Tibet-Konflikt Chinas Staatsmedien beschimpfen Dalai Lama

Sie nennen ihn einen "Kriminellen" und "Zerstörer": Kurz vor den Gesprächen mit tibetischen Gesandten attackieren Chinas Medien den Dalai Lama. Auch der olympische Fackelzug durch die Spielerstadt Macau geriet zum Fest der Propaganda - Studenten trugen T-Shirts mit der Aufschrift "Ich liebe China".


Peking - Von Verständigungsbereitschaft ist wenig zu erkennen. Offizielle Zeitungen stellten den Dalai Lama an diesem Samstag als Kriminellen dar. Die "Tibet Daily" wiederholte den Vorwurf, die "Clique" des Dalai Lama habe die Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa Mitte März angezettelt, um die Vorbereitungen für die Olympischen Sommerspiele in Peking zu stören. In der kommunistischen Parteizeitung "Renmin Ribao" hieß es, der Dalai Lama kämpfe unter dem Vorwand einer angeblich fehlenden Religionsfreiheit für eine Unabhängigkeit Tibets.

Die Zeitung "Xizang Ribao" bezeichnete den im Exil in Indien lebenden Dalai Lama als "Verbrecher". Der Dalai Lama sei außerdem ein "Zerstörer" der buddhistischen Tradition Tibets.

Im Verlauf des Tages werden Vertreter des Dalai Lama zu Gesprächen in China erwartet. Der Chef der tibetischen Exilregierung, Samdhong Rimpoche, erklärte im indischen Dharamsala, die Gesandten würden am Samstag zunächst in Hongkong eintreffen und dann in die benachbarte Stadt Shenzhen reisen.

Die Delegierten wollen ihre Sorge über den Umgang Chinas mit Tibet ausdrücken und Vorschläge vorlegen, "um der Region Frieden zu bringen", erklärte die Exilregierung. Der Dalai Lama hat bereits erklärt, dass er einer echten Autonomie den Vorzug vor einer Unabhängigkeit Tibets geben würde. Peking besteht auf der Anerkennung Tibets als Teil Chinas durch das geistliche Oberhaupt der Tibeter.

Foto-Posen mit chinesischen Flaggen

In den staatlichen chinesischen Medien wurde das informelle Treffen nicht erwähnt - und das, obwohl die Initiative dafür von der Volksrepublik selbst ausgegangen war. Peking hatte damit auf den Druck westlicher Staaten reagiert, die einen Dialog mit dem Dalai Lama forderten.

In der chinesischen Kasino-Stadt Macau begann unterdessen der olympische Fackellauf. In der früheren portugiesischen Kolonie, die 1999 an China zurückgegeben wurde, wurden keine Proteste gegen das Vorgehen Pekings in Tibet erwartet. Studentengruppen vom Festland kamen nach Macau, um die Fackel zu sehen. Einige von ihnen trugen T-Shirts mit der Aufschrift "Ich liebe China", andere posierten mit chinesischen Flaggen vor den Gebäuden der Stadt.

Die olympische Flamme war am Donnerstag in Hongkong eingetroffen und erreichte damit chinesisches Territorium. Auch dort blieben Proteste gegen China aus.

itz/Reuters/AP/dpa



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