Tibeter im Exil Dalai Lama will politische Macht loswerden

Für die Tibeter im Exil wäre es das Ende einer Ära: Der Dalai Lama will als politischer Führer seines Volkes zurücktreten, seine Befugnisse an einen gewählten Vertreter übergeben. Der Premier der Exilregierung sieht die Machtübergabe aber als "langen und schwierigen Prozess".

Dalai Lama (2008 in Paris): Weg frei für den Wandel
DPA

Dalai Lama (2008 in Paris): Weg frei für den Wandel


Neu Delhi - Der Dalai Lama ließ die Entscheidung auf seiner Homepage mitteilen. Sie fällt zusammen mit dem 52. Jahrestag des Volksaufstandes der Tibeter gegen die chinesische Besatzung ihrer Heimat.

Er habe wiederholt erklärt, seine Befugnisse an eine von den Tibetern frei gewählte Regierung übertragen zu wollen, teilte der Dalai Lama am Donnerstag mit. Jetzt sei die Zeit dafür gekommen, dies umzusetzen und "meine formale Autorität" an einen gewählten Führer abzugeben.

Während der am Montag beginnenden Sitzung des Exilparlaments im nordindischen Dharamsala wolle er die entsprechenden Änderungen an der Exilverfassung der Tibeter vorschlagen. Seine politischen Befugnisse wolle er an einen gewählten Führer abgeben. Die Änderungen sollen in der nächsten Sitzungsperiode des Parlamentes beschlossen werden. Sie beginnt noch in diesen Monat.

Wie viel sich genau ändern wird, ist noch unklar. Prinzipiell hat das Parlament weitreichende Befugnisse in der Exilgemeinschaft. Doch der Status des Dalai Lama überstrahlt vieles.

Die tibetische Exilregierung residiert seit dem Einmarsch der chinesischen Armee in Tibet im indischen Dharmsala. Samdhong Rinpoche, der derzeitige Exil-Premierminister, sagte, der Übergang werde möglicherweise nicht schnell geschehen.

Trotz des Wunsches des Dalai Lama fühlten sich die Menschen und die Regierung "nicht kompetent, uns selbst zu führen". Die Machtübergabe werde ein "langer und schwieriger Prozess".

ulz/dpa/dapd/Reuters



insgesamt 159 Beiträge
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gkg 10.03.2011
1. Demokratie in Tibet
Zitat von sysopDer Dalai Lama will als Führer der tibetischen Exilregierung formell zurücktreten. Seine Befugnisse sollen an einen gewählten Vertreter übertragen werden. Die Exilregierung bedauert den Entschluss. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,750014,00.html
Es ist an der Zeit, dass die Tibeter sich erstmalig eine Regierung frei wählen dürfen, auch wenn dies unter der chinesischen Okkupation zunächst schwierig sein dürfte. Bei aller Sympathie für den Buddhismus: Auch für Tibet gilt das Grundprinzip, dass Staat und Kirche (bzw. Tempel) getrennt sein müssen. Ein als Kind von einigen Vertretern einer religiösen Macht durch obskure Methoden ausgesuchter geistiger Führer kann nicht ausreichend die Interessen eines Volkes vertreten. Der Dalai Lama ist außerdem verständlicherweise sehr erschöpft und möchte wohl die Jahre seines Lebens, die ihm noch verbleiben, in Ruhe verbringen.
dborrmann, 10.03.2011
2. Tashi Dele Dalai Lama La!
Da wünsche ich s. H. dem DL und den Tibetern Glück und gutes Gelingen. Im Gegensatz zu meinem Vorredner glaube ich nicht, dass sich s. H. der DL aus Gründen von Müdigkeit zurückziehen möchte. Ich denke eher, dass er die Exilregierung absichern möchte. Nach seinem Tod wird es Jahre dauern, bis ein Nachfolger für den DL gefunden sein wird. Dieser Übergang war ja im alten Tibet durch entsprechende Zwischenregierungen reguliert. Das ist aber weder zeitgemäß noch in den neuen Strukturen sinnvoll. Da ist eine gewählte Exilreghierung erheblich sinnvoller. Durch den enormen Zusammenhalt der weltweit verstreuten, tibetischen Exilgemeinde wird dies sicher auch umsetzbar sein.
perpetuummobile 10.03.2011
3. Welche politische Macht?
Wenn eine religiöse Ausrichtung sich als Staatsoberhaupt ansieht: Ist es dann nicht ein Gottesstaat? Wenn Buddhisten das wollen, ist alles in Butter, gell?
insulaner64 10.03.2011
4. Tashi Delek
Klarstellung: Die Tibeter haben bereits seit langer Zeit eine gewählte Regierung, die sie frei gewählt haben, und zwar im indischen Exil. Es geht in diesem Artikel nicht darum, dass die Tibeter eine eigenständige und unabhängige Regierung im unrechtmäßig chinesisch besetzten Tibet wählen sollen oder dürfen - das lassen die chinesischen Diktatoren leider nicht zu. Ich zitiere: "Auch für Tibet gilt das Grundprinzip, dass Staat und Kirche (bzw. Tempel) getrennt sein müssen." Ich denke, dass dies das gesamte tibetische Volk (im Exil und in Tibet) selber entscheiden sollte. In Deutschland ist diese Trennung übrigens auch immer noch nicht vollzogen worden - Stichwort "Kirchensteuer" …. Es geht auch nicht darum, dass der Dalai Lama erschöpft ist, seine Entscheidungen trifft er nach erst nach reiflicher Überlegung und weltlichen und spirituellen Abwägungen. Ich zitiere "Ein als Kind von einigen Vertretern einer religiösen Macht durch obskure Methoden ausgesuchter geistiger Führer kann nicht ausreichend die Interessen eines Volkes vertreten". Diesen Kommentar würden die meisten Buddhisten, die dem tibetischen Buddhismus praktizieren, widersprechen. Die Bezeichnung "obskure Methoden" ist auch recht abfällig, mag aber auf ein mangelndes Wissen bzgl. des tibetischen Buddhismus zurückzuführen sein und ist daher entschuldbar. Deshalb sollte man diese Entscheidung wiederum den Betroffenen überlassen - anstatt jene zu bevormunden. Übrigens: Der Dalai Lama vertritt bereits seit mehreren Jahrzehnten die Auffassung, das eine vom Volk gewählte demokratische Regierung politische Entscheidungen treffen soll. Ich wünsche dem Dalai Lama und dem tibetischen Volk, dass es in sehr naher Zukunft Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie, Wohlstand und Frieden erfahren wird. Ob dies innerhalb eines neuen demokratischen und liberalen Chinas geschehen wird oder als ein unabhängiger friedlicher Staat, indem aufrichtig nach den Prinzipien des tibetischen Buddhismus praktiziert und gelebt wird, bleibt abzuwarten.
Dome 10.03.2011
5. Sagt wer?
Auch für Tibet gilt das Grundprinzip, dass Staat und Kirche (bzw. Tempel) getrennt sein müssen. Wer sagt, dass es so sein MUSS? Das ist wiedereinmal ein gutes Beispiel dafür, dass wir immer meinen, unsere Art zu "Herrschen" wäre die einzig Richtige. So ein Humbug! Erst einmal, sollten die Tibeter ein eigenes Souveränes Staatsgebiet haben, über welches diese gewählte Regierung herrschen kann. Das ist De Facto nicht der Fall. Meiner Meinung nach, würde das Chaos, dass jetzt enstehen würde, wenn eine Weltliche und Religiöse Institution die wie der Dalai Lama jetzt verschwindet,die Position der Tibeter, gegenüber den Chinesischen Besatzern weiter Schwächen. vorallem in Zeiten in denen peking solche angst hat wie in diesen
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