Tibet-Protest Stuttgarter in Peking festgenommen

Einer der vier Tibet-Aktivisten, die in Peking festgenommen worden sind, kommt aus Stuttgart. Seine Angehörigen konnten bisher nichts über den Verbleib des 30-Jährigen in Erfahrung bringen. Auch der Aufenthalt von sechs weiteren Demonstranten ist unklar.


Peking - Nach verschiedenen Protestaktionen in Peking während der vergangenen Tage sind ein Deutsch-Tibeter und neun weitere Tibet-Aktivisten in den Händen der chinesischen Polizei. Der 30 Jahre alte Florian Norbu Gyanatshang aus Stuttgart wurde mit drei Mitstreitern, zwei US-Bürgern und einer Britin, in der vergangenen Nacht festgenommen, weil er unmittelbar vor dem Pekinger Olympiagelände eine tibetische Flagge enthüllt hatte.

"Wir haben nichts gehört und wissen nur, dass er festgenommen wurde", sagte seine Schwester Yudon Gyanatshang. Ebenfalls nicht geklärt ist der Verbleib von sechs weiteren Tibet-Aktivisten, die seit Dienstag in Peking verschwunden sind.

Es war die achte Aktion der "Students for a Free Tibet" in Peking, einer Menschenrechtsgruppe mit Sitz in New York. Der Stuttgarter Software-Entwickler Gyanatshang ist Leiter der deutschen Sektion des Vereins "Tibeter Jugend Europa". "Als deutscher Staatsbürger kann ich zu derart eklatanten Menschenrechtsverletzungen, wie sie in Tibet geschehen, nicht schweigen. Und als Tibeter möchte ich meinen Landsleuten in dieser schwierigen Situation zur Seite stehen", schrieb Gyanatshang in einer Pressemitteilung, die nach seiner Festnahme in Deutschland veröffentlicht wurde.

Die vier Beteiligten an der Aktion waren nach Angaben der "Students for a Free Tibet" von etwa 50 Polizisten in Zivil verfolgt und observiert worden. Die Aktion dauerte keine 30 Sekunden, da die Polizei sofort eingriff.

"Die sechs, die nicht ausgewiesen wurden, waren an keiner Protestaktion beteiligt", sagte Gyanatshangs Schwester. Bei ihnen handelt es sich um einen Graffiti- und Lichtkünstler sowie die "Dokumentaristen" der Gruppe, die die bisherigen Aktionen auf Video und mit Fotokameras aufnahmen.

Bisher hatten die chinesischen Behörden alle Tibet-Aktivisten nach stundenlangen Verhören abgeschoben. Anfang vergangener Woche war bereits eine deutsch-tibetanische Studentin nach einer Aktion am Platz des Himmlischen Friedens abgeschoben worden.

asc/dpa/AP



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