Todesschütze von Tucson Anklage gegen Arizona-Attentäter erhoben

Die US-Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den mutmaßlichen Attentäter von Tucson erhoben. Jared Lee Loughner hatte am Samstag eine Kongressabgeordnete schwer verletzt und sechs Menschen erschossen. Offenbar haben Ermittler Hinweise auf einen Mordplan gegen die Politikerin gefunden.

Mutmaßlicher Attentäter Jared Lee Loughner: Mordplan gegen Gabrielle Giffords?
REUTERS/ Mountain View High School

Mutmaßlicher Attentäter Jared Lee Loughner: Mordplan gegen Gabrielle Giffords?


Washington - Der Schütze von Arizona, der am Samstag die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords schwer verletzt und sechs Menschen getötet hatte, wurde am Sonntag in ersten Punkten angeklagt. Dem 22-jährigen Jared Lee Loughner wird unter anderem Mord sowie versuchter Mord vorgeworfen. Das teilte die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Arizona mit.

Der Anschlag am Samstag vor einem Einkaufszentrum in Tucson galt laut Polizei eindeutig der 40-jährigen Demokratin Giffords. Am Wohnsitz des Mannes fanden Ermittler Gerichtsunterlagen zufolge offenbar Pläne für einen Anschlag. In einem Safe sei ein Schriftstück mit dem Namen der demokratischen Politikerin entdeckt worden.

Jared Lee Loughner hatte bei einem Bürgertreff vor einem Supermarkt mit seiner halbautomatischen Pistole das Feuer eröffnet und Politikerin Giffords durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. Sechs weitere Menschen erschoss der Attentäter, darunter ein neunjähriges Mädchen, ein hochrangiger Bundesrichter und ein Pastor. Insgesamt 14 Menschen wurden nach offiziellen Angaben vom Sonntag im Kugelhagel teils schwer verletzt.

Der Schütze sollte nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Montag in Phoenix vor Gericht erscheinen. Er wurde zunächst wegen zweifachen Mordes und dreifachen versuchten Mordes angeklagt. Die Klage bezieht sich derzeit auf die fünf Opfer, die Bundesbedienstete waren oder sind. Dazu zählen Giffords, ein getöteter Spitzenmitarbeiter der Abgeordneten und der ermordete Richter. Weitere Anklagen gelten als wahrscheinlich.

Zweiter Mann gilt nicht mehr als verdächtig

Angaben über die Motive des 22-Jährigen lehnte der Direktor der Bundespolizei FBI, Robert Mueller, in Tucson ab. Es sei noch zu früh, darüber zu spekulieren, sagte Mueller, der im Auftrag von US-Präsident Barack Obama die Ermittlungen vor Ort koordiniert. Bizarre Erklärungen und Videos des jungen Mannes im Internet deuten jedoch auf einen wirren politischen Hintergrund hin.

Medienberichten zufolge wetterte der Täter im Internet gegen die Regierung. In sozialen Netzwerken warf er der Politik "Gehirnwäsche" vor, beklagte sich über eine hohe Zahl von Analphabeten und forderte eine neue US-Währung. Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels zählte er ebenso zu seiner Lieblingslektüre wie Hitlers "Mein Kampf".

Ein zweiter Mann, der zwischenzeitlich als weiterer Verdächtiger gesucht wurde, hat nach Angaben der Polizei doch nichts mit dem Blutbad zu tun. Wie die "Washington Post" berichtete, ist der Mann laut Polizeiangaben ein Taxifahrer, der den Täter lediglich zu dem Supermarkt gefahren hat, wo später das Attentat verübt wurde.

Mutige Passantin verhinderte offenbar eine noch größere Katastrophe

Wie der ermittelnde Sheriff Clarence Dupnik mitteilte, ist es anscheinend einer Passantin mitzuverdanken, dass nicht noch mehr Blut vergossen wurde. Die mutige Frau warf sich offenbar am Tatort auf den Täter, als er seine Waffe nachladen wollte. Dabei habe sie ihm das Magazin aus der Hand gerissen und sei verletzt worden, sagte Dupnik. Danach habe er mit einem weiteren Magazin nachgeladen, das jedoch klemmte, so dass er von zwei Männern überwältigt werden konnte. Hätte die Frau nicht eingegriffen, hätte der Täter "eine noch größere Katastrophe" angerichtet, sagte Dupnik.

Obama rief für Montag zu einer Schweigeminute auf. "Ich rufe die Amerikaner auf, morgen um 11.00 Uhr (17.00 Uhr MEZ) einen Moment der Stille einzuhalten, um der unschuldigen Opfer der sinnlosen Tragödie von Tucson zu gedenken", hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Dies werde ein Moment sein, an dem die Nation im Gebet zusammenstehen werde.

Am Tag nach dem Anschlag zeigten sich die behandelnden Ärzte "vorsichtig optimistisch" über den Gesundheitszustand der Politikerin. Giffords sei ansprechbar gewesen und befinde sich nun in einem künstlichen Koma, sagten die Ärzte Michael Lemole und Peter Rhee vom Traumazentrum des Universitätsklinikums in Tucson (Arizona). Die 40-Jährige reagiere auf einfache Anweisungen. Das zeige "ein hohes Maß an Gehirnfunktion".

lgr/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 5 Beiträge
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baninchenrenner 09.01.2011
1. Das sollte uns allen eine Warnung sein
Schade, dass erneut ein Amokläufer seine innere Zerrissenheit durch ein solches Blutbad entladen musste. Hoffentlich werden solche Taten nicht nur in den USA, sondern auch andernorts, ebenso wie bei uns endlich als Mahnung verstanden, nicht ununterbrochen die öffentliche Stimmung aufzuheizen, um völlig unnötig radikalen Ansichten Vorschub zu leisten. Scharfmacher wie Palin und so manche Aufpeitscher der Tea Party Bewegung sollten massiv in die moralische Pflicht genommen werden, endlich den unsinnigen Druck und Hass aus ihren Tiraden zu nehmen, denn dieses total vergiftete Klima scheint mehr und mehr gerade junge Menschen zu veunsichern, die dann zu solchen Taten schreiten. Hinterher will es dann keiner gewesen sein. Ein jeder sollte darauf achten, die Bälle halbwegs flach zu halten. Man kann mit dem eigenen angeblich "heiligen Zorn" über die Verhältnisse in der Welt auch verantwortlich umgehen.
biobanane 09.01.2011
2. .
Schon witzig, dass der Artikel im ersten Absatz vom "mutmaßlichen Attentäter" spricht, der Rest aber nicht einmal im Konjunktiv gehalten ist. Ja, es ist schwer, wenn der Tatverlauf scheinbar klar scheint, weiter von einer Unschuldvermutung auszugehen. Aber so ist es eben mal - in meisten Ländern der Welt zumindest dem Anspruch nach (Wikipedia) - liebe SPONler.
günterjoachim 09.01.2011
3. Einfach läppisch...
Zitat von baninchenrennerSchade, dass erneut ein Amokläufer seine innere Zerrissenheit durch ein solches Blutbad entladen musste. Hoffentlich werden solche Taten nicht nur in den USA, sondern auch andernorts, ebenso wie bei uns endlich als Mahnung verstanden, nicht ununterbrochen die öffentliche Stimmung aufzuheizen, um völlig unnötig radikalen Ansichten Vorschub zu leisten. Scharfmacher wie Palin und so manche Aufpeitscher der Tea Party Bewegung sollten massiv in die moralische Pflicht genommen werden, endlich den unsinnigen Druck und Hass aus ihren Tiraden zu nehmen, denn dieses total vergiftete Klima scheint mehr und mehr gerade junge Menschen zu veunsichern, die dann zu solchen Taten schreiten. Hinterher will es dann keiner gewesen sein. Ein jeder sollte darauf achten, die Bälle halbwegs flach zu halten. Man kann mit dem eigenen angeblich "heiligen Zorn" über die Verhältnisse in der Welt auch verantwortlich umgehen.
Einfach läppisch was "Kaninchenrenner" da absondert. Die "armen Täter" werden bemitleidet, die ja "...innerlich so zerissen..." sind. Absolut daneben.
baninchenrenner 10.01.2011
4. Noch ein Scharfmacher ...
@ günterjoflachim: Wie wär's mal, mit dem billigen Kommentatorenbashing aufzuhören, das hier als unappetitliche Marotte um sich gegriffen hat. Es reicht doch, wenn Sie Ihren eigenen, selbstgebastelten, Senf dazugeben statt nur bequem auf den Statements anderer herumzureiten. Der Täter stand primär nicht in meinem Fokus, der mag auch so geisteskrank sein, was weiß ich. Worum es mir geht, ist darauf hinzuweisen, dass solche scheinbar labilen Individuen leicht reiz- und aufhetzbar zu sein scheinen. Und da trägt m.E. die Gesellschaft eine Mitverantwortung und Mitschuld, nicht ohne Not politische Themen derart emotional hochzuspielen, dass sich Einzeltäter als "ausersehen" betrachten könnten, zur "finalen Befreiungstat" schreiten zu müssen, was immer die damit dann meinen. Ist das so schwer verständlich für Sie? Aber ein Verfechter milder und moderater Töne scheinen auch Sie selbst nicht gern zu sein, siehe Ihr hämischer "Haudruff"-Salmon.
gerhard_s 10.01.2011
5. Find
ich super :) Ein Politiker weniger. Abgesehen davon wen wundert es das immer mehr Menschen durchknallen bei dem täglichen Wahnsinn in Medien, Politik & Co. Da werden noch weit mehr Menschen in den nächsten Jahren durchdrehen je enger es für alle wird. Gehört halt traurigerweise nun auch zu unserem Leben.
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