Tod im Rio Grande Mutter von ertrunkener Tochter kehrt nach El Salvador zurück

Die Bilder der Leichen im Rio Grande gingen um die Welt: Beim Versuch in die USA zu gelangen, verlor Tania Vanessa Ávalos Mann und Tochter. Nun ist die Frau nach El Salvador zurückgereist - dort fand ein Politiker deutliche Worte.

Tania Avalos: Ihr Mann und ihre Tochter ertranken
REUTERS/Jose Cabezas

Tania Avalos: Ihr Mann und ihre Tochter ertranken


Die dreiköpfige Familie hatte versucht, gemeinsam über Mexiko in die USA zu gelangen - doch nur Tania Vanessa Ávalos überlebte. Ihre fast zweijährige Tochter und ihr Ehemann Óscar Alberto Martínez Ramírez ertranken im Grenzfluss Rio Grande, die Bilder der leblosen Körper der beiden gingen um die Welt.

Die Witwe und Mutter des Kindes ist nun in ihr Heimatland El Salvador zurückgekehrt. Der Vizeminister für Salvadorianer im Ausland, Mauricio Cabrera, begrüßte die 21-Jährige am Flughafen der Hauptstadt San Salvador.

Cabrera rief am Flughafen seine Landsleute dazu auf, nicht illegal zu emigrieren und dabei ihre Leben aufs Spiel zu setzen, wie das Präsidialamt mitteilte. Der Präsident des mittelamerikanischen Landes, Nayib Bukele, hatte der Familie finanzielle Unterstützung sowie die Bezahlung des Transports der Leichen zugesagt.

Auf Bildern ist zu sehen, wie die Leichen des 25 Jahre alten Mannes und der 23 Monate alten Tochter mit dem Gesicht nach unten im flachen Wasser am Ufer des Grenzflusses Río Grande liegen. Das T-Shirt des Mannes hält beide zusammen, der Arm des Kindes liegt um den Hals des Vaters. Ihre Leichen wurden am Montagmorgen auf der mexikanischen Seite des Flusses entdeckt, etwa zwei Kilometer von der Stelle entfernt, an der Vater und Tochter zuletzt gesehen worden waren.

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Zwischen USA und Mexiko: Gefahr am Rio Grande

Ávalos hatte laut Medienberichten bei den Behörden ausgesagt, dass Martínez Ramírez zunächst mit seiner Tochter an das amerikanische Flussufer geschwommen sei und sie dort abgesetzt habe. Als er habe zurückschwimmen wollen, um auch seine Ehefrau zu holen, sei das Mädchen seinem Vater hinterhergelaufen. So endeten Vater und Tochter demnach erneut in dem Fluss - und wurden dann von einer Strömung erfasst und mitgerissen. Die Familie war wegen Armut und Perspektivlosigkeit aus El Salvador ausgewandert.

Zehntausende Migranten aus Mittelamerika fliehen jeden Monat vor Gewalt und Armut in ihren Heimatländern und versuchen, über Mexiko in die USA zu gelangen. Nach Zahlen der Vereinten Nationen starben im vergangenen Jahr 442 Migranten an der Grenze zwischen Mexiko und den USA. In diesem Jahr sind es demnach bislang 175 Migranten, darunter 13 Kinder.

Das jetzige Foto von Martínez Ramírez und Valeria weckt Erinnerung an den ertrunkenen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi. Seine Leiche wurde im September 2015 an einem türkischen Stand angespült, auch sein Foto ging damals um die Welt- und prägte den Diskurs in der europäischen Asylpolitik nachhaltig. Welche Folgen das Bild vom Rio Grande in den USA hat, bleibt abzuwarten.

Video von der Grenze zwischen Mexiko und den USA: Lebensgefährliche Flucht

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In den vergangenen Monaten ist die Zahl der Flüchtlinge aus Ländern wie Honduras, Guatemala und El Salvador deutlich gestiegen. Allein im Mai wurden an der US-Südgrenze 144.000 Einwanderer aufgegriffen, darunter 57.000 Minderjährige - das war die höchste Zahl seit 13 Jahren.

apr/dpa

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