Tod eines Farc-Rebellen Ecuador und Venezuela brechen diplomatische Beziehungen zu Kolumbien ab

Die Spannungen wegen des kolumbianischen Militäreinsatzes in Ecuador wachsen: Venezuela und Ecuador haben die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien beendet. Auch Brasilien schaltete sich in den Konflikt ein und forderte eine "bedingungslose Entschuldigung" des Landes.


Quito/Caracas/Bogotá - Die Mitteilung aus Ecuador war deutlich: "Die Regierung von Ecuador hat entschieden, die diplomatischen Beziehungen mit der Regierung von Kolumbien ab dem heutigen Tag abzubrechen", hieß es gestern Abend in einer Erklärung aus Quito. Grund dafür seien eine "Reihe von Ereignissen und unfreundlichen Anschuldigungen".

Wenig später ordnete Venezuela die Ausweisung des kolumbianischen Botschafters und seiner Mitarbeiter an. Laut dem Außenministerium in Venezuela wurde der kolumbianische Botschafter ausgewiesen, "um die Souveränität des Heimatlandes und die Würde des Volkes in Venezuela zu verteidigen".

Die Botschafter und Diplomaten der beiden Länder in Kolumbien waren bereits am Vortag zurückbeordert worden. Zugleich wurden die Truppen an der Grenze zu Kolumbien verstärkt.

Die Regierungen in Quito und Caracas wiesen auch fast zeitgleich kolumbianische Vorwürfe zurück, sie hätten die marxistische Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) unterstützt. Dies solle nur dazu dienen, von der "unverschämten" Verletzung der Souveränität Ecuadors abzulenken, sagte ein Sprecher des venezolanischen Außenministeriums. Lateinamerikanische Regierungen aber auch europäische wie die Bundesregierung riefen alle Beteiligten zur Mäßigung auf.

Auch Brasilien schaltete sich in den Konflikt in Südamerika ein und forderte eine "bedingungslose Entschuldigung" von Kolumbien bei der Regierung von Ecuador. Bei der Sondersitzung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in Washington wolle man außerdem die Gründung einer OAS-Untersuchungskommission vorschlagen, die ermitteln solle, welches Land im Konflikt im Recht sei, sagte Außenminister Celso Amorim in Brasilia.

Brasiliens Chefdiplomat meinte, es habe eine Verletzung des ecuadorianischen Territoriums gegeben, die zu verurteilen sei. "Das ist etwas sehr Schlimmes", erklärte Amorim. Brasilien wolle nun dazu beitragen, dass die Krise so schnell wie möglich beigelegt werde. An einen Krieg glaube er nicht, meinte Amorim.

Kolumbianische Truppen hatten bei einem Luftangriff am Samstag ein Rebellen-Lager in Ecuador angegriffen und dabei den FARC-Vize Raúl Reyes und nach ecuadorianischen Angaben 20 weitere Rebellen getötet. Anschließend waren Bodentruppen nach Ecuador eingedrungen, um die Leiche von Reyes zu bergen und nach Kolumbien zu bringen.

hen/dpa/AFP



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