25 Jahre Tiananmen-Massaker Dutzende Bürgerrechtler weggesperrt

In China greifen die Behörden vor dem 25. Jahrestag der Niederschlagung der Demokratiebewegung hart durch. Mehr als 80 Bürgerrechtler wurden festgenommen und verhört.

Soldaten in Peking: Verschärfte Sicherheitslage in der 20-Millionen-Metropole
AP

Soldaten in Peking: Verschärfte Sicherheitslage in der 20-Millionen-Metropole


Peking - Menschenrechtler sprechen von einer "beispiellosen Verfolgungswelle": In China sind vor dem 25. Jahrestag des Pekinger Massakers auf dem Platz des himmlischen Friedens mehr als 80 Bürgerrechtler festgenommen, unter Hausarrest gestellt, verhört oder eingeschüchtert worden.

"Chinas Machthabern ist jedes Mittel recht: Mit Entführungen, Drohungen, Verhören, Hausarresten und willkürlichen Festnahmen wollen sie Friedhofsruhe auf dem Platz des Himmlischen Friedens durchsetzen", kritisierte Ulrich Delius, Asienreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen.

Stärker als je zuvor blockierte Chinas Zensur auch den Zugang zu Google-Diensten. Seit dem Wochenende waren fast alle Dienste wie die Suche, Gmail oder der Kartendienst weitgehend gesperrt, wie die Webseite Greatfire.org berichtete. Tunneldienste, mit denen solche Sperren im Internet umgangen werden können, wurden ebenfalls stark gestört.

Hundertausende Polizisten in Uniform und Zivil, paramilitärische Truppen, Wachleute und Freiwillige der Nachbarschaftskomitees sorgten in der 20-Millionen-Metropole Peking für Sicherheit, um etwaige Zwischenfälle am Jahrestag zu verhindern.

Am 4. Juni 1989 hatten Soldaten die seit Wochen andauernden friedlichen Proteste im Zentrum Pekings mit Gewalt aufgelöst. Hunderte Menschen wurden getötet, manche Schätzungen gehen sogar von Tausenden Opfern aus. Die Demonstrationen für mehr Demokratie waren aus einer Studentenbewegung hervorgegangen, nach ihrer Niederschlagung begann eine politische Säuberungswelle.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte die chinesische Regierung auf, die Verantwortlichen der blutigen Niederschlagung der Proteste vor 25 Jahren zur Rechenschaft zu ziehen. "China kann es sich langfristig nicht leisten, die Erinnerung an das Ereignis durch eine Strategie des Totschweigens zu unterdrücken", sagte der China-Experte der deutschen Amnesty-Sektion, Dirk Pleiter.

heb/dpa/AFP

insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
demophon 03.06.2014
1. Schlechtes Gewissen
Ich frage mich, worin der Sinn liegen soll, vor dem 25. Jahrestag Google zu sperren. Wer sich bis jetzt noch nicht über das Tiananmen-Massaker informiert hat, ist politisch ohnehin nicht interessiert und würde auch zum Jahrestag nicht plötzlich zum Rebellen. Sperren bei facebook oder Twitter könnten spontane Verabredungen zu Protesten verhindern, aber nicht bei der Suchmaschine. Es ist erstaunlich, wie viel Angst die KP vor ihrem eigenen Volk hat, sie muss ein schlechtes Gewissen haben.
qewr 04.06.2014
2. Deutsche Welle
Ich nehme mal an, dass auch der kürzlich auf DW ausgestrahlte Film über die Tianamen-Ereignisse zensuriert wurde.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.