"Guardian"-Bericht Theresa May argumentierte leidenschaftlich gegen den Brexit

Die britische Premierministerin treibt den Brexit voran. Der "Guardian" berichtet nun mit Verweis auf eine geleakte Rede vor Bankern, was Theresa May vor dem Referendum eigentlich wollte.

Theresa May
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"Geleakte Aufnahmen zeigen, was Theresa May wirklich über den Brexit denkt": Mit dieser Schlagzeile veröffentlichte der britische "Guardian" am späten Dienstagabend Redeauszüge der Premierministerin aus dem vergangenen Mai - in denen sie eindringlich vor den Folgen eines Brexit warnt.

Dem Bericht zufolge traf sich May einen Monat vor dem Brexit-Referendum mit Investmentbankern von Goldman Sachs. Eine Stunde lang habe sie dabei gesprochen, es soll hauptsächlich um die Konsequenzen eines möglichen EU-Austritts gegangen sein. May soll den Bankern unter anderem von ihren Sorgen berichtet haben, Unternehmen könnten reihenweise das Land verlassen.

Umgekehrt gebe es für einen Verbleib in der EU gute Gründe - vor allem wirtschaftliche: "Ich denke, Teil eines 500-Millionen-Handelsblocks zu sein, ist wichtig für uns", zitiert der "Guardian" May. Zahlreiche Menschen würden in Großbritannien investieren, weil das Land Teil von Europa sei.

Außerdem, so berichtet der "Guardian", habe May das Thema Sicherheit angesprochen: "Es gibt definitiv Dinge, die wir als Mitglied der Europäischen Union tun können, die uns meiner Ansicht nach sicherer machen."

"Wenn wir führen, können wir Dinge erreichen"

Dem Bericht zufolge könnten die Äußerungen für May recht unangenehm werden: Sie sei in der Vergangenheit dafür kritisiert worden, während des Wahlkampfes rund um das Referendum zu ruhig geblieben zu sein und sich lediglich halbherzig für einen Verbleib des Landes in der EU eingesetzt zu haben.

Der "Guardian"-Bericht schildert hingegen eine deutlich engagiertere Politikerin. Bei dem Termin in der Bank habe May beispielsweise auch argumentiert, Großbritannien müsse nicht nur in Europa bleiben - sondern gar eine Führungsrolle einnehmen, "und wenn wir führen, können wir Dinge erreichen".

Goldman Sachs habe bestätigt, dass May Gastrednerin bei der Bank war. Sie sei allerdings nicht bezahlt worden.

Die Briten hatten in dem Referendum am 23. Juni für den Brexit gestimmt. Bis Ende März 2017 wollen sie laut May offiziell den Austritt aus der EU beantragen. May übernahm kurz nach dem Votum den Parteivorsitz und den Posten an der Regierungsspitze. Seitdem treibt sie den Brexit voran - und gibt sich dabei optimistisch und äußert selbstbewusst.

aar

insgesamt 98 Beiträge
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hevopi 26.10.2016
1. Die Engländer haben nun mal für den Brexit gestimmt
und müssen (das ist doch selbstverständlich) die Konsequenzen tragen. Das ist aus zwei Gründen unabdingbar: Wenn wir nicht den weiteren Zerfall Europa´s wollen, müssen alle EU-Länder begreifen: Ein Austritt ist ein großes Problem und hat empfindliche Nachteile für die Menschen.
emo.alberich 26.10.2016
2. Wie ist das nun
Bremain war die offizielle Position der Regierung, der Finanzsektor ein Bremain Stimmenlager. Wieso sollte diese "Enthüllung" Theresa May nun Probleme machen? Als "Wendehals" zu gelten. Zum Zeitpunkt der Rede war das Ergebnis ja noch nicht bekannt.
freudentanz 26.10.2016
3. Sie macht ihren Job !
Und nicht das was sie glaubt tun zu müssen oder irgendjemand ihr einreden muss. Finde ich großartig das es noch Politker/Innen gibt die das tun was der Wähler von ihnen verlangt. Ob das die Mitteleuropäer schlecht finden oder nicht spielt überhaupt keine Geige.
marialeidenberg 26.10.2016
4. Wer will ihr denn Vorhaltungen machen?
Etwa die Leute, die FÜR den Brexit getrommelt haben und sich dann, als er da war, verkrümelt haben? Dass sie gegen den Brexit argumentiert hat und sich dann, als er da war, für einen Posten zur Verfügung gestellt hat, der wenig Lorbeer, aber viel Anfeindung und schwere Verhandlungen verspricht, macht sie zu einer Patriotin im besten Sinne. Im übrigen ist bei den Tories weit und breit nichts Gleichwertiges zu sehen, von Labour ganz zu schweigen.
atherom 26.10.2016
5. Frau Mey war vor der Abstimmung gegen Brexit, weshalb soll das jetzt
problematisch werden? Das Volk hat für Brexit gestimmt und sie vertritt den Willen des Volkes, in dem sie der Mehrheitsmeinung der Wähler folgt. Das nennt man Demokratie und wird manchenorts tatsächlich noch praktiziert. Im Übrigen ist die Untergangsstimmung in Großbritannien keineswegs so verbreitet, wie außerhalb dieses Landes festgestellt.
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