Tibet Abgesandte des Dalai Lama in China gelandet

Sieben Wochen nach den gewaltsamen Protesten von Tibetern soll es jetzt erstmals Gespräche geben: Zwei Vertreter des Dalai Lama sollen am Sonntag mit Regierungsvertretern in China zusammenkommen, doch die Staatsmedien beschimpfen den Dalai Lama.


Mit einem Tag Verspätung sollen am Sonntag erstmals seit zehn Monaten Gesandte des Dalai Lama wieder mit Vertretern der Pekinger Führung zusammenkommen. Das als informell bezeichnete Treffen zwischen den beiden Gesandten Lodi Gyaltsen Gyari und Kelsang Gyaltsen sowie offiziellen Regierungsvertretern soll in Shenzhen in der Provinz Guangdong stattfinden, wie die tibetische Exilregierung im nordindischen Dharamsala mitteilte.

Der Dalai Lama im Exil in Dharamsala, Indien: Gespräche mit der Pekinger Führung
AP

Der Dalai Lama im Exil in Dharamsala, Indien: Gespräche mit der Pekinger Führung

Von Pekinger Seite gab es zunächst keine Bestätigung. Auch die staatlichen Medien erwähnten das geplante Treffen nicht. Kurz vor den Gesprächen, zu denen sich Peking nach einem Besuch von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso bereiterklärt hatte, haben Chinas Medien das tibetische Exiloberhaupt erneut heftig beschimpft.

In der kommunistischen Parteizeitung "Renmin Ribao" hieß es, der Dalai Lama kämpfe unter dem Vorwand einer angeblich fehlenden Religionsfreiheit für eine Unabhängigkeit Tibets. Die Zeitung "Xizang Ribao" bezeichnete den im Exil in Indien lebenden Dalai Lama als "Verbrecher". Der Dalai Lama sei außerdem ein "Zerstörer" der buddhistischen Tradition Tibets.

China wirft dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter vor, hinter den jüngsten Protesten in Tibet zu stehen. Der Dalai Lama selber hatte mehrfach betont, ihm gehe es nicht um eine Loslösung von China, sondern um kulturelle Autonomie. Peking wirft ihm dennoch vor, die "Spaltung des Vaterlandes" zu betreiben. Die Volksrepublik hatte die Unruhen Mitte März gewaltsam niedergeschlagen. Die tibetische Exil-Regierung spricht dabei von 203 Toten, chinesische Offizielle lediglich von 20 Todesopfern.

Seit 2002 hat es sechs Gesprächsrunden zwischen Vertretern des Dalai Lama und der chinesischen Regierung gegeben. Es wurden aber keine greifbaren Fortschritte erzielt. Die letzte Runde hatte im Juli 2007 in den Städten Schanghai und Nanking stattgefunden und jeweils eineinhalb Tage gedauert.

Auf ihrer Reise zu den Sommerspielen in Peking macht die olympische Flamme am Sonntag Station auf der südchinesischen Tropeninsel Hainan. Am Samstag war die Fackel auf ihrer zweiten Etappe in China in Macao von Tausenden Peking-treuer Zuschauer bejubelt worden. Studenten trugen T-Shirts mit der Aufschrift "Ich liebe China". Anti-chinesische Proteste gab dabei es nicht.

cjp/AP/AFP/dpa



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