Reaktionen auf Wechsel in Großbritannien Merkel nimmt May-Rücktritt "mit Respekt zur Kenntnis"

Theresa May tritt ab - und wieder ist unklar, wie es in London weitergeht. Labour-Chef Corbyn fordert Neuwahlen. Nigel Farage, Chef der Brexit-Partei, macht ihr Vorwürfe. Kanzlerin Merkel äußert sich wohlwollender.

Theresa May mit Angela Merkel bei ihrem letzten Treffen in Berlin am 9. April 2019
AP Photo/Michael Sohn

Theresa May mit Angela Merkel bei ihrem letzten Treffen in Berlin am 9. April 2019


Einen Tag nach der Europawahl in Großbritannien hat die britische Premierministerin Theresa May ihren Rücktritt angekündigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe das "mit Respekt zur Kenntnis genommen", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz. Merkel habe mit May stets vertrauensvoll zusammengearbeitet und werde dies fortsetzen, solange May im Amt ist, hieß es weiter.

Eine Einschätzung, welche Auswirkungen der Schritt für den geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU haben könne, wollte Sprecherin Fietz nicht geben. May gibt den Parteivorsitz am 7. Juni ab, als Regierungschefin will sie im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist. Dem Chef der britischen Regierungspartei ist traditionell der Posten des Premierministers vorbehalten.

Im Video: May erklärt ihren Rücktritt

Yui Mok / AP

May war im Parlament dreimal mit dem EU-Austrittsabkommen gescheitert, das sie mit Brüssel ausgehandelt hatte. Mit den anderen Staats- und Regierungschefs der EU hatte sie sich deswegen auf eine Verschiebung des ursprünglich für März geplanten Brexits bis spätestens 31. Oktober geeinigt.

Corbyn fordert jetzt Neuwahlen

Der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn fordert nach der Verkündung des Rücktritts Neuwahlen. Weder Premierministerin May noch ihre gespaltene Partei seien in der Lage, das Land zu regieren, sagt der Labour-Chef. Mays Entscheidung, zurückzutreten, sei richtig. "Wer auch immer der neue Chef der Konservativen wird, muss das Volk über die Zukunft unseres Landes entscheiden lassen und zwar über eine rasche Parlamentswahl", sagte Corbyn.

Nigel Farage, Chef der Brexit-Partei und ehemaliger Parteichef von Ukip, schrieb bei Twitter, May habe die Gefühlslage ihres Landes falsch eingeschätzt. Farage war mit seinen ausländerfeindlichen Botschaften einer der maßgeblichen Wegbereiter für den Brexit.

Auch der Bürgermeister von London, Sadiq Kahn, kommentierte Mays Rücktritt bei Twitter. Die "Brexit-Extremisten" der Konservativen Partei hätten ihren Job unmöglich gemacht. Es sei inakzeptabel, dass dieselben Menschen nun weiter über die Zukunft Großbritanniens entscheiden würden.

Trump würdigt May

US-Präsident Donald Trump zeigte Mitleid. "Theresa tut mir leid. Ich mag sie sehr", sagte er. "Sie ist eine gute Frau, sie hat hart gearbeitet, sie ist sehr stark." Trump wird Anfang Juni zum Staatsbesuch in Großbritannien erwartet und dort auch May treffen.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat den angekündigten Rücktritt bedauert. Er habe die Zusammenarbeit mit May geschätzt, sagte eine Sprecherin. May sei eine mutige Frau, die er sehr respektiere. Juncker werde aber auch zu einem neuen Regierungschef in London Arbeitsbeziehungen aufbauen.

Die Arbeitshypothese bleibe, dass Großbritannien die Europäische Union am 31. Oktober verlasse, fügte die Sprecherin hinzu. Die EU setze auf einen geordneten Brexit. Änderungen am in London höchst umstrittenen Austrittsvertrag seien aber nicht möglich.

Auch Irland rechnet nicht damit, dass die EU einem neuen britischen Premierminister einen neuen oder gar besseren Brexit-Deal anbieten wird. Aus Sicht der EU sei man beim Brexit mit der Geduld am Ende, sagt der irische Außenminister Simon Coveney. Er denke, dass nun ein No-Deal-Brexit wahrscheinlicher als je zuvor ist. Man könne dies aber immer noch vermeiden.

Der frühere Außenminister Boris Johnson lobte die "sehr würdevolle Erklärung" von May. "Danke für deinen stoischen Dienst für unser Land und die Konservative Partei. Es ist jetzt an der Zeit, ihre Mahnungen zu beherzigen: Zusammenkommen und den Brexit vollziehen", sagte er weiter. Johnson wird als möglicher Nachfolgers Mays gehandelt.

vks/dpa/Reuters/dpa



insgesamt 25 Beiträge
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tormos 24.05.2019
1. Es gibt nur eine Lösung:
Die Queen löst dieses ganze Kaspertheater auf und nimmt das Zepter wieder in die Hand ;) Live long and prosper.
jonath2010 24.05.2019
2. Diese Prügel hat sie nicht verdient
Man kann von ihr halten was man will: Aber die Prügel, die sie in den vergangenen Monaten von allen Seiten (auch von der eigenen Partei!) einstecken musste, hat sie nicht verdient. Dass sie standhaft geblieben ist, so lange es ihr nur irgendwie möglich war, verdient Respekt und Bewunderung. Wieder einmal wurde bewiesen, dass die Politik überall auf der Welt ein Haifischbecken ist, in der Friedfische verloren sind. May geht – aber der Volksmund sagt: Es kommt selten was Besseres nach.
schlob 24.05.2019
3.
Als Merkel May ihre Unterstützung zusagte,da wusste man doch ,dass deren Tage gezählt sind.
someoneunreal 24.05.2019
4. Tweets gelöscht?!
Hallo SPON, ihr habt doch sicher Screenshots von den inzwischen gelöschten Tweets, die in diesem Artikel verlinkt waren, gemacht und koennt Dir einsetzen? ;)
Geopolitik 24.05.2019
5.
Noch vor Kurzem haben die Tory Abgeordneten May das Vertrauen ausgesprochen. Was ist nun anders? Es lag wohl daran, dass die Brexit-Hardliners fürchten mussten, dass der überarbeitete Brexit-Antrag von Backbenchern der beiden großen und Abgeordneten anderer Parteien angenommen werden würde. Dies musste unbedingt verhindert werden, denn heute heißt Brexit für diese Gesellen bedingungsloses und wohl Vertragsloses ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU. Es werden also weitere chaotische Monate bevorstehen und je schneller UK Europa verlässt, desto weniger aufreibend für Europa.
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