Tibet Krawalle und Brandstiftungen in Lhasa - chinesische Polizei riegelt Klöster ab

Chaos und Gewalt in der tibetischen Hauptstadt Lhasa: Demonstranten und chinesische Sicherheitskräfte liefern sich brutale Straßenschlachten. In der Altstadt brennt es. Bereits seit Tagen protestieren buddhistische Mönche gegen die chinesische Herrschaft in ihrem Land.


Peking - In den Straßen Lhasas spielen sich brutale Szenen ab. Demonstranten haben vor dem Jokhang-Tempel mehrere Feuerwehrwagen und Polizeiwagen angegriffen, umgestürzt und in Brand gesteckt, berichten Augenzeugen heute. Laut der Nachrichtenagentur Reuters brennen auch mehrere Läden in der Altstadt der Kapitale. Feuerwehrleute und Polizisten seien verprügelt worden. Die Demonstranten hätten die chinesische Flagge auf dem Platz vor dem Tempel eingeholt und mit Füßen auf ihr herumgetrampelt.

Aufstand der Mönche: Drei Klöster sind von Sicherheitskräften umstellt
AFP

Aufstand der Mönche: Drei Klöster sind von Sicherheitskräften umstellt

"Es herrscht Chaos", berichtete eine Augenzeugin. "Die Menschen hatten Stöcke und Steine in den Händen." Die Polizisten hätten vor der aufgebrachten Menge zurückweichen müssen. Ein Großaufgebot von Sicherheitskräften sei mobilisiert worden, darunter auch Polizisten, die spezielle Ausrüstung gegen gewalttätige Demonstranten trugen.

Um ihr Aufbegehren gegen die chinesischen Machthaber zu zeigen, haben sich zwei Mönche in Lhasa bei einem Selbstmordversuch die Pulsadern aufgeschnitten, berichtet der US-Radiosender Radio Free Asia (RFA). Die beiden buddhistischen Mönche aus dem Drepung-Kloster seien in "kritischem Zustand". In einem anderen Kloster sollen Mönche in Hungerstreik getreten sein.

Zuvor hatten chinesische Sicherheitskräfte die drei größten Klöster in der Hauptstadt Lhasa umstellt. Touristen seien daran gehindert worden, die Klöster zu besuchen, erklärte die Menschenrechtsgruppe Internationale Kampagne für Tibet heute.

Hintergrund der Eskalation sind Proteste von Mönchen. Am Donnerstag hatten erneut Hunderte von ihnen gegen die Unterdrückung des tibetischen Volkes durch die chinesische Regierung und für die Freilassung inhaftierter Mönche demonstriert.

"Es herrscht derzeit eine sich verschärfende Atmosphäre der Angst und Anspannung in Lhasa", erklärte die Sprecherin der Internationalen Kampagne für Tibet, Kate Saunders, die zuvor mit Menschen in der Stadt gesprochen hatte. Tibet-Gruppen und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatten am Donnerstag berichtet, die Polizei habe bei den Protesten am Montag und Dienstag Tränengas und Elektroschocker eingesetzt und 50 Mönche festgenommen.

Die Proteste waren am Montag zum 49. Jahrestag der Flucht des Dalai Lama ins indische Exil ausgebrochen. Der Dalai Lama hatte sich nicht hinter den Protestmarsch gestellt. Viele Tibeter halten seinen Kurs gegenüber Peking für zu sanft, da er Autonomie innerhalb Chinas fordert und nicht auf einer vollständigen Unabhängigkeit Tibets besteht.

China betrachtet Tibet als historischen Teil seines Gebiets. Die Tibeter sagen dagegen, ihre Himalaya-Region sei jahrhundertelang praktisch unabhängig gewesen.

ler/AFP/dpa



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