Tod des Schlächters Idi Amin in Saudi Arabien beigesetzt

Das Staatsbegräbnis, das seine Familie sich wünschte, wurde von der Regierung Ugandas abgelehnt. Nun wurde Idi Amin, der am Samstag verstorbene und als "Schlächter von Afrika" berüchtigte Ex-Diktator, in aller Eile in seiner Exil-Heimat Saudi-Arabien begraben.


Ex-Despot Amin: begraben im Exil
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Ex-Despot Amin: begraben im Exil

Kampala/Nairobi/Dschiddah -"Ein Staatsbegräbnis kommt überhaupt nicht in Frage", sagte eine Regierungssprecherin am Samstag in Kampala. Verwandte von Amin hatten zuvor entsprechende Forderungen gestellt, als Amin im saudi-arabischen Exil schwer erkrankte. "Wir haben aber nichts dagegen, wenn er in Uganda begraben wird", sagte die Sprecherin. Nach Medienberichten hat die Familie von Idi Amin bereits einen Begräbnisstätte gekauft.

Als Idi Amin am Samstag im King Faisal Specialist Hospital in Saudi-Arabien starb, entschied sich die Familie plötzlich ganz anders. Hastig ließ sie das berüchtigte Familienmitlied noch am Tag seines Todes in der saudi-arabischen Stadt Jeddah begraben. "Er ist begraben", teilte Ali Amin telefonisch aus seinem Haus nahe der ugandischen Hauptstadt Kampala mit. "Die Familie hat entschieden, er wurde ihn Jeddah beigesetzt."

Massenmörder und Hitler-Verehrer

Der ehemalige Box-Champion, der sich 1971 an die Macht geputscht hatte, galt als einer der grausamsten Despoten Afrikas. Nach einigen Schätzungen sind während Amins Schreckensherrschaft 100.000 Menschen ermordet worden.

Amin wurde als Idi Amin Dada im vorwiegend moslemischen Teil Ugandas geboren. In jungen Jahren trat er der britischen Kolonialarmee bei und war von 1951 bis 1960 Ugandas Boxmeister im Halbschwergewicht. Nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft über Uganda 1962 brachte es Amin innerhalb von zwei Jahren zum stellvertretenden Oberbefehlshaber der neuen Armee. Mit der Machtergreifung beförderte er sich selbst zum Feldmarschall und schmückte sich mit Auszeichnungen. Als selbst erklärter König von Schottland trat er zudem gelegentlich in einem Schottenrock auf.

Die letzten Tage von Idi Amin in einem saudi-arabischen Krankenhaus
AP

Die letzten Tage von Idi Amin in einem saudi-arabischen Krankenhaus

Der skrupellose Machthaber verfolgte, wen er als Gegner vermutete, egal ob es sich um Politiker, Wissenschaftler, Geschäftsleute oder hochrangige Geistliche handelte. Amin habe während seiner achtjährigen "Terrorherrschaft" jedes grundlegende Menschenrecht verletzt, stellte eine Internationale Kommission von Juristen 1977 fest. Der Diktator soll die Leichen seiner Gegner Krokodilen gefüttert und Exilanten zufolge Kannibalismus praktiziert haben.

Ein Jahr nach seiner Machtergreifung wies Amin rund 40.000 Asiaten aus dem afrikanischen Land aus und begründete dies damit, Gott habe ihm befohlen, Uganda in ein Land des schwarzen Mannes zu verwandeln. Im selben Jahr schickte er dem damaligen UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim ein Telegramm: "Deutschland war in Ordnung, als Hitler Ministerpräsident und Oberster Feldherr war. Er hat über sechs Millionen Juden verbrannt."

Demütigende Lektion von den Israelis

1976 warf Israel dem Diktator vor, pro-palästinensischen Entführern eines vorwiegend mit Juden besetzten französischen Flugzeuges geholfen zu haben. Ein israelisches Elitekommando befreite die in Entebbe festgehaltenen Geiseln in einer spektakulären Aktion, bei der es die ugandischen Soldaten mit einem Auto täuschte, das wie das des Diktators aussah. Die Befreiung machte Amin vor der ganzen Welt weiter lächerlich.

Nach seinem Sturz 1979 durch die Armee des benachbarten Tansania bot das moslemische Saudi-Arabien Amin das Exil an. Hier ließ er es sich offenbar gut gehen. Er wurde regelmäßig in Einkaufszentren und teuren Fitness-Studios gesehen und sagte einem Reporter einmal: "Ich bin jetzt sehr glücklich, viel glücklicher als früher, als ich Präsident von Uganda war."

Die Opfer forderten ein internationales Gerichtsverfahren

"Es ist eine Schande, dass Saudi-Arabien ihm ein solches Leben mit der Ausrede ermöglicht hat, er sei ein Moslem", sagte Yasmin Alibhai-Brown, die für eine ugandisch-asiatische Zeitung schreibt und deren Familie von Amin vertrieben worden war. "Sie hätten ihn der internationalen Justiz übergeben müssen, aber das haben sie nie getan", sagte sie dem TV-Sender Sky Television.

Auch nach dem Ende von Amins Herrschaft kam Uganda zunächst nicht zur Ruhe. Weitere Diktaturen folgten, ehe Mitte der neunziger Jahre eine neue Verfassung mit einem Mehrparteiensystem verabschiedet wurde.



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