May auf Tory-Parteitag "Großbritannien hat keine Angst, die EU ohne Deal zu verlassen"

Großbritanniens Premierministerin steht wegen der zähen Brexit-Verhandlungen unter Druck. Beim Parteitag der Tories macht sie erneut klar: Sie wird nicht jedes Abkommen mit der EU akzeptieren.

Theresa May
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Theresa May


Die britische Premierministerin Theresa May hat auf dem Tory-Parteitag ihren Brexit-Kurs verteidigt und die Partei zur Unterstützung aufgerufen. Sie sei aber auch bereit, die EU ohne eine Austrittsvereinbarung zu verlassen, wenn kein gutes Abkommen für Großbritannien möglich sei. "Großbritannien hat keine Angst, die EU ohne Deal zu verlassen", sagt sie unter dem Applaus ihrer Parteikollegen.

Sie macht aber auch deutlich, dass diese Variante für beide Seiten eine schlechte Lösung sei. "Die Verhandlungen gehen nun in ihre schwierigste Phase", sagte May. "Wenn wir zusammenhalten und die Nerven behalten, können wir ein zufriedenstellendes Abkommen für Großbritannien erreichen."

Großbritannien scheidet im März 2019 aus der EU aus. Die Verhandlungen über die Austrittsvereinbarung zwischen London und Brüssel treten aber auf der Stelle.

Rund ein halbes Jahr vor dem angepeilten EU-Austrittstermin Ende März steht May in ihrer Partei und in der EU zunehmend unter Druck. Sie strebt eine Freihandelszone mit der EU für Waren, nicht aber für Dienstleistungen und den freien Personenverkehr an und will einen Teil der gemeinsamen Regeln beibehalten. Dies lehnen die EU-Partner ab. Bei einem ungeregelten Brexit werden große politische und wirtschaftliche Verwerfungen befürchtet.

Im Video: Theresa May tanzt bei Parteitag auf die Bühne

Am Dienstag hatte Ex-Außenminister Boris Johnson unter dem Jubel vieler Delegierter die Abkehr von Mays Austrittsstrategie gefordert und sich zugleich als ihr Nachfolger in Stellung gebracht. Johnson fordert wie andere Brexit-Hardliner eine striktere Trennung Großbritanniens von der EU.

Eines der größten Probleme ist nach wie vor die Irlandfrage. Mit dem EU-Austritt Großbritanniens müsste zwischen Irland und Nordirland eigentlich eine harte Grenze entstehen. Beobachter befürchten in diesem Fall neue Unruhen in dem ehemaligen Bürgerkriegsland.

mho/Reuters/AFP



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bigroyaleddi 03.10.2018
1. Hier ist doch nur eines klar,
dass nämlich alles was vonm UK kommt, völlig unklar ist. Ich frage mich, wie Frau May bis zum nächsten März überhaupt noch eine Einigung hinbekommen will. Es ist nichts auf weiter Flur zu erkennen, was auch nur ansatzweise auch auf Zustimmung der EU treffen könnte. Meine Prognose: es wird ein knallharter Brexit, ohne irgendwelche Vereinbarungen. Aber vielleicht brauchen die Briten und die entsprechenden Kreise um Johnson das ja mal. Irgendwie ist die Sanduhr am Laufen und es ist nichts und niemand in Sicht, welcher auf verantwortungsbewusster Seite in GB die Sache in die Hand nehmen könnte.
crazy_swayze 03.10.2018
2.
Fr. May, eine EU-Mitgliedschaft ist kein Sky-Abo, wo man kündigt und der Konzern einen mit besseren Deals überschüttet. Die EU war bereits der beste Deal. Wer kündigt, muss also mit den Konsequenzen leben. Die Rosinen sind ausgegangen für GB. Jetzt beginnt die harte Realität. Realitätsverweigerung ist keine Lösung.
genugistgenug 03.10.2018
3. Das ist halt Poker!
Das Spiel endet im März 2019 und unsere Wetten stehen immer noch auf diesem Satz: Die Briten zahlen nichts mehr an die EurOPAs, verlassen das EU Endlager und sonst ändert sich nichts. Unterzeichnet kurz vor Toresschluß. Wir haben uns schon zu Beginn gefragt, wie die alles in 2 Jahren abwickeln wollen. Denn in diesem Zeitraum kommt es doch maximal zu einer Terminabstimmung. Es bleibt unterhaltsam und wer live dabei sein möchte sollte auf britische Sender umschalten.
meresi 03.10.2018
4. Fear and Loathing in London
Na wenn das so ist, geht doch gleich. Ohne wenn und aber. Farewell...EU (450 Mill. Einw.) vs England ( 55 Mill. Einw.) Wir werden euch nicht vermissen. Haut ab, denn ich will wissen wie es ohne euch weitergeht. Ein spannendes Szenario, besser als jeder Edgar Wallace Krimi.
Sonnenschein11 03.10.2018
5. Was kann das alles bedeuten?
GB stellt sich stur und lässt alles an sich abprallen. Ok, soweit so gut. Was kann die EU machen? Handelsaktionen, oder einen Krieg anfangen. Beides wird wohlwollend von den USA aufgegriffen um die EU zu zerschlagen. Nicht lustig!
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