Attentat auf Premier Rajiv Gandhi Indisches Gericht wandelt Todesurteile um

Indiens Justiz hat die Todesurteile für drei Hintermänner des Attentats auf den früheren Premierminister Rajiv Gandhi in lebenslange Haftstrafen geändert. Begründung: Ihr Gnadengesuch war elf Jahre verschleppt worden.

Indiens Oberster Gerichtshof: Die Todesstrafen dreier Männer wurden in lebenslange Haft umgewandelt
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Indiens Oberster Gerichtshof: Die Todesstrafen dreier Männer wurden in lebenslange Haft umgewandelt


Neu-Delhi - Das Gnadengesuch dreier Männer wanderte elf Jahre lang von Schublade zu Schublade - nun wurden die Todesurteile wegen des Attentats auf den ehemaligen Premierminister Rajiv Gandhi schließlich in lebenslängliche Gefängnisstrafen umgewandelt. Der Anwalt der Verurteilten, Yug Chaudhary, lobte die Entscheidung des Gerichts als "menschliches Zeichen der Hoffnung", dass seine Mandanten eines Tages wieder freikommen könnten. Dem indischen Fernsehsender NDTV sagte er, dass es an der Zeit sei, dass "die Todesstrafe in diesem Land abgeschafft wird".

Im Jahr 2000 hatten drei Männer ein Gnadengesuch beim indischen Staatspräsidenten eingereicht. Es landete - auch bei seinen Nachfolgern - immer wieder in der Schublade, erst 2011 wurde es dann zurückgewiesen. Der Oberste Gerichtshof befand nun, dass die Regierung in einer "angemessenen Zeitspanne" hätte reagieren müssen. Er wandelte deshalb die Todesurteile in lebenslängliche Haft um.

Rajiv Gandhi war im Mai 1991 während seines Wahlkampfes im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu durch den Anschlag einer Selbstmordattentäterin getötet worden. Die drei nun Begnadigten hatten der sri-lankischen Rebellenorganisation Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) angehört und sollen das Attentat geplant haben, bei dem insgesamt 18 Menschen ums Leben kamen.

Mit ihnen wurden damals 26 weitere Mittäter zum Tode verurteilt, die aber bereits in den vergangenen Jahren aus der Haft entlassen oder deren Strafen geändert wurden. Die drei Männer streiten ab, in den Anschlag verwickelt zu sein, der als Vergeltung für die Entsendung indischer Truppen nach Sri Lanka 1987 gilt und das politische Indien nachhaltig erschütterte.

Nehru-Gandhi-Familie

Seit der Unabhängigkeit 1947 dominiert die Nehru-Gandhi-Familie die Politik in Indien. Die Witwe von Rajiv Gandhi ist Vorsitzende der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi. Ihr Sohn ist Rahul Gandhi, der bis vor kurzem als aussichtsreicher Kandidat der indischen Kongresspartei für die im Mai anstehenden Wahlen gesehen wurde. Ob er für das Amt des Premiers kandidiert, ist allerdings momentan unklar. Die Mutter von Rajiv war die frühere Premierministerin Indira Gandhi. Sie starb 1984 ebenfalls durch ein Attentat, als sie von ihren Leibwächtern erschossen wurde.

Todesstrafe in Indien

Indien hält nach wie vor an der Todesstrafe fest, sie wird jedoch nur noch selten vollstreckt. Etwa 500 Menschen befinden sich im Todestrakt. Im November 2012 wurde ein Attentäter wegen der Beteiligung an der Anschlagsserie von Mumbai 2008 exekutiert. Drei Monate später hängten die Behörden einen Mann aus Kaschmir, der wegen eines Anschlags auf das Parlament im Jahr 2001 verurteilt worden war. Im Januar 2014 hatte der Oberste Gerichtshof die Todesstrafen von 15 Häftlingen wegen Verzögerungen bei ihren Gnadenersuchen in Haftstrafen umgewandelt. Amnesty International sprach von einem "ermutigenden Zeichen".

baf/AFP/dpa



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