Todesschwadronen im Irak Sunnitenführer fleht um Hilfe arabischer Staaten

Der Vorsitzende des größten Blocks der Sunniten im irakischen Parlament hat mit einem leidenschaftlichen Appell bei anderen arabischen Staaten um Unterstützung gegen Todesschwadronen geworben. Dabei richtete er schwere Vorwürfe gegen Iran.


Bagdad - Die Menschen im Zweistromland und in Bagdad seien einer "beispiellosen Völkermordkampagne" seitens Todesschwadronen ausgesetzt, die vom Iran geführt, bewaffnet und unterstützt würden, sagte Adnan al-Dulaimi. Der Sunnitenführer erklärte, es handele sich um eine organisierte Aktion seitens schiitischer Milizen, um Sunniten aus Bagdad zu vertreiben. Dulaimi ist Vorsitzender der Irakischen Konsensfront.

Sunnitenführer al-Dulaimi mit Überresten einer Mörsergranate: Die Menschen in Bagdad seien einer "beispiellosen Völkermordkampagne" seitens Todesschwadronen ausgesetzt
AP

Sunnitenführer al-Dulaimi mit Überresten einer Mörsergranate: Die Menschen in Bagdad seien einer "beispiellosen Völkermordkampagne" seitens Todesschwadronen ausgesetzt

Sunniten im Irak werfen der von Schiiten dominierten Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki vor, zu wenig gegen die zumeist von Schiiten gebildeten Todesschwadronen zu unternehmen. Auch die USA hält Iran vor, schiitische Milizen zu unterstützen. Teheran hat die Anschuldigungen zurückgewiesen.

Unterdessen hat Ministerpräsident Maliki die Führer der politischen Lager seines Landes zu Gesprächen über einen Ausweg aus der aktuellen Regierungskrise aufgerufen. "Ich habe die wichtigsten politischen Führer zu einem Treffen eingeladen, um wesentliche Fragen zu klären", sagte Maliki heute in einer Fernsehansprache. Das erste Treffen könne bereits morgen oder Dienstag stattfinden. Dabei solle über das politische Programm und strategische Fragen beraten werden.

Neben Maliki werden Präsident Dschalal Talabani, ein Kurde, sowie der schiitische Vizepräsident Adil Abd al-Mahdi zu dem Krisentreffen erwartet. Der sunnitische Vizepräsident Tarik al-Haschimi hat noch keine Zusage gemacht.

Viele Tote bei Anschlägen

Währenddessen reißt die Gewalt im Irak nicht ab: Bei einem Bombenanschlag im Südirak wurden gestern der Gouverneur der Provinz Diwanija und der dortige Polizeichef getötet. Der am Straßenrand versteckte Sprengsatz traf ihren Konvoi, wie ein Militärsprecher mitteilte. Auch der Fahrer und ein Leibwächter seien ums Leben gekommen. Der Anschlag ereignete sich am Samstag in der Stadt Aadschaf, als Gouverneur Chalil Dschalil Hamsa und Polizeichef Chalid Hassan auf dem Rückweg von der Beerdigung eines Stammesführers waren. Hamsa war Mitglied der einflussreichen schiitischen Partei "Hoher Islamischer Rat des Irak" von Abd al-Asis al-Hakim. Ministerpräsident Nuri al-Maliki kündigte eine Untersuchung des Attentats an. Zugleich rief er die Bevölkerung der Provinz zur Ruhe auf. Es sei das Ziel der Täter gewesen, die Sicherheit in Diwanija zu untergraben, erklärte er.

Weitere Anschläge wurden gegen zwei führende Sunniten verübt, die öffentlich gegen al-Qaida im Irak Position bezogen hatten. Der Geistliche Scheich Wathik al-Obeidi wurde bei dem Anschlag schwer verletzt, drei seiner Verwandten getötet. Westlich von Bagdad wurde der örtliche Stammesführer Scheich Fawak Sadda al-Chalifawi nach Polizeiangaben niedergeschossen, nachdem Bewaffnete in sein Haus eingedrungen waren.

Die US-Streitkräfte gaben unterdessen den Tod von weiteren fünf Soldaten im Irak bekannt. Vier der Männer seien bei Gefechten südlich von Bagdad ums Leben gekommen, hieß es am Sonntag. Der fünfte Soldat wurde während einer Patrouille in Bagdad erschossen.

anr/AP/AFP

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