Neue Strategie Iran will direkt auf Soleimanis Tötung antworten

Nach dem Tod Soleimanis droht Iran, die Vereinigten Staaten selbst anzugreifen. Angeblich gibt es 13 Racheszenarien - "selbst die schwächste Option wäre ein historischer Albtraum für die USA", lässt das Regime verlauten.
Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Khamenei: Drohung gegen die USA

Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Khamenei: Drohung gegen die USA

Foto: LEADER OFFICE HANDOUT/EPA-EFE/REX

Das iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Khamenei hat als Reaktion auf die gezielte Tötung des Generals Qasem Soleimani eine neue Strategie ausgerufen. Nach Informationen der "New York Times" forderte er bei einem Treffen des iranischen Sicherheitsrates, die militärische Antwort an die USA müsse direkt und angemessen erfolgen, ausgeführt von iranischen Streitkräften.

Normalerweise setzt Iran im Kampf gegen Washington auf ausländische, meist schiitische Truppen, die Teheran seit der iranischen Revolution von 1979 aufbaut und unterstützt. Ihr Ziel: die USA, Israel und Saudi-Arabien im Nahen Osten zu bekämpfen. Ausgebildet werden die Milizen durch Quds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden.

Soleimani, der die Quds-Brigaden befehligt hatte, war am vergangenen Freitag bei einem US-Drohnenangriff in Bagdad getötet worden. Sein Tod verschärft den Konflikt zwischen den USA und Iran.

"Schwächste Option ein historischer Albtraum für die USA"

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Fars hat der iranische Sicherheitsrat bereits mehrere Szenarien für einen militärischen Gegenschlag gegen die USA entworfen. "Die Amerikaner sollten wissen, dass wir bisher 13 Racheszenarien im Rat besprochen haben, auch wenn Einstimmigkeit darüber herrscht, dass selbst die schwächste Option ein historischer Albtraum für die USA wäre", sagte Ali Shamkhani, Sekretär des Sicherheitsrates.

Das iranische Parlament beschloss, das Budget der Quds-Brigaden um umgerechnet 200 Millionen Euro zu erhöhen. Zudem verabschiedeten die Abgeordneten ein Gesetz, wonach Mitglieder der US-Armee in Iran künftig als "Terroristen" gelten.

Das Gesetz richtet sich gegen alle US-Soldaten, die Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums sowie die Verantwortlichen für den Drohnenangriff auf Soleimani. Dem Gesetz zufolge wird fortan jegliche Unterstützung für die US-Truppen, sei es militärisch, finanziell oder logistisch, "als Beteiligung an einem terroristischen Akt" gewertet.

Neue Haltung zum Atomabkommen?

Das iranische Parlament verschärfte damit ein im vergangenen April beschlossenes Gesetz, mit dem die USA zum "staatlichen Förderer des Terrorismus" und die US-Truppen in der Region zu "Terrorgruppen" erklärt worden waren. Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump die iranischen Revolutionsgarden auf eine schwarze Liste von "Terrororganisationen" gesetzt.

Gleichzeitig signalisierte Iran Bereitschaft, die Vorgaben des internationalen Atomabkommens nach mehreren Verstößen und einer angekündigten weiteren Abkehr doch wieder zu respektieren. Man sei bereit, sich wieder vollständig an die Vereinbarung zu halten, hieß es von Vize-Außenminister Abbas Arakchi laut einem Twitter-Post auf der Seite seines Ministeriums. Details oder etwaige Bedingungen wurden nicht genannt.

Seit dem Ausstieg der USA aus dem 2015 geschlossenen Abkommen hat Iran mehrfach Verpflichtungen aus der Vereinbarung zurückgeschraubt. Am Sonntag kündigte das Land an, sich auch nicht mehr an die Beschränkungen bei der Urananreicherung zu halten. Man wolle aber weiter mit der Uno-Atomaufsicht zusammenarbeiten.


Anmerkung: In einer früheren Version wurde Ali Shamkhani als Verteidigungsminister bezeichnet. Diese Position hat er nicht mehr inne. Wir haben die Stelle korrigiert.

vks/Reuters/AFP
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