Premierministerin May Briten bereiten sich auf chaotischen Brexit vor

Großbritanniens Premierministerin May will sich für den Fall scheiternder Brexit-Verhandlungen rüsten. Zum Start des Parteitags der konservativen Tories entschuldigte sie sich auch für die Wahlniederlage.

Premierministerin Theresa May am Sonntagmorgen
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Premierministerin Theresa May am Sonntagmorgen


Die britische Premierministerin Theresa May hat vor Beginn des Parteitags der britischen Konservativen Bedauern über die Schlappe bei der jüngsten Parlamentswahl geäußert. "Es tut mir leid, dass einige sehr gute Abgeordnete ihre Sitze verloren haben", sagte May in einem BBC-Interview am Sonntag. Sie habe die Botschaft der Wähler gehört.

Mays Konservative treffen sich seit Sonntag in Manchester (mehr dazu lesen Sie hier). Hauptthema dürften die Brexit-Verhandlungen sein. Laut May bereitet sich die Regierung auch für den Fall eines chaotischen EU-Austritts vor.

Die Ministerien stellten Pläne für den Fall auf, dass es zu keiner Vereinbarung mit der EU komme, sagte May. Sie zeigte sich aber zuversichtlich, dass wie geplant bis März 2019 eine Scheidungsvereinbarung zustandekommen werde.

Intern gilt May als geschwächt, immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen in ihrem Kabinett über den EU-Austritt des Landes. Als gefährlichster innerparteilicher Gegner gilt Außenminister Boris Johnson. Er preschte mehrfach mit eigenen Brexit-Forderungen vor. Britische Medien spekulieren, er wolle May stürzen. Mit Spannung wird seine Parteitagsrede am Dienstag erwartet. Mays Rede ist für Mittwoch vorgesehen.

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Großbritannien: Mays Rivalen

Der BBC sagte die Premierministerin, das Kabinett arbeite geschlossen am Brexit-Plan daran, auch Außenminister Boris Johnson stehe hinter ihrem Kurs. In einer Rede vor gut einer Woche in Florenz hatte sie eine Periode des Übergangs von zwei Jahren für den EU-Austritt als notwendig bezeichnet. In dieser Zeit solle es Großbritannien und der EU weiter möglich sein, ohne neue Hürden Handel zu treiben. Johnson hatte sich wiederholt für einen schärferen Kurs ausgesprochen.

May will beim Parteitag auch innenpolitische Themen in den Vordergrund stellen. In einem Versuch, jüngere Wähler anzusprechen, kündigte sie Erleichterungen bei der Rückzahlung von Studienkrediten an. Auch Menschen, die ein Haus kaufen wollen, sollen stärker unterstützt werden, sagte May. Die Regierungschefin reagiert damit auf den wachsenden Erfolg von Labour-Chef Jeremy Corbyn.

stk/Reuters/dpa

insgesamt 79 Beiträge
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peter-11 01.10.2017
1. Zuversicht?
Frau Mays Zuversicht kann man z. Z. nicht recht nachvollziehen. Aber warten wir den Dienstag und Mittwoch ab. Da könnte sich ihre Zuversicht innerhalb der Partei schon in Luft auflösen. Schon recht spannend.
marthaimschnee 01.10.2017
2. Verbrannte Erde
So ganz allmählich scheint es im Wiedererstarken und einer möglichen Machtübernahme der Labour in naher Zukunft, als wollten die Tories soviel Schaden wie möglich anrichten, um denen eine einzige Katastrophe zu hinterlassen, an der sie zwangsläufig scheitern und man sich hinterher als triumphaler Retter - natürlich mit der sozialen Axt in der Hand - feiern darf. Das scheint zum Standardvorgehen der Konservativen zu werden, siehe Frankreich, wenngleich der politische Gegner dumm genug sein muß, dieses miese Spiel nach den von den Konservativen diktierten Regeln mitzuspielen, wie eben ein Hollande. Corbyn scheint nicht der Typ dazu zu sein.
conrath 01.10.2017
3. Die Tories erleben ihr Waterloo.
Unfähige Politiker verdaddeln durch unnütze Referenden und Wahlen das Land. Die sozialen Probleme sind hausgemacht. Da werden die Geschenke gar nichts bewirken, da sie wiederum vor allem der wolhabeneren Klasse zugute kommt. Labour wird aus diesem von Clowns inszenierten Kaspertheater den größten Nutzen ziehen. Jeremy Corbyn for PM. Well done!
Ökofred 01.10.2017
4. Steile These
Zitat von marthaimschneeSo ganz allmählich scheint es im Wiedererstarken und einer möglichen Machtübernahme der Labour in naher Zukunft, als wollten die Tories soviel Schaden wie möglich anrichten, um denen eine einzige Katastrophe zu hinterlassen, an der sie zwangsläufig scheitern und man sich hinterher als triumphaler Retter - natürlich mit der sozialen Axt in der Hand - feiern darf. Das scheint zum Standardvorgehen der Konservativen zu werden, siehe Frankreich, wenngleich der politische Gegner dumm genug sein muß, dieses miese Spiel nach den von den Konservativen diktierten Regeln mitzuspielen, wie eben ein Hollande. Corbyn scheint nicht der Typ dazu zu sein.
Die Tories sind doch JETZT an der Macht. Wenn sie die sozilae Axt (mehr als sowieso) schwingen wollen könnten sie das tun. Beim Brexit hilft das gar nicht. Bzgl. Brexit ist Corbyn übrigens auch nicht schlauer.
dieter 4711 01.10.2017
5. May oder das Chaos, ist das die Alternative?
May oder das Chaos, ist das die Alternative?
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