis zum 14. Juni, als die letzte argentinische Garnison in Stanley kapitulierte und Kommandeur Mario Menendez einem bedingungslosen Waffenstillstand zustimmte. Aber nicht die gesamte britische Öffentlichkeit jubelte mit der "Eisernen Lady". Immerhin waren dem Krieg fast 250 Briten und etwa 700 Argentinier zum Opfer gefallen.

Besonders umstritten ist bis heute die Versenkung der "General Belgrano", wobei am 2. Mai 1982 insgesamt 323 argentinische Seeleute ums Leben kamen. Das Schiff hatte sich bereits außerhalb der 200-Meilen-Zone um die Falklands befunden, die Großbritannien nach der argentinischen Invasion zu seinem Einzugsgebiet erklärt hatte. Gleichwohl wurde es von einem britischen Torpedo angegriffen. Angehörige der Opfer gingen bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, um Entschädigung einzuklagen - allerdings ohne Erfolg.

Trotz vereinzelter Kritik erwies sich der Falkland-Krieg als Triumph für Thatcher. Vorher galt ihre 1979 ins Amt gekommene Regierung als angeschlagen, es wurde sogar über eine "Palastrevolte" gegen die Parteiführerin der Konservativen spekuliert. Nach dem Sieg über Argentinien gelang ihr im folgenden Jahr, in dem sie die Falkland-Inseln auch persönlich besuchte, die Wiederwahl mit einer deutlich gestiegenen Mandatsmehrheit. In Argentinien wiederum führte die Niederlage zu einem gewaltigen Autoritätsverlust der Junta Galtieris, so dass 1983 wieder eine Zivilregierung ins Amt kam.



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