Todesflug 93 Wie Terrorpilot Jarrah rebellierende Passagiere in Schach hielt

Der Untersuchungsbericht des 9/11-Ausschusses hat neue Erkenntnisse zum Kampf in der Maschine gebracht, die über Pennsylvania abstürzte. Eine halbe Stunde nachdem die Entführer das Flugzeug in ihre Gewalt gebracht hatten, begannen die Passagiere verzweifelt ins Cockpit einzudringen - doch Terrorpilot Jarrah reagierte eiskalt.



Washington - Um 9.57 Uhr begannen Passagiere an Bord der Boeing 757 sich zu wehren. Aufzeichnungen aus dem Flugzeug zufolge versuchten einige der Mitreisenden ins Cockpit einzudringen, in dem Terrorpilot Ziad Jarrah am Steuerknüppel saß. Als der Entführer den Sturm der Pilotenkabine bemerkte, versuchte er, die Passagiere aus dem Gleichgewicht zu bringen, indem er das Flugzeug in schneller Folge nach rechts und links in Schräglage brachte. Gleichzeitig befahl er einem der drei Komplizen, die Tür zum Cockpit zu blockieren.

Zwei Minuten später, um 9.59 Uhr, änderte Jarrah das Flugverhalten: Statt schnelle Flugänderungen in der Horizontalen machte er nun selbige in der Vertikalen. Abwechselnd zog er die Spitze des Flugzeugs in schnellem Rhythmus nach unten und oben. Nach rund einer Minute brachte Jarrah das Flugzeug wieder in eine stabile Position. Währenddessen sind auf dem Band allerlei Geräusche zu hören: Schreie, Aufschläge, zerbrechendes Geschirr.

Dann ist Jarrah zu hören: "War's das? Sollen wir die Sache beenden?" Einer der anderen Entführer antwortet: "Nein, noch nicht. Wir beenden es, wenn sie alle angreifen." Daraufhin begann Jarrah wieder, das Flugzeug nach oben und unten zu reißen.

Als Nächstes gibt das Band bruchstückhafte Sätze eines der Passagiere wieder: "Ins Cockpit. Wenn wir das nicht tun, werden wir alle sterben." Wenige Sekunden später ruft ein Passagier: "Roll, it!", von vielen interpretiert als: "Auf geht's, packen wir's an" - weshalb der Satz "Let's roll" zum Motto für den Feldzug der USA gegen den Terrorismus wurde. Oder aber "roll it" ist als Flugmanöver zu verstehen. Demnach fordert der Passagier die Terroristen zur Umkehr auf.

Um 10.01 Uhr hört Jarrah mit seinem Achterbahnflug auf und ruft zweimal: "Allah ist der Größte!" Dann fragt er einen Komplizen erneut: "War's das nun? Sollen wir das Ding runterbringen?" Darauf erhält er die Antwort: "Ja, mach es rein und bring es runter."

Währenddessen versuchen die Entführten weiterhin ins Cockpit einzudringen. 2 Minuten und 23 Sekunden nach 10.00 Uhr befiehlt einer der Terroristen: "Zieh ihn runter! Zieh ihn runter!" Die Verfasser des Kommissionsberichts kommen zu dem Ergebnis: "Die Entführer kontrollierten das Flugzeug, doch sie müssen den Eindruck gehabt haben, dass die Passagiere sie in wenigen Minuten überwältigt hätten."

Das Flugzeug befand sich nun auf Sinkflug. Das Steuer war stark nach rechts gekehrt. Die Maschine drehte sich auf den Rücken, und einer der Entführer schrie: "Allah ist der Größte."

Den Geräuschen nach zu folgern, setzten die Passagiere ihren Kampf bis zuletzt fort - bis das Flugzeug auf einem leeren Feld bei Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania aufschlug. 33 Passagiere, sieben Besatzungsmitglieder und die vier Entführer kamen ums Leben.

Die Maschine wurde demnach nicht von den Passagieren zum Absturz gebracht, wie es lange hieß. Indirekt jedoch waren sie wohl dafür verantwortlich, dass die Terrorpiloten ihr eigentliches Ziel - möglicherweise das Weiße Haus oder das Kapitol - nur rund 20 Flugminuten entfernt, nicht erreichten.

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