Chinesen verurteilen Tod von Warmbier "Was Nordkorea getan hat, ist unmenschlich"

Otto Warmbiers Schicksal bringt viele Chinesen gegen Nordkorea auf. Auch scharfe Kommentare in sozialen Medien dulden die Zensoren. Dass Peking Sanktionen verhängt, wird immer wahrscheinlicher.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un
AFP/ KCNA

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un

Von , Peking


Schockiert und mit ungewöhnlich scharfen Kommentaren haben viele Chinesen auf den Tod von Otto Warmbier reagiert. "Wach auf, chinesisches Volk!" kommentiert ein User namens Lao Gu Min auf dem Kurznachrichtendienst Weibo: "Dieses bösartige Nordkorea sollte von einem Höllenfeuer getroffen werden."

Ein zweiter Blogger schreibt: "Ein gesundes junges Leben ist beendet worden. Aus welchem Land auch immer er gekommen ist: Was Nordkorea getan hat, ist unmenschlich." Ein dritter User, der sich "PrincessCan" nennt: "Ich kann es nicht mehr ertragen. Lasst uns bald einen Krieg anfangen."

Kommentare solcher Schärfe werden von der chinesischen Zensur in der Regel rasch entfernt, zumal wenn es um einen Verbündeten wie Nordkorea geht. Nicht so an diesem Dienstag: Obwohl die Staatsmedien neutral über Warmbiers Tod berichtet hatten, blieben selbst radikale Posts bis auf Weiteres online stehen.

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Otto Warmbier ist tot: "Leider kein anderes Ergebnis möglich"

Für Peking und Washington wird das tragische Ende der Affäre Warmbier politische Folgen haben. Am Mittwoch treffen sich die Außen- und Verteidigungsminister der USA und Chinas in Washington zu ihrem ersten "Diplomatie- und Sicherheitsgipfel". Das neue Format hatte Chinas Präsident Xi Jinping seinem US-Kollegen Donald Trump bei einem Treffen Anfang April vorgeschlagen. Trump stimmte zu - wohl in der Annahme, dass er China auf diese Weise bewegen könnte, den Druck auf Pjöngjang zu verstärken.

Diese Hoffnung hat sich bislang nicht erfüllt. Nordkorea hat seit April zwar keinen Atomtest durchgeführt, provoziert seine Nachbarn aber weiterhin mit Raketenstarts. Schon vor der Freilassung Otto Warmbiers hatten amerikanische China-Experten vor neuen Spannungen zwischen Washington und Peking gewarnt, weil es der chinesischen Führung offenbar nicht gelingt, ihren Verbündeten unter Kontrolle zu bringen.

Das erste Treffen zwischen den Außen- und Verteidigungsministern der beiden Weltmächte wird deshalb im Zeichen der Nordkorea-Krise stehen. In den USA wird Kritik an Tumps Nordkorea-Politik lauter, Tenor: Es sei naiv gewesen, Chinas Präsident Xi zu glauben, dass er wirklich etwas gegen Pjöngjangs Aggressionen tun werde. Nun sei es an der Zeit, sogenannte sekundäre Sanktionen gegen chinesische Unternehmen zu verhängen, die nach wie vor Geschäfte mit Nordkorea machen.

"Was für eine Schande"

Mit dieser Forderung dürften Rex Tillerson und James Mattis ihre chinesischen Amtskollegen am Mittwoch in Washington konfrontieren - und für Peking wird es nach dem Tod Warmbiers schwerer denn je, sich zu widersetzen.

Anders als Nordkoreas Nuklear- und Raketentests, die von chinesischen Hardlinern als legitimes Mittel der Verteidigung verstanden werden, empört Otto Warmbiers Tod viele Chinesen ebenso wie dessen Landsleute: "Was für eine Schande", schreibt der User Chun Cai Hui Wei Yu. "Ich kann nicht glauben, dass so etwas in unserem Jahrhundert geschehen ist."

Video: In Nordkorea inhaftierter US-Student Warmbier stirbt kurz nach Freilassung



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